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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Die Frage im Leben ist's Überleben

IHK2Plauen – Der Jahresempfang der IHK-Regionalkammer Plauen war gestern Abend geprägt von dem Thema Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen auf das Vogtland. Doch von Pessimismus keine Spur.

 

IHK-Präsident Franz Voigt sprach vor den rund 150 Gästen von der Chance, die die Krise für mittelständische Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit solide wirtschafteten und mit innovativen Produkten den Markt eroberten, mit sich bringe. Er nannte eine Vielzahl unterschiedlicher Traditionsunternehmen, die in diesem Jahr ein langjähriges Bestehen feiern können. „Ihren Inhabern ist es gemeinsam, dass sie neben ihren großartigen unternehmerischen Traditionen auch sehr viel Zeit für das Wohl unserer Gesellschaft verwenden“, betonte Voigt und hob damit zugleich die ehrenamtliche Arbeit, die auch in den Gremien der IHK nicht wegzudenken sei, hervor.

 

 „Mittelständler stehen nicht jeden Tag im Rampenlicht und schwingen große Worte. Sie krempeln die Ärmel hoch und schaffen werte und Arbeitsplätze. Während die Bundes- und Landespolitik über gigantische Programme zur Rettung von so genannten staats- und systemtagenden Konzernen debattiert, handelt der Mittelstand schon lange. Wer sich permanent kaufmännisch daneben benimmt, hätte auf Dauer keine Chance“, unterstrich Voigt. Zugleich lobte er den Freistaat Sachsen, der die Investitionsförderung für Unternehmen entscheidend gelockert habe. „Diese Sonderregelungen stellen eine wichtige Unterstützung dar, die überaus hilfreich für die Sicherung des Erreichten und das weitere Wachstum sein werden“, sagte Voigt.

 

Auch habe sich die Befürchtung, die Krise werde sich negativ auf das Existenzgründungsgeschehen in der Region auswirken, „bislang nicht bestätigt“. Wichtig sei auf Grund der geringer werdenden Anzahl von Schulabgängern, keinen verloren gehen zu lassen und so viel wie möglich mit auf den Weg in eine berufliche Zukunft zu nehmen. Dabei helfe auch das IHK-Projekt „Berufspower“, das verschiedene Berufsbilder auf Videos den Schülern nahe bringen soll. Im Juni werden die Produktionen des Regionalfernsehens allen Mittelschulen zur Verfügung gestellt.
 Ehrengast des Empfangs war Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Franz Josef Radermacher, der als Berater der Bundesregierung fungiert und den Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft als Präsident führt. Seine sehr anschauliche und fesselnde Festrede gipfelte in der Aussage, dass die Ökonomie nicht alles im Leben ist, sondern die „relative Performance“.

 

 „Es geht nicht darum der Beste zu sein. Aber man muss so gut sein, dass genügend viele schlechter sind, ohne ihnen gegenüber unfair aufzutreten. Ein guter Unternehmer hat noch genügend Luft, um auch ein zweites Mal zu atmen“, betonte er. Die primäre Aufgabe des Unternehmers sei es Werte und Nutzen zu stiften für die Menschen und die Gesellschaft. „Wenn das der Sinn ist, muss es sich auch lohnen als Unternehmer.“


Und es bedürfe Wettbewerb, um effizient zu arbeiten und Regeln, damit die richtigen Dinge getan werden. Schlecht sei es, wenn jemand bewusst oder unbewusst falsche Regeln (Gesetze) aufstellt, weil damit die Wertschöpfung in falsche Bahnen gelenkt werde. „Das Ökonomische braucht eine Zielsetzung. Die kommt bei uns über die Demokratie, jeder hat eine Stimme. Allerdings sind dadurch die ökonomisch Erfolgreichen in der Minderzahl. Eine vernünftige Gesellschaft braucht die richtige Balance zwischen den Zugmaschinen – den Erfolgreichen – und der politischen Mehrheit, die in der Demokratie die Regeln für die wenig Erfolgreichen macht. Das ist bei uns der Fall, doch der Zustand ist gefährdet. Am Weltfinanzmarkt gibt es Profiteure eines falschen Regelwerkes und damit wird die Globalisierung zu einem Hebel für eine Refeudalisierung. Die Hauptakteure verweigern sich der Steuerzahlung. Doch ein stabiles gesellschaftliche System muss querfinanziert werden, beispielsweise in die Bildung“, betonte der Globalisierungsexperte.


 Eingehend auf die Finanzkrise sagte Prof. Dr. Radermacher: „Wir haben einen Prozess erlebt, der wurde von Bankerhirnen in Gang gesetzt, und stehen nun vor dem Ergebnis einer höchst erfolgreichen Plündertour. Es passieren jetzt gigantische Eigentumsverschiebungen. Die Prozesse im Finanzsystem sind noch nicht bereinigt. Es geht um 120 Billionen Dollar schlechten Geldes. Wir haben noch einen harten Weg vor uns. Auch Deutschland musste sich neu verschulden, um aus der Misere zu kommen.

 

Es braucht für die USA keine 26 und für Deutschland keine 24 Jahre mehr, bis alle Steuereinnahmen für die Bedienung der Schuldzinsen drauf gehen. Die Krise wird sich nur durch einen kontrollierten Währungsschnitt lösen lassen. Der ist besser als ein Kollaps.“ Die eigentliche Frage im Leben sei das Überleben. Und darum gehe es. Wer Kredite aufnehme, müsse auch die Zinsen aufbringen, um nicht alles zu verlieren. Da heiße es, die richtige Entscheidung zu treffen. Und er endet mit den Worten. „Kopf hoch und vorwärts geschaut. Das leben geht immer weiter und es wird auch immer Konkurrenz geben.“ M. T.




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