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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Thüringer machten einfach mehr Druck
Plauen – Viele Berichte zur Plauener Geschichte und ihr Engagement zu Aktivitäten Plauener Bürger veranlassen mich, nach den Erinnerungen von Falk Kertscher in der Ausgabe vom 11. Februar über einige Details meiner eigenen Eisenbahnerzeit in der Vor- und Nachwende zu berichten.
Die Ereignisse nach der Wende hatten für das Verkehrswesen einschneidende Bedeutung. Deshalb freut es mich auch, dass sich Falk Kertscher, der damals Leiter der Bahnmeisterei Plauen war, sehr anschaulich und ausführlich an die Aktivitäten zur Verbesserung der Streckendurchlassfähigkeit in Richtung Oberfranken erinnert.
Ich war zu dieser Zeit als Abteilungsleiter Betriebssicherheit in der Zentrale Deutsche Reichsbahn in Berlin tätig. Da ich trotz des Dienstortes Berlin meinen Wohnsitz in Plauen beibehalten hatte, waren die Kontakte ins Vogtland, nach Zwickau (meiner vorherigen Dienststelle im Reichsbahnamt) und vor allem nach Plauen sehr eng.
Das Geschehen im Jahre 1989 auf dem Oberen Bahnhof hat sich prägend auf mein weiteres Handeln ausgewirkt, zumal meine Schwester, Ute Stoermer, auf dieser Dienststelle als Fahrdienstleiter tätig war. Es war insgesamt auch in unserer Zentralen Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn die Unruhe der Eisenbahner nach Reformen zu verspüren.
Für unsere Abteilung Betriebssicherheit bestand die Aufgabe vor der Wende darin, präventive Maßnahmen vor dem Hintergrund verschieden geartetet Unfälle zu erarbeiten. Wir sahen nun die Möglichkeit, unser Vorschriftenwerk zu entbürokratisieren und konnten auch schon sehr zeitig – November/Dezember 1989 – damit beginnen, die verkrusteten Strukturen zu zerbröckeln.
Anregungen dazu habe ich mir auf vielen Dienstreisen zu den Dienststellen der DR – wenig später auch bei der Deutschen Bahn (DB) – geholt; nicht zu vergessen auch bei den Eisenbahnern hier in meiner Heimat.
Bereits Ende 1989 wurden direkte Kontakte zu gleichen Fachbereichen der DB hergestellt, bei denen ich auch kompetente Führungskräfte in Frankfurt und Mainz kennen lernte. Bald waren wir uns einig, dass über die gemeinsamen Ziele von DR und DB auch die Mitarbeiter in den Dienststellen informiert werden sollten.
Das geschah dann auch mit der Herausgabe der Mitarbeiterzeitung „DB/DR praxis“. In der Ausgabe April 1991 sind beispielsweise Ergebnisse meiner Einladung nach Plauen und Hof wiedergegeben. Eisenbahner von zwei deutschen Bahnen verständigten sich über gemeinsame Fachprobleme. Das hätte auch in Oebisfelde oder Helmstedt stattfinden können; Mir ging es aber darum, dass die Tagung im zentrumsnahen Vogtland stattfindet. Die Gelegenheit nutzten wir als Redaktion gleichzeitig, die damals noch vorzeigbaren Bahnhöfe und Strecken zu befahren sowie die markanten Eisenbahnbauwerke Göltzschtal- und Elstertalbrücke zu befahren und über ihre Geschichte zu sprechen.
Für mich als Plauener war es eine Freude, den Bundesbahn-Kollegen die Schönheiten meiner Heimat nahezubringen Spätere Beratungen habe ich dann in Königstein, in Waren an der Müritz und natürlich auch in Berlin organisiert, um den Kollegen aus den alten Ländern zu vermitteln, dass auch der Osten Deutschlands wunderschöne Landschaften zu bieten hat.
Und an noch eine andere Begebnheit aus dem Jahr 1990 kann ich mich gut erinnern: Bei einer meiner Fahrten von Plauen nach Berlin saß ich mit dem Reichsbahn-Hauptrat Gerhard Kertscher (Vater von Falk Kertscher und Leiter der Brückenmeisterei Plauen) im Abteil. Er war mit einem Anliegen an die Zentrale in Berlin unterwegs, das dem Eisenbahnverkehr im Vogtland mehr Bedeutung verschaffen sollte: Der Schienenweg von Nord nach Süd (Leipzig/Dresden nach München/Nürnberg) müsse für den schnellfahrenden Zugverkehr durch unsere Region hergerichtet werden; und das sollte in den damals in Arbeit befindlichen Verkehrswegeplan „Deutsche Einheit“ aufgenommen werden, so seine Vorstellung.
Dabei hatte er auch Visionen: Ein früheres Tunnel-Projekt (Weischlitz-Feilitzsch) würde die Strecke verkürzen und ab Reichenbach müsse die Elektrifizierung nach Bayern weitergeführt werden. Er war leider damals der einzige Vogtländer, der bei den zuständigen Fachbereichen in Berlin vorsprach. Mir gegenüber äußerte er später, er habe keine Unterstützung von den Politikern der Kommunen in Südwestsachsen und Oberfranken erhalten. Anders verhielten sich übrigens die Bürgermeister aus Erfurt, Weimar, Apolda und Naumburg: Die neue ICE-Strecke durch Thüringen wurde in den Verkehrswegeplan aufgenommen.
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