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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Sonderzug erinnert an Botschaftsflüchtlinge
Plauen/Dresden – Die Züge mit DDR-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft sind auch 20 Jahre nach ihrer Fahrt in die Freiheit unvergessen. Am 1. Oktober soll noch einmal ein Zug von Prag nach Hof auf die Reise gehen und an das historische Ereignis erinnern.
Eines steht schon fest: Die Nachfrage übersteigt auch dieses Mal das Platzangebot um ein Vielfaches. Die Organisatoren – darunter der Dresdner Verein Kultur Aktiv und die Deutsche Bahn – verrieten Details der denkwürdigen Reise.
Im Herbst 1989 brachten 23 Züge Tausende DDR-Bürger aus Prag ins oberfränkische Hof. Nur die letzten von ihnen mussten nicht mehr durch ihre alte Heimat fahren. Anfangs hatte die DDR-Führung darauf bestanden, die Züge über Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen gen Westen zu schicken, um so eine reguläre Ausreise zu suggerieren. Doch entlang der Strecke kam es zu Demonstrationen, viele Bürger wollten auf die Züge aufspringen. „Wir fragten uns, ob am Ende nicht doch noch die Russen eingreifen“, erinnert sich der Dresdner Markus Rindt.
Rindt hatte schon als Kind davon geträumt, in den Westen zu gehen und dafür frühreife Pläne geschmiedet. „Anfangs wollte ich als Hirsch verkleidet über die grüne Grenze.“ Als er 21 Jahre alt war, tat sich die Chance über die Prager Botschaft auf. Der junge Musiker fuhr mit seiner Freundin in die tschechische Hauptstadt. Doch die Straßen zur Botschaft waren von Polizisten blockiert. Als ein Vater mit zwei Kindern an der Hand auf die Uniformierten zuging, habe sich deren „Wand“ plötzlich geteilt und so Platz für die Flüchtlinge gemacht. Rindt saß seinerzeit im „Zug der Freiheit“ und macht nun bei der Neuauflage mit. Ein anderer Organisator stand im Oktober 1989 als 15- Jähriger am Bahnhof in Freiberg und sah, wie die Polizei Hunde auf Demonstranten hetzte. Mirko Sennewald hatte 2007 mit tschechischen Freunden in einer Prager Bierkneipe die Idee, den Zug noch einmal fahren zu lassen. Inzwischen kennt er viele Details der damaligen Zugfahrten.
„Es stellt sich ja die Frage, wie die DDR das logistisch schaffte, so viele Züge zusammenzustellen, ohne dass es anderswo zu Störungen kam.“ Ein früherer Dispatcher der Deutschen Reichsbahn konnte Sennewald aufklären. Die betroffenen Züge waren schon im September '89 allmählich aus dem Bestand herausgelöst worden, weil sie Tausende Jugendliche zum Fackelzug anlässlich des 40. Geburtstags der DDR am 7. Oktober nach Berlin bringen sollten. Nach ihrem Einsatz auf der „Freiheitsstrecke“ fuhren sie dann tatsächlich in die Hauptstadt.
Bei der neuerlichen Fahrt dürfte trotz langer Reisedauer keine Langeweile aufkommen. Laut Fahrplan soll der Zug mit historischen Waggons um 8 Uhr in Prag starten und um 19 Uhr in Hof eintreffen. Mit an Bord sind Jugendliche der Generation '89, Künstler und Zeitzeugen. An den Bahnhöfen wird gleichfalls gefeiert, auch ab 16 Uhr in Plauen. Kurz vor Hof hat der Zug eine imaginäre Mauer zu durchbrechen – allerdings bildet die von Feuerwehren gespeiste Wasserwand keine Risiken für die Passagiere.
Wie damals bekommen die Zuginsassen nach der Ankunft ein warmes Essen aus der Gulaschkanone. Die Stadt Hof inszeniert ein Fest. „Die Züge waren für uns ein epochales Ereignis“, sagt Jürgen Stader, der 1989 im Einsatzstab für die Flüchtlinge arbeitete. Er geht davon aus, dass die Euphorie auch 20 Jahre später wieder aufkommt. „Viele Leute aus Hof wollten mitfahren. Es sind mittlerweile viele Freundschaften zwischen Ost und West entstanden.“ va
2009-09-22
Kommentar zu Sonderzug erinnert an Botschaftsflüchtlinge?
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