Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Skerdilaid Curri widmet Martin ein Tor gegen Jena

CurriAue/Plauen Selbst gestandene Männer hatten am Mittwochabend einen dicken Kloß im Hals, als Skerdilaid Curri das 5:0 für seinen FC Erzgebirge schoss, sein Trikot hoch riss und allen zeigte, wem er dieses Tor widmet: Martin Krause.

Der 13-jährige Schüler aus Lößnitz war am 20. Januar auf dem Heimweg mit dem Schulbus von seiner Unterrichtsstätte in Markersbach am Straßenrand einen einsamen Tod gestorben. Als dem Jungen während der Heimfahrt übel wurde, informierte er den Busfahrer, der daraufhin anhielt, Martin rausließ, so dass der Junge frische Luft schöpfen konnte. Doch Martin erstickte, ehe der eilig herbei gerufene Rettungsdienst eintraf.

Mysteriöser Erstickungsanfall

Bis heute ist unklar, was genau zu dem Erstickungsanfall geführt hat. Der mysteriöse Tod des Jungen hat nicht nur die Menschen im Erzgebirge bewegt.

Skerdilaid Curri war geschockt, als er die Nachricht vom Tod Martins bekam. Er hatte sich mit dem Jungen vergangenen Sommer angefreundet. Martin Krause war – wie wohl alle Jungs im Erzgebirge – großer Fan des dort regierenden Fußballclubs FC Erzgebirge Aue. Er war oft gemeinsam mit seinem Vati im Stadion und bewunderte vor allem einen: den kleinen Dribbler aus Plauen – Skerdi.

 

„Wir haben uns angefreundet“

Skerdilaid Curri und die Fans des FCE – das war von Anfang an eine ganz besondere Geschichte. Die Fans lieben ihn. Die Kinder versuchen, ihm auf dem Bolzplatz nachzueifern. „Vergangenen Sommer kam dann ein Fan zu mir und hat mir von Martin erzählt. Martin hatte sich bei einem Sturz mit dem Fahrrad die Hand gebrochen und musste operiert werden. Aber die Hand heilte nicht.

Als er auch die 7. Operation tapfer ertragen hatte, habe ich ihn im Auer Klinikum besucht. Ich habe ihm mein letztes Zweitliga-Trikot geschenkt, wir haben uns angefreundet. Seitdem habe ich ihn immer wieder einmal gesehen – nach den Spielen am Zaun oder auch am Rande des Trainings.“

Er habe es nicht fassen können, als man ihm im Januar von Martins Tod berichtet hat. Skerdilaid Curri ist selbst Vater zweier Kinder und kann den Albtraum nachvollziehen, den Martins Eltern ertragen mussten.

Ohne dass man es beschützen oder ihm wenigstens die Hand halten kann, stirbt das eigene Kind einsam an einem Straßenrand!

„Der Kartenvorverkauf für unseren Rückrundenauftakt zu Hause gegen Jena war damals bereits angelaufen. Martins Vater hatte auch für Martin ein Ticket gekauft. Der Junge hat sich auf das Spiel gefreut. Deshalb habe ich der Familie versprochen, dass ich gegen Jena ein Tor schießen und es Martin widmen werde.“ Auf Grund des heftigen Wintereinbruchs im Erzgebirge Anfang Februar wurde die Partie gegen Jena verschoben und schließlich am Mittwochabend ausgetragen. Skerdilaid machte das Spiel seines Lebens. Sein Zug zum Tor war so stark wie lange nicht. Zwei Mal stand er kurz davor – beide Male konnten ihn die Jenaer nur mit unlauteren Mitteln stoppen. Die zwei Elfmeter verwandelte Skerdi aus altem Fußballeraberglauben nicht.

Aber er gab nicht auf, bereitete ein drittes Tor vor, trieb den Ball immer wieder nach vorn. „Ich habe gesehen, dass die Uhr langsam abläuft – und ich habe gebetet, dass Gott mir hilft. Ich habe ein Versprechen gegeben, wollte es unbedingt halten. Nicht auszudenken, wenn ich nicht getroffen hätte.“ Dann endlich – vier Minuten vor Schluss – gelang dem Plauener der Treffer. „Ich war so erleichtert. Die Mannschaft hat sich mit mir gefreut, alle wussten ja, worum es ging.“

 

Der Junge hätte sich gefreut

Zum Interview mit den Journalisten ging Skerdi dann mit nacktem Oberkörper. Denn natürlich führte sein Weg unmittelbar nach Spielende zum Zaun, dorthin, wo vergangenes Jahr noch Martin Krause auf ihn gewartet hatte. Diesmal stand dort nur Martins Vater. Ihm schenkte Curri nicht nur sein Trikot, sondern auch das T-Shirt, das er unten drunter trug und auf dem die Widmung stand. „Ich weiß, Martin hätte sich heute Abend sehr über unseren Sieg gefreut! 5:0 gegen Jena – das ist ja nun wirklich nichts, was man vorher hätte erwarten können.“                                                                                          ho




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