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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Golle wirkt an Gedenkstättenbau in Norwegen mit

270710 GollePlauen – Ein Denkmal für "Hexen": Und diese führt das Plauener Unternehmen Golle Zelte und Planen ganz in den Norden Norwegens nach Vardø. Das Tor zur Nordostpassage und zur Barentsee ist Norwegens einzige Stadt in der arktischen Klimazone. Das launenhafte Wetter und die salzgeschwängerte Luft stellen somit an jedwede Bauten höchste Anforderungen. Das Familienunternehmen Golle nimmt diese Herausforderung an.


Entstehen soll in Vardø, Finnmark, bis Sommer kommenden Jahres eine Gedenkstätte für die Opfer der Hexenverbrennungen. Ein Blick in die Geschichte erklärt auch, warum gerade dieser Ort, der auch „Hexenstadt“ genannt wird, von der norwegischen Regierung für dieses Denkmal ausgewählt wurde: Der erste Hexenprozess in Skandinavien fand nämlich 1601 in Finnmark statt. Es wurden zwei Männer zum Feuertod verurteilt, weil sie einen königlichen Beauftragten im damaligen Vardøhuslen durch Schadzauber getötet haben sollten.

 

Von 1601 bis 1678 wurden 90 Personen, meist Frauen, verbrannt. Es waren die schwersten Verfolgungen in Norwegen in Friedenszeiten. In den Fischergemeinden Vardø, Kiberg, Ekkerøy und Vadsø wurden in dieser Zeit Teile der weiblichen Bevölkerung ausgerottet. 1617 wurde einigen Frauen vorgeworfen, sie hätten durch Zauberei ein solches Unwetter hervorgerufen, dass 40 Fischer an einem Tag ertrunken seien. Sie wurden verbrannt. Es wird geschätzt, dass während des 16. und 17. Jahrhunderts bis zu 50 000 Menschen in Europa auf Grund angeblicher Hexerei verurteilt und auf den Scheiterhaufen geschickt wurde. In Norwegen sollen es 800 gewesen sein. „Etwa 50 von ihnen waren Männer, die restlichen alles Frauen. So viele Frauen“, schreibt Iselin K. Johannessen, Servicemedarbeider Turistkontoret for Vardø. Die Planung und Gestaltung des Denkmals liegt in den Händen des international bekannten Schweizer Star-Architekten Peter Zumthor. Für sein Lebenswerk wurde er 2009 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet, der als Nobelpreis der Architektur gilt.


„Mit einem solchen namhaften Architekten zusammenzuarbeiten ist für uns Auszeichnung und Herausforderung zugleich“, sagte Thomas Golle, der mit seinem Vater Gottfried und Bruder Steffen das Plauener Familienunternehmen mit seinen 60 Mitarbeitern leitet. Bereits 2007 sei in Norwegen die Idee einer solchen Erinnerungsstätte geboren worden. Im September 2007 habe es erste Gespräche zwischen dem Architekten und der norwegischen Regierung gegeben. „Bereits einen Monat später waren wir mit im Boot, haben eine Machbarkeitsstudie gefertigt und erste Modelle gebaut. In Norwegen und in Zumthors Büro in Chur wurde weiter über den Einsatz verschiedener Materialien diskutiert. Eine Entscheidung zog sich hin. Im September 2008 war schließlich das endgültige Modell fertig“, erinnert sich Thomas Golle. Im Oktober des gleichen Jahres begann die Produktion in Plauen.


Das Denkmal, für dessen Entwurf Zumthor mit der New Yorker Künstlerin Luise Bourgeois zusammenarbeitet, soll ein langer Schlauch aus Textilien – gefertigt und geliefert aus Plauen – werden, gehalten durch ein Holzgerüst. Getreu der norwegischen Tradition, in Fenstern Lampen aufzustellen, sollen auch in dem Textilgewebe 92 Fenster – für jede verbrannte Hexe eine – an die Prozesse erinnern. In dem Textiltunnel wird ein Museum eingerichtet – auf einem Edelstahlboden können die Besucher von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück auf Zeitreise gehen.
„Um den besonderen Ansprüchen rund 15 Meter vom Meer entfernt gerecht zu werden, verarbeiten wir ein Glasfasergewebe, das teflonbeschichtet ist. Insgesamt wird der Tunnel 110 Meter lang, 2,20 Meter breit und vier Meter hoch werden. Wir fertigen Segmente zu je sechs Metern Länge, die dann mit Edelstahlbeschlägen befestigt werden“, erläutert Thomas Golle. Sein 28-jähriger Sohn Stefan hat gemeinsam mit dem „Tüftler“ der Firma, Rainer Heinz, „der alles zur Produktionsreife geführt hat“, den Hut für das norwegische Projekt auf.


„Am 9. August legen wir in Vardø los. Und die Zeit drängt. Das Gewebe kann nur bis zu einer Minimalaußentemperatur von drei Grad Celsius verarbeitet werden. Außerdem ist es jetzt am Nordkap auch nachts taghell, aber in wenigen Wochen auch frühzeitig dunkel. Von Januar bis April kann nicht gearbeitet werden. Und deshalb müssen wir in diesem Jahr noch mit der kompletten Montage fertig sein, wenn zur Sommersonnenwendfeier am 23. Juni nächsten Jahres das Denkmal vom norwegischen König offiziell eingeweiht werden soll“, erklärt der Junior-Chef. 80 Prozent der benötigten Teile seien bereits vor Ort. Am 15. September sollen die restlichen Materialien geliefert sein. „Deshalb wird jetzt noch fleißig zugeschnitten, genäht, verpackt – und dann per Spezialcontainer auf dem Land- und Seeweg alles nach oben gebracht“, sagt der 49-Jährige. Die Arbeiten vor Ort betreuen dann die beiden Projektverantwortlichen.


Und während die Gedenkstätte für die Hexenverbrennung so nach und nach Wirklichkeit wird, reifen die Ideen im Plauener Familienunternehmen schon für weitere „Denkmale“ in Deutschland und der ganzen Welt. va

 

2010-07-30




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