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Alter(n) was ist das?

Rodewisch – Als Kind wollen wir schnell erwachsen werden und glauben uns unsterblich; haben wir die Lebensmitte überschritten, merken wir, wie rasch die Zeit vergeht und das Leben endlich ist. Solcherart auf die Relativität des Alterns eingestimmt, erhielten rund 150 Besucher der Samstagsakademie im Klinikum Obergöltzsch eine Antwort auf die Frage „Alter/n) – was ist das?“
Referent war der Chefarzt der Medizinischen Klinik, Dr. Dietrich Heckel, seit 34 Jahren in Obergöltzsch. Er erinnerte sich, dass damals, als er seine Tätigkeit begann, ein 80-jähriger Patient etwas Besonderes, ein 90-jähriger eine Sensation war. Denn: Wir werden immer älter.
 Was die Vorlesung auszeichnete, war ein wohltuender Verzicht auf fachsprachliches Wortgeklingel und ein leiser Hauch von Ironie. So, wenn Dr. Heckel sich den Auswüchsen eines modernen „Lifestyles“ widmete oder formulierte, dass Nahrungsergänzungsmittel, wenn sie denn eine Nutzen haben, ihn vor allem für die Pharmaindustrie entfalteten. Daneben waren es immer wieder Zitate von Schopenhauer, Jean Paul, Seneca oder anderen, die es vermochten, innehalten zu können, nachzudenken und neben der wissenschaftlichen Erkenntnisvermittlung eine weitere Dimension des Begreifens zu eröffnen.
 Dazu dienten auch Bilder, die von Dr. Heckel gezeigt wurden; so der Jungbrunnen, wo gezeigt wird, wie Hutzelweiblein mühsam in ein Wasserbecken steigen und als schöne Frauen auf der anderen Seite wieder herauskommen; eine allegorische Darstellung verschiedener Altersstufen in einem mittelalterlichen Holzschnitt oder auch ein Foto der nachweisbar ältesten Frau der Welt (120 Jahre) als junges Mädchen und als Greisin.
Was sind Merkmale für Supersenioren? Es sind vor allem Frauen, die sehr alt werden. Hinzu kommt, dass kaum geraucht und wenig getrunken wurde. Diese Supersenioren waren selten krank, von robuster Persönlichkeitsstruktur, aktiv und eher dominant.


Ausführlich erläutere Heckel die Theorien, die es zum Thema Alter und Altern gibt: von der Verschleiß- über die Evolutionstheorie bis hin zu den Erkenntnissen, die davon ausgehen, dass unser Alter genetisch programmiert sei, auf Fehlern beruht oder zellbiologisch bestimmt. Jeder dieser Ansatzpunkte habe seine Berechtigung, so das Fazit des Chefarztes. Ein „echter Knackpunkt, an dem nur zu drehen sei, um das Leben zu verlängern“, so Heckel, sei jedoch nicht gefunden worden.


Gründlich widmete er sich der Frage, was jeder tun kann, um gesund älter zu werden. Das beginne bei einer ausgewogenen Ernährung und dem Bemühen, das Gewicht zu halten, besser sogar moderat zu reduzieren. Hinzu komme Bewegung. Wobei neben einem bestimmten Krafttraining, da die Muskeln im Alter zurück gehen, auch die Schulung des Gleichgewichts (als Sturzprophylaxe) und der Erhalt der Ausdauer eine Rolle spielen sollten.


 Neben der Forderung, nicht einzurosten, seien auch geistige Beweglichkeit und soziale Kontakte wichtig. Ein Video des eher wie eine Karikatur wirkenden Johannes Heesters mit seinen 104 Jahren schloss die Samstagsakademie ab.
Schöner war da der Satz: „Im Alter bereut man vor allem die Sünden, die man nicht begangen hat“. L. B.





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