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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Drei Vogtländer helfen in Köln bei Archivaufbau

Im Einsatz mit Mundschutz und Handschuhen

 

Oelsnitz – Vor einem Jahr stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Zwei Menschen kamen ums Leben, zahllose Archivschätze bis tief ins Mittelalter schienen auf immer verloren. Heute, nachdem des Jahrestags der Katastrophe gedacht wurde, gelten rund 80 Prozent des Bestands als gesichert.


An der Rettungsaktion beteiligt haben sich auch drei Mitarbeiter des Landkreisarchivs auf Schloss Voigtsberg. Evelyn Schmidt, Evelyn Gsik und Jens Gahrig wurden vom Landratsamt im April 2009 an die Rheinländer „ausgeliehen“. Unsere Zeitung sprach mit den drei Vogtländern zum Tag der Archive.


Die Fachleute leisteten eine Woche lang ihren freiwilligen Einsatz im Erstversorgungszentrum in Köln-Porz. Dort landeten die Zeugnisse vergangener Zeiten, nachdem sie an der Einsturzstelle in der Kölner Severinstraße von Rettungskräften wie Technischem Hilfswerk und den Feuerwehren geborgen und verpackt worden waren. Als Arbeitskleidung trugen die Archivretter – wegen der Staub- und Schimmelbelastung Mundschutz, Overall und Handschuhe. „Manche Teile waren top, manche leicht beschädigt, andere Dokumente bestanden nur noch aus einzelnen Seiten oder Krümeln“, berichtete Evely Schmidt. Doch kein Schnipsel wurde weggeschmissen.

 

Fast alle Fundstücke waren eingestaubt, mussten gereinigt und in Inventarlisten eingetragen werden. Anschließend wurden die Dokumente mit Laufzettel in Wannen verpackt und für acht Stunden ins Trockenzelt gebracht. Manche besonders nasse oder verschimmelte Akten mussten in Stretchfolie eingeschlagen und zum Schockgefrieren abtransportiert werden.


In der eigens von der Stadt angemieteten Halle, die in zwei Bereiche eingeteilt war, arbeiteten die Kräfte in Früh- und Spätschicht. Alle Dokumente werden nach ihrer Sicherung in Kartons aufbewahrt und einstweilen in Asylarchiven im Bundesgebiet stationiert. Auffällig fand es Evelyn Gsik, dass der Nachlass von Heinrich Böll besonders stark in Einzelteile verstreut war. Immer wieder tauchte hier und dort ein Blatt auf. Notenblätter, Partituren, Schankgenehmigungen, Bauakten gingen durch die Hände der Vogtländer.


Auch mit dem Nachlass von Willi Millowitsch, dem berühmten Kölner Sohn, Schauspieler und Theaterleiter, schlossen sie Bekanntschaft. Ein spaßiges Detail am Rande: Während von vielen Akten nur Bruchstücke übrig geblieben waren, überlebte eine japanische Vase heil das Desaster. „Hut ab vor den Kölnern“, sagt Frau Gsik. „Zahlreiche Bürger und ganze Schulklassen gingen Samstagnachmittag bei schönstem Sonnenschein zur Schicht auf die Einsturzstelle“, erzählt sie. Doch die Rettungsaktion fand auch international ihren Widerhall. Die Vogtländer trafen Bibliothekare und Archivare aus ganz Deutschland, Südafrika und Basel, Studenten und einen Restaurator aus London.

 

Von Renate Wöllner

 

2010-03-17




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