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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Aufgedeckt: Bus-Entführung im Vogtland

Plauen/Elsterberg – 1982 wurde in der DDR ein Linienbus auf der Fahrt von Karl-Marx-Stadt über Plauen nach Bad Elster entführt. Die Stasi hat die Tat vertuscht. Georg Bachmann, ein Journalist aus Plauen, hat die Ereignisse recherchiert und der MDR hat sich im Magazin „Exakt“ dem Thema zugewandt. Am Dienstag wurden Details genannt und Fahrgäste aus dem Bus befragt.


Demnach hatte der Entführer, ein 30-jähriger Mann, einen großen Topf bei sich, in dem sich Gaspatronen und hunderte abgebrochener Streichholzkuppen befanden. Diese „Bombe“ drohte er zu zünden, falls ihm am Grenzübergang Hirschberg nicht die ungehinderte Fahrt in den Westen gewährt werde. An einer Bushaltestelle in Elsterberg vereitelte die Stasi die Entführung. Beamte drangen in den Bus ein und überwältigten den „Terroristen“. Der war offenbar kein Unbekannter, denn er hatte bereits vier Fluchtversuche unternommen. Nach Informationen des TV-Teams kam der Mann nicht vor Gericht – sondern in die Psychiatrie. Das war wohl für die Vertuschung sicherer als „normale“ Haft. Laut „Exakt“ hat sich der Mann noch vor der Wende das Leben genommen.


Im Fernsehbeitrag kamen Christine Ruppert und Heike Kahl zu Wort, die in dem Bus saßen. Sie berichteten von ihren zwiespältigen Gefühlen. Während am Anfang alle über den Entführer gelacht und überhaupt nicht an eine Gefahr geglaubt hätten, sei ihnen nach und nach bewusst geworden, dass es brenzlig werden könnte, erinnern sich die beiden Damen. Einige hatten Angst um ihr Leben oder vor einem Einschreiten der bewaffneten Organe, andere fürchteten sich, plötzlich allein im Westen zu sein. Und es gab Fahrgäste, die sogar gehofft haben, in dem Bus ungehindert in die Bundesrepublik fahren zu können.


Während der Fahrt haben einige Insassen Zettel mit Hilferufen aus den Fenstern geworfen. Während eines vorgetäuschten Tankstopps in Reichenbach durften zwei Soldaten, drei Frauen und ein Kind den Bus verlassen. Von ihren Erlebnissen durften die Businsassen nach der Entführung keinem erzählen. Nur im engsten Familienkreis wurde darüber gesprochen. Wie die Fernsehleute herausfanden, soll die Stasi nach dieser Entführung sogar Bundeswehr-Uniformen angeschafft haben, um im Falle einer Wiederholung dem Täter noch vor der Grenze vorzugaukeln, er sei bereits im Westen. ina

 

2009-10-08




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