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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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"Aquarium" gehört bald Vergangenheit an
Mögliche Varianten, wie das Rathaus künftig aussehen könnte, stellte Architekt Silvio Lux am Dienstag den Plauener Stadträten vor. Großen Wert legte er auch auf eine moderne Innengestaltung.
Von Torsten Piontkowski
Plauen - Kaum hatte Architekt Silvio Lux seinen informativen Vortrag über die Varianten, wie das Plauener Rathaus künftig aussehen könnte, beendet, gediehen in der Pause die Spekulationen gar trefflich. Wo werde man während der Umbauarbeiten tagen, werden sich erst die Stadträte der übernächsten Legislaturperiode am neuen Ambiente erfreuen können, und welche der von Lux ins Spiel gebrachten Varianten werde sich bei der Mehrheit durchsetzen?
Dachschiefer kontra verschlissenes Blech
Lux unternahm zunächst einen kurzweiligen Ausflug in die Geschichte des Rathauses, das 1922 fertiggestellt wurde, dessen Erbauer Wilhelm Goette sich aber nicht lange am Erfolg freuen konnte, weil er bereits fünf Jahre später im Alter von nur 54 Jahren auf einer Dienstreise starb. Nicht vielen dürfte auch geläufig gewesen sein, dass sich der Architekt vom Historismus inspirieren ließ, nicht ohne weitere Baustile einfließen zu lassen. Verblüffend ähnlich denn auch die von Lux gezeigten Ansichten italienischer Palazzi aus der Zeit der Neo-Rennaissance. Eher Zufall dagegen, dass zwischen Bau und Zerstörung, zwischen Zerstörung und Neubau, sowie Neubau und Gegenwart jeweils ähnlich viele Jahre liegen.
Nachdem kurz vor Ende des Krieges der gesamte Mittelteil des reich verzierten Bauwerkes zerstört wurde, bekam es Mitte der 70er Jahre eine Stahlträgerkonstruktion verpasst, die bis heute das Für und Wider der Plauener provoziert. Nur wenige Wochen nach ihrer Einweihung bekam die Glasfassade den nicht unbedingt liebevollen Beinamen "Aquarium" verpasst.
Bei aller Kritik bestätigte der Architekt dem "Aquarium", den Zeitgeist jener Jahre widergespiegelt zu haben, wenngleich der Bau mit dem Ursprung ebenso wenig zu tun habe, wie beispielsweise mit der Straßenführung der Gründerzeit. "Dachschiefer kontra verschlissenes Blech" seien nur optischer Beleg, dass das Rathaus dringend einer Verjüngungskur bedürfe. Es stelle zudem eine "wärmetechnische Unmöglichkeit" dar, der Wärmeaustausch von innen nach außen und umgekehrt sei nahezu unbegrenzt.
Anhand von Bildern, die den Mitarbeitern kaum noch und den Besuchern inzwischen nur noch am Rande auffallen, zeigte Lux den Ist-Zustand auch im Inneren: Das Foyer ist nicht behindertengerecht gestaltet, die Wegeführung schlecht, fehlendes Tageslicht und Terrazzoplatten vermitteln einen tristen Eindruck, der sich im Vorbereich des Saales fortsetze und bis zu einer Cafeteria reiche, die diesen Namen eigentlich nicht verdiene.
Eine Zumutung für die Bevölkerung
All diese Bereiche, so Lux, müssten in eine Renovierung eingebunden werden. Die bisherige durch eine neue, wie auch immer optisch geartete, zu ersetzen, sei schon aus Brandschutzgründen nicht denkbar. Beispielsweise müsste der Mittelteil von den Flügeln des Gebäudes getrennt, ordentliche Fluchtwege geschaffen werden. In diesem Zusammenhang warf der Experte die Frage auf, ob künftig alle Geschosse überhaupt noch benötigt werden. Transparente Arbeitsbereiche müssten für ein Bürger-Haus künftig selbstverständlich sein. Zudem seien Betriebskosten auch unter energetischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen.
Lux stellte im Wesentlich drei denkbare Varianten vor. Zum einen den Umbau des Rathauses, der Dach ebenso beinhalte wie vermutlich zahlreiche Stahlkonstruktionen. Diese Variante bewege sich im "unteren einstelligen Millionenbereich". Ein Nachbau als weitere Variante bilde die teuerste Variante, wobei Lux darauf aufmerksam machte, dass ein originalgetreuer Nachbau nahezu unbezahlbar sei. Hinsichtlich eines Neubaus "im mittleren einstelligen Millionenbereich", sei "vieles denkbar".
Bei allen Varianten aber sei auf einen großräumigen Eingangsbereich zu achten - der jetzige "gehört sich gegenüber der Bevölkerung einfach nicht", sprach Lux Klartext.
Nun werden zunächst die Stadträte die Diskussion führen, danach eine Aufgabenstellung definiert und ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, gab der Experte das Prozedere für sicher viele Monate bekannt. Fehlende Übersichtlichkeit, Ordnung und Orientierung bescheinigt Architekt Silvio Lux dem gegenwärtigen Foyer des Rathauses.
2011-11-18
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