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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Juwelier Hessel offeriert seit 100 Jahren Hochwertiges
Traditionsreiches Schmuckkästchen
Plauen – Als 1910 Arthur Hessel in Erfurt sein Juweliergeschäft eröffnete, da herrschte in Deutschland noch ein Kaiser. 100 Jahre später und einige 100 Kilometer südöstlicher gibt es die Firma noch immer, heute betrieben vom Urenkel, von Frank Hessel in Plauen.
Der Urgroßvater war ein Seiteneinsteiger, wie der junge Firmeninhaber schmunzelnd erwähnte. Er hatte den Beruf des Uhrmachers erlernt. Und das Geschäft der Familie Hessel steht auch heute noch auf zwei Beinen: dem Schmuck und den Uhren.
Bis 1944/45 blieb der Urgroßvater in der thüringischen Stadt, zog dann gezwungenermaßen nach Greiz um, in die alte Residenzstadt. Denn Erfurt wurde mehrfach bombardiert. Die kleinere Stadt als Folgedomizil bot da schon mehr Ruhe.
So richtig los ging es dann in Greiz im Jahr 1946. Dabei wurde mit einer sogenannten Großuhrproduktion nach eigenen Entwürfen begonnen. So entstanden beispielsweise Wand- und auch Tischuhren, die nicht zuletzt kurz nach dem Krieg so nach und nach wieder benötigt wurden. Mit der erzwungenen Teilverstaatlichung 1970 musste sich auch der Familienbetrieb umstellen. In der Folge zog es dann Frank Hessels Vater nach Plauen, wo er später das Uhren- und Schmuckgeschäft an der Neundorfer Straße 48 eröffnete. Der Umzug in die neuen Geschäftsräume des Gebäudeneubaus an der Ecke Neundorfer Straße und Theaterstraße erfolgte 2002.
Im Gegensatz zu früher, als der Kunde mit geschlossenen Augen ein Uhrengeschäft betreten konnte und wusste, wo er war, herrscht heute Stille im Uhren- und Schmuckgeschäft Hessel. An der Wand fallen dem Beobachter ungewöhnliche Uhrenkreationen auf, die auf Wurzelholz fachkundig aufgesetzt wurden. Das ist eine spezielle Note des, dem Neuen aufgeschlossenen Firmeninhabers Frank Hessel. Der einen Tischler kennt, mit dem er gemeinsam solche Kreationen entwirft, die auch in Plauen ihre Kundschaft finden. In puncto Modetrends spreche Goldschmuck ein jüngeres Publikum an. Aber auch „hochwertiger Silber- und Edelstahlschmuck“ sei gegenwärtig stark gefragt. Gerade jetzt im Frühjahr zögen immer mehr Farben die Kunden in ihren Bann. „Eine aktuelle Modefarbe ist Flieder“, ergänzt der Gesprächspartner. Was den Firmenchef etwas überrascht, ist die starke Nachfrage nach glitzerndem Schmuck. Viele Jahre beinahe verpönt, wollen insbesondere die Frauen beim Schmuck wieder funkeln.
Aber auch die Herren der Schöpfung sind dem Edlen gegenüber nicht abgeneigt, wie Hessel resümierte. Da wecke insbesondere Schmuck aus Edelstahl großes Interesse. Aber generell müsste der Schmuck für den Mann robuster sein.
In puncto Uhren besucht der Firmenchef die wichtigen Messen in München, Frankfurt/Main und auch Leipzig. Sich dort die nötigen Anregungen zu holen, sieht er als wichtigen Sinn eines Messebesuchs an, nicht zuletzt auch dank des Austauschs mit anderen Uhrmachern und Juwelieren.
Schließlich würden Uhren immer mehr zu modischen Accessoires von superschlicht und markant in Leder und Metallband über zweifarbige Uhren mit Steinen bis hin zu Ausgeflipptem von Bruno Banani. Während demgegenüber der Mann mehr Wert auf den dezenten Uhrenschmuck legt in Silber oder Schwarz. Eine Uhr hat allerdings keine Lebensdauer von 100 Jahren, wie das Uhren- und Juweliergeschäft Hessel. Dafür erhalte der Kunde in den Plauener Geschäftsräumen die nötigen Ersatzteile. Die Nachfrage werde immer größer, „denn die Uhrmacher um uns herum werden immer weniger, so dass die Kunden zu uns kommen“, ergänzte abschließend Frank Hessel, bevor er eine Kundin über eine mögliche Uhr für die Enkelin berät.
Von Bert Walther
2010-03-12
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