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Wissen Sie, was eine Win-Win-Situation oder eine Win-Win-Strategie ist? Laut Internet-Lexikon Wikipedia ist es ein Konzept, bei dem alle Beteiligten profitieren. Jetzt meinen Sie sicher, ich würde mich vor dem brisanten Thema Sarrazin drücken. Irrtum: Es geht natürlich um das Noch-Vorstandsmitglied der Bundesbank und um dessen umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“.
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„Ich wäre auch im Bus gestorben“
Lengenfeld – Es gibt sie kaum mehr, die echten Originale. Für solche, wie den Lengenfelder Ernst Baschinski und seinen „Getränkebus“ ist kein Platz mehr. Anderes, neues, wie eben der im Entstehen befindliche große Edeka-Markt, haben die wahrlich kleinste Kneipe Lengenfelds verdrängt. Am Wochende hat Kneipier Baschinski seinen Bus zugeschlossen. Jetzt wird er demontiert und landet dann im Schrottcontainer.
Blau, wie die Farbe des Busses, war der Zustand von Baschinskis Gästen oftmals auch: Es waren Rentner, Alkis, Leute mit viel Zeit und wenig Geld, Männer und Frauen, die einfach mal ein Bier zischen und die Zeit in Gesellschaft totschlagen wollten. Drei Sorten Bier, Schnaps von „Zill & Engler“, Wein, Kaffee und Tee – mit und ohne Schuss, dazu manchmal ne Bockwurst, hat Ernst Baschinski über den Tresen gereicht. Baschinski, gebürtiger Schlesier, aus der Landwirtschaft stammend und Schlosser gelernt, hat vor elf Jahren für seinen blauen Kässbohrer Setra das Gewerbe angemeldet. Den Bus habe er damals von irgendeiner Kirche aus Franken, bereits als Restaurantbus mit Tresen ausgebaut, übernommen. „Die haben da drinne missioniert oder so was“, meint der heute fast 80-jährige Kneipier. Baschinskis Gäste huldigtem einem anderen Gott: dem des Alkohols.
Gepachtet hat Ernst Baschinski damals das Grundstück an der Zwickauer Straße vom Autohaus Klötzer. Doch der hat es nun an den Edeka-Investor verkauft.
Gute Zeiten hat sein Getränkebus erlebt, und der Wirt erzählt von lustigen Faschings- und Silvester-Sausen, davon, wie er im Dezember den Bus weihnachtlich illuminierte und für „seine Leute“, die an diesem Tag wahrscheinlich einsam in ihrer Bude gehockt hätten, selbst an Heiligabend den Blauen einheizte. Im Sommer saßen die Biertrinker unter einer Art Carboard. „Es wurde viel gequatscht, halt geistloses Zeug, oder man schaute den Passanten hinterher, denn auch Männer sind neugierig. Aber eine Schlägerei gabs bei mir nie“, erzählt der Ex-Wirt. Die guten Zeiten, in denen im Bus noch richtig was los war, sind allerdings seit ein, zwei Jahren vorbei. Von den Rentnern ist einer nach dem anderen weggestorben. Ob am Alkohol – das sei dahingestellt. „Meine Freunde haben dann immer zu mir gesagt: ,Ernst, wenn du ihnen nix zu trinken gibst, holen die sich ihren Schnaps woanders.‘ ‘‘ Von den einst 24 Sitzen, fanden am Ende nur noch sechs, sieben einen „Besitzer“. „Die hinteren Sitze hat man gemieden, weil die, die dort immer saßen, alle tot sind. Sozusagen war die hintere Reihe ein schlechtes Omen“, sagt Baschinski mit einer Mischung aus Traurigkeit und Humor.
Pacht, den Bus heizen, das Dixi-Klo unterhalten – und das nur für eine Handvoll Gäste, das wäre Ernst Baschinski eh über kurz oder lang zu teuer geworden. Viel verdient habe er, selbst Rentner, von seinem kleinen Nebenjob nie viel. Was zählte, war Spaß an der Freude und Idealismus.
„37 Kneipen gabs in Lengenfeld noch vor dem Krieg. Heute keine einzige mehr, wo man nur mal so ein Bier trinken kann. Meist wird man schief angeguckt, wenn man dazu nicht ein teures Rumpsteak nimmt“, moniert Rainer Weidlich, der dann und wann auch im Bus saß. Nun nimmt der Mann im Blaumann den Blauen auseinander, hilft beim Verschrotten.
All die Jahre hat sich Ernst Baschinski als „zweiter Sozialhelfer“ verstanden. Bei ihm haben seine Kunden, die ihre Sorgen am liebsten im Alkohol ertränkten, oft ihr Herz ausgeschüttet. Ihre größte Sorge dürfte dieser Tage sein, dass es den Getränkebus nun nicht mehr gibt. „Ernst, wo sollen wir jetzt hingehen?“ hätten ihn die alten Leutchen zum Abschied gefragt.
Dass der Bürgermeister mit Blumen vorbeikam, der Carnevals Club noch einen letzten Spaß am Bus getrieben hat, wertet der 80-Jährige als Anerkennung. „Wenn es den Bus noch länger gegeben hätte, dann wär auch ich eines Tages im Bus gestorben.“ Cornelia Henze







