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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Vogtland - nicht ganz am Ende
Plauen – Die wirtschaftsstärksten Landkreise Deutschlands liegen in Bayern. Der Vogtlandkreis dagegen schneidet nicht berauschend ab: Platz 390 – nur elf Landkreise sind schlechter. Das ist das Ergebnis eines Vergleichs, den Focus-Money angestellt hat.
Laut Untersuchung der Zeitschrift aus München belegt der Vogtlandkreis innerhalb Sachsens Platz 11 von 13 Landkreisen. Ist das nicht ein Widerspruch zur Aussage von Vogtland-Landrat Dr. Tassilo Lenk? Der hatte kürzlich betont, dass der Vogtlandkreis in Sachsen mit die niedrigste Arbeitslosigkeit und die höchste Quote an Industriearbeitsplätzen habe.
Damit setzt sich Lutz Kätzel auseinander, der SPD-Fraktionschef im vogtländischen Kreistag. Lenk habe nicht Falsches gesagt. „Der Vogtlandkreis hat mit in Sachsen seit Jahren nach Dresden die niedrigste Arbeitslosigkeit und prozentual arbeiten 33,5 Prozent (2007) aller sozialpflichtig Beschäftigten im verarbeiteten Gewerbe“, schreibt Kätzel in einer Pressemitteilung. Jedoch haben diesen beiden Werte laut Kätzel einen Hintergrund. „Die Arbeitslosenquote ist im Vogtland auch auf Grund großer Pendlerströme niedrig. In den Oberzentren sitzt mehr Verwaltung und Dienstleistung. Daraus ergibt sich in Prozenten eine höhere Quote an Industriearbeitsplätzen.“ Kätzel beziffert diese Quoten für 2007 für die Regierungsbezirke: Leipzig: 16,3 Prozent, Dresden: 22,2 Prozent, Chemnitz: 27,2 Prozent; zum Vergleich der Kreis Annaberg: Annaberg 32,3).
Kätzel äußert wenig Hoffnung, dass die Landesregierung Sachsen das Wirtschaftsranking von Focus-Money zum Anlass nimmt, die schlecht platzierten Landkreise zu fördern. „Hinter vorgehaltener Hand wird erzählt, dass Sachsen die Förderung der wirtschaftsnahen Wirtschaftsstruktur senken will. Die Frage ist: Was sind die Indikatoren der Landesregierung. Bei Indikatoren Arbeitslosenquote und prozentual beschäftigten im verarbeiteten Gewerbe hätte der Vogtlandkreis schlechte Karten“, schreibt Kätzel abschließend.Focus Money hat in seinem Ranking 401 Landkreise in ganz Deutschland verglichen – ganz vorn platzieren sich in der Gesamtwertung die bayrischen Landkreise Freising, Pfaffenhofen (Ilm) und Ebersberg. Am Ende rangieren das mecklenburgische Neubrandenburg sowie Kyffhäuserkreis und Gera aus Thüringen. Bester sächsischer Kreis ist Mittelsachsen auf Rang 240.
Bei der Untersuchung hat Focus Money sieben Faktoren berücksichtigt:
- Arbeitslosenquote im Jahresmittel – bezogen auf alle Erwerbspersonen (2009)
- Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zum Vorjahr (2008)
- Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigem (2008)
- Verfügbares Einkommen privater Haushalte je Einwohner (2008)
- Veränderung der Erwerbstätigenzahl zum Vorjahr (2008)
- Veränderung der Bevölkerungszahl zum Vorjahr(2009)
- Investitionen im verarbeitenden Gewerbe je Beschäftigtem (2008).
Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote schwankt in den untersuchten Landkreisen: Im bayrischen Eichstätt sind es 2,2 Prozent – in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) 18,2 Prozent. Der Vogtlandkreis ist mit 12,1 Prozent in der Wertung.
Erwerbstätigenzahl
Den höchsten Zuwachs an Erwerbstätigen verzeichnet die Stadt Wolfsburg (plus 6,1 Prozent), den stärksten Rückgang das thüringische Suhl (minus 3,6 Prozent); der Vogtlandkreis wächst um 0,1 Prozent.
Einkommen
Wie sieht es aus beim verfügbares Einkommen privater Haushalte je Einwohner? Spitzenreiter ist der Kreis Starnberg bei München mit 29 938 Euro, Schlusslicht der Kreis Uecker-Randow in Meck-Pomm mit 13 723. Und der Vogtlandkreis? Der wird mit 16 029 Euro angegeben.
Bevölkerungszahl
Kaiserslautern hat seine Bevölkerungszahl in einem Jahr um knapp 1,9 Prozent gesteigert. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat fast 1,8 Prozent eingebüßt. Dramatisch auch die Lage im Lankreis Greiz: rund minus 1,6 Prozent. Der Wert des Vogtlandkreises liegt bei 1,2 Prozent.
Bruttoinlandsprodukt
„Das Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis – mehr als 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – beeindruckt. Woher es rührt, bleibt allerdings ein Rätsel. Selbst Landrat Harald Zanker hat keine Erklärung für den Anstieg“, schreibt Focus-Money. Am anderen Ende der Wertungsskala steht die Stadt Salzgitter: minus 9,9 Prozent. Der Wert des Vogtlandkreises: plus 2,5 Prozent.
Wertschöpfung
Die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigem liegt im Landkreis München bei 103 000 Euro – und ist damit deutschlandweit spitze. Der Landkreis Ostvorpommern kommt nur auf 38 025 Euro: Das ist der schlechteste erfasste Wert der Untersuchung. Der Vogtlandkreis hat 42 182 Euro aufzuweisen.
Investitionen
Der Kreis Alttöting (im „bayrischen Chemiedreieck“) dominiert beim Kriterium Investitionen und liegt bei 48 200 Euro je Einwohner. In der Stadt Erlangen (ebenfalls Bayern) sind es nur 1619 Euro. Da sieht es im Vogtlandkreis besser aus: 7032 Euro.
Bei der Einschätzung der von Focus-Money vorgelegten Ergebnisse, ist folgendes zu berücksichtigen; daruf weist die Zeitschrift hin:
12 Landkreise fehlen, weil für sie keine Investitionsangaben vorlagen: Stuttgart (Stadt), Böblingen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach, Landshut (Stadt), Regen, Straubing-Bogen, Dingolfing-Landau, Frankfurt an der Oder (Stadt), Spree-Neiße, Eisenach (Stadt) und Weimarer Land. Warum liegen keine Daten vor? Wenn ein einzelnes Unternehmen die Wirtschaft in einem Kreis dominiert, dann können laut Zeitschrift die Wirtschaftsdaten geheim gehalten werden. Die Tester haben eigenen Angaben zufolge die Gebietsreform in Sachsen in ihr Ranking eingearbeitet, wonach zum 1. August 2008 aus den 29 Kreisen und kreisfreien Städten 13 geworden sind. ufa
2011-01-16
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