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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Schneckenstein buhlt um UNESCO-Titel

010212 UnescoDas steht felsenfest: Der Schneckenstein mit seinem Topasvorkommen ist weltweit einzigartig. Deshalb hat dieser Fels es auch verdient, UNESCO-Welterbe zu sein - meinen Jens Pfretzschner und Steffen Gerisch von der Vogtland Kultur GmbH.

Von Cornelia Henze

Schneckenstein - Kulturhistorisch und landschaftlich einzigartige Stätten gibt es weltweit 936 - davon 36 in Deutschland. Nun wollen zehn neue Stätten aus Sachsen auf die Weltkulturerbe-Liste. Darunter der Topasfelsen "Schneckenstein". Ehrgeizig vorangetrieben haben die Bewerbung dazu seit längerer Zeit Jens Pfretzschner, Chef der Vogtland Kultur GmbH, und der Leiter der Grube Tannenberg Steffen Gerisch. "Würden wir den Titel verliehen bekommen, wäre unser Felsen noch besser geschützt", sagt Gerisch, der am liebsten den gesamten Stein unter Glas setzen würde.

Denn: Noch immer treiben sich Gesteinsräuber dann und wann um den Felsen herum, "bewaffnet" mit Hämmerchen und Werkzeug, mit denen sie die kostbaren Topase aus dem Stein treiben wollen. Zwar schützt seit Jahren ein Zaun vor Steinedieben und Glücksrittern - doch auch dieser bekommt manchmal ein Loch. "Die Gier der Menschen kennt keine Grenzen. Dabei sollte doch dieser einzigartige Felsen auch nachfolgenden Generationen erhalten bleiben", sagt Gerisch, der sich seit 1996 am Schaubergwerk "Grube Tannenberg" und Schneckenstein engagiert. "Nach der Wende war der Gesteinsraub ganz extrem.

Da kamen vor allem die Holländer und hätten uns den Stein fast weggepickt", erinnert sich auch Jens Pfretzschner. Käme der Topas-Felsen auf die UNESCO-Welterbe-Liste, so verspricht man sich im Vogtland einen noch stärkeren Touristen-Sog. "Der Eintrag auf der Unesco-Liste wäre ein Meilenstein für unseren Tourismus", weiß Pfretzschner. So zog man für eine Expertise den Geologen Klaus Erler aus Berlin hinzu, lieferte historische Daten und versuchte bei der Bewerbung mit der touristischen Vermarktung des Schneckensteins zu überzeugen. Vom Sächsischen Staatsministerium habe man bereits bestätigt bekommen, dass der Schneckenstein Weltkulturerbe-Potenzial besitze. Die erste Hürde sei also genommen, sagt Gerisch froh.

1727 wurde das außergewöhnliche Edelstein-Vorkommen am Schneckenstein bekannt. Daraufhin kamen Wissenschaftler von nah und fern zu dem etwa 24 Meter hohen Stein, um die Schätze, die die Erde dort hervorbrachte, zu erforschen. Die wunderschönen gelben Steine weckten schließlich Begehrlichkeiten bei den Mächtigen der Welt: 485 Topase wurden 1761 in die englische Königskrone eingelassen, Schneckenstein-Topase sind auch im "Grünen Gewölbe" zu sehen. Kurfürst August der Starke förderte wie kein anderer Gewinnung und Verarbeitung der Edelsteine. Weltweit gibt es 300 Topas-Fundstätten, davon befinden sich alle unterirdisch, außer einem: der Schneckenstein. Damit sei er in Art und geologischer Entstehung weltweit einzigartig.

Als einzigartig bezeichnen sich neun weitere Stätten in Sachsen und haben sich für den UNESCO-Titel beworben: Die Gartenstadt Hellerau Dresden, die sächsisch-böhmische Schweiz, das Umgebindeland in der Oberlausitz, die Görlitzer Altstadt mit Gründerzeit-Innenstadt, Schlosskapelle Schloss Hartenfels Torgau, der versteinerte Wald Chemnitz, die Leipziger Notenspur, das Westsächische Textilmuseum Crimmitschau sowie die Albrechtsburg Meißen. Alle zehn Kulturstätten bewerben sich um einen UNESCO-Eintrag ab dem Jahr 2016. Bis zum Juli dieses Jahres wird die sächsische Regierung zwei dieser zehn Projekte auswählen, die dann im Herbst der Kultusministerkonferenz vorgeschlagen werden. Diese bestimmt dann die Stätten, die auf die neue deutsche Vorschlagliste für die UNESCO-Welterbeliste kommen.

Ein Geldsegen sei mit einem UNESCO-Eintrag nicht verbunden, aber vielleicht eine Förderung von Projekten rund um den Felsen, hofft Pfretzschner. So gibt es schon Ideen für einen Baumwipfel-Weg am Schneckenstein. Das wäre ein weiteres touristisches Extra in der Region. 

UNESCO-Kulturerbe in Deutschland seit 1978

Dom von Aachen, Speyer, Köln, Hildesheim, Residenz Würzburg, Wallfahrtskirche auf der Wies/Oberbayern, Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, Michaeliskirche Hildesheim, die historischen Stadtkerne von Trier, Lübeck, Regensburg, Bamberg, Quedlinburg, Stralsund, Wismar, Sanssouci Potsdam, Benediktinerkloster Lorsch, Bergwerk Rammelsberg, Altstadt Goslar, Kloster Maulbronn, Eisenhütte Völklingen, Grube Messel, Luther-Stätten Wittenberg und Eisleben, Bauhaus Dessau u. Weimar, Wartburg Eisenach, Museumsinsel Berlin, Wörlitzer Park, Klosterinsel Reichenau/Bodensee, Zeche u. Kokerei Essen, Kulturlandschaft Mittelrhein, Rathaus u. Roland Bremen, Muskauer Park, Römischer Limes, Wohnsiedlungen d. Berliner Moderne, Nordsee-Wattenmeer, Oberharzer Wasserregal, Fagus-Werke Alfeld, Pfahlbauten in den Alpen.

Das Elbtal von Dresden wurde 2009 wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke gelöscht.

2012-02-01




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