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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Pflegefamilien im Vogtland gesucht

117 Familien geben 186 Kindern neues Zuhause

 

Plauen – ,,Wir sind in der Verantwortung für das Kind. Ich würde sogar sagen jede Bearbeiterin trägt persönlich dafür Sorge, dass es einem Kind gut geht“, sagte am Donnerstag Dr. Bertold Geier, Leiter des Jugendamts Vogtlandkreis.

 

186 Kinder wurden nach seinen Aussagen im vergangenen Jahr in 117 Pflegefamilien betreut. Trotz des demografischem Wandels und kinderarmen Jahrgänge, bleibe die Zahl der zu betreuenden Kinder samt Eltern etwa gleich. Häufig seien sehr junge Familien betroffen, die mit dem Erziehungs- und Lebensalltag überfordert seien. Aber auch psychische Erkrankungen oder Sucht seien Auslöser für Lebenskrisen, die die gesunde Entwicklung der Kinder gefährden könne. Hinzu komme, dass immer mehr Kinder an psychischen Erkrankungen leiden.


In solchen Fällen werden Kinder befristet zur Klärung der Situation in Pflegefamilien aufgenommen. Nur in guter Kooperation zwischen Sozialarbeiter, leiblichen Eltern sowie Pflegeeltern sei ein Rückkehr zeitnah zu erreichen. Trotzdem wurden auch mehrere Sprösslinge auf Dauer in andere Familien integriert. Dies sei vor allem dann notwendig, wenn eine Verbesserung der Situation im Umfeld in einem überschaubaren Zeitraum nicht möglich scheint. Beispielsweise wenn es den Eltern trotz Hilfe nicht möglich ist, den Bedürfnissen des Kindes und der angemessenen Versorgung und Förderung nachzukommen. 2009 seien 15 Kinder im Vogtlandkreis adoptiert worden, weiter 12 Bewerberpaare wünschen sich sehnlichst die Aufnahme eines Kindes. Acht Kinder leben zur Zeit in Adoptionspflege. Das sei die angemessene Zeit, bis die rechtlichen Voraussetzungen für eine Annahme geschaffen seien und der Antrag auf Annahme an Kindesstatt gestellt werden könne. Bei vier Kindern in Pflegefamilien werde eine langfristige Verweildauer angestrebt.


Ilona Horn, Annemarie Leonhard und Ines Voigt sind Sozialarbeiterinnen im Fachbereich Pflegekinder. Sie prüfen, inwieweit eine Adoption angestrebt werden kann und diese auf langfristige Perspektive für das Kind erforderlich und gut sei. Dabei habe das Wohl des Kindes immer Priorität. Zusammen mit verschiedenen Fachdiensten des Jugendamtes, wie Pflegekinderdienst, Vormundschaft und anderen werde beurteilt und entschieden. Als ,,Königsdisziplin“ bezeichnet Dr. Geier den Vorgang, wenn Eltern in der Lage sind, die eigenen Defizite zu erkennen und das Kind in eine Pflegefamilie geben. Wichtig dabei sei, dass die Kinder den Kontakt zu ihren leiblichen Eltern behalten. „Das ist oft am schwierigsten zu meistern“, weiß Geier.


Etwa 20 Familien und Alleinstehende haben sich 2009 beim Jugendamt gemeldet, weil sie einem Kind kurz- oder längerfristig ein Zuhause geben wollen. ,,Wie prüfen die Bewerber natürlich ganz genau auf Eignung. Nach einer Bewerbung folgt ein Erstgespräch und danach noch weitere. Natürlich wollen wir sicher gehen, dass sich die Paare oder auch Alleinerziehenden eignen, denn nichts ist schlimmer für ein Kind, wieder aus Beziehungen gerissen zu werden. Das solle natürlich weitestgehend vermieden werden.“, so Ilona Horn.

 

Sieben Bewerber/-paare nahmen an einem Kurs ,,Pflegeelternschule“ in Vorbereitung teil und könnten als Pflegeeltern bestätigt werden. ,,Wir sind froh, dass es diese Schulung jetzt wieder gibt, so kann sich jeder viel besser vorbereiten und bereits im Vorfeld auf mögliche Probleme hingewiesen werden.“ Im Vogtlandkreis habe es aber auch in den vergangenen Jahren fachliche Begleitung gegeben. Pflegeelternkreise oder spezielle Veranstaltungen ermöglichten Gespräche und einen Erfahrungsaustausch untereinander. Überhaupt sei der Landkreis gut aufgestellt. Ein stabiles Netzwerk von Beratungsstellen beispielsweise könne, rechtzeitig genutzt, viel bewirken. Deshalb sollten sich Betroffene nicht scheuen, eine Beratungsstelle anzurufen oder gleich persönlich aufzusuchen.


Um für jedes Kind eine passende Familie zu finden, denn das sei der bessere Weg als der Einzug ins Heim, werden ständig Familien oder auch Einzelpersonen gesucht. Die Bewerber sollten wenn möglich über Erziehungserfahrung mit eigenen Kindern verfügen, belastbar und konfliktfähig sein. Auf jeden Fall sei Geduld und Freude am Zusammenleben mit teilweise auch etwas ,,schwierigen“ Kindern gefragt. Wer sich also dazu in der Lage sieht und einem Kind helfen möchte einen guten und sicheren Start ins Leben zu haben, kann sich jederzeit beim Jugendamt des Vogtlandkreis in der Europaratstraße in Plauen melden.

 

Von Stephanie Rössel

 

2010-01-29




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