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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Aktion für mehr Bewegung und gesunde Ernährung

051110 TigerkidsPlauen – Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Und deshalb machen 45 vogtländische Kindereinrichtungen bei dem Projekt Tiger-Kids der Gesundheitskasse AOK für mehr Bewegung und gesunde Ernährung mit. Für die nächste Staffel im neuen Jahr werden weitere Tiger-Kids gesucht.

 

Mediziner schlagen Alarm: Die Zahl der übergewichtigen Mädchen und Jungen bereits im Kindergartenalter nimmt seit Jahren zu. Fast jedes vierte Vorschulkind ist zu dick, ein Drittel davon stark übergewichtig. Ursache dafür sind zu viele süße und fette Lebensmittel – die TV-Werbung tut das ihrige dazu – und zu wenig Bewegung. Die Folge sind Krankheiten wie Diabetes II, die bis vor wenigen Jahren nur bei älteren Menschen beobachtet wurden.

 

„Dem wollen wir entgegensteuern“, sagte Christiana Tröger, stellvertretende Regionalgeschäftsführerin der AOK Plus, gestern beim Auftakt für die nächste Runde „Tiger-Kids – Kindergarten aktiv“. Es ginge nicht darum, das sprichwörtliche Fahrrad neu zu erfinden, aber wohl darum, Essgewohnheiten in den Familien zu ändern, gerade angesichts der vielfach angebotenen Fertigprodukte. Auch beworbene Produkte für Kinder seien oftmals alles andere als gesund. Frau Tröger sprach deshalb auch von einem Auftrag an die gesamte Gesellschaft.


Das bundesweite Projekt Tiger-Kids sei ein wichtiger Mosaikstein, um einer immer dicker werdenden Bevölkerung in Deutschland vorzubeugen. „Kinder zwischen drei und sechs Jahren lassen sich spielerisch gut in ihren Gewohnheiten motivieren. Erst recht in einer Gruppe Gleichaltriger. Und noch mehr Spaß macht es, wenn man wie in dem Tiger ein figürliches Vorbild hat, das schlau, gewandt und stark daherkommt und so die Kinder tagtäglich ohne erhobenen Finger auf den richtigen, in diesem Fall gesunden Weg bringt“, schilderte die Gesundheitsexpertin. Der Frage, ob das bei einer Vollverpflegung in den Kitas besser gelingen würde, wich sie aus. „Wir können keine Vorschriften machen. Und wenn das Essen nicht schmeckt, bringt auch eine Vollverpflegung nicht den gewünschten Effekt. Es wird auch immer Kinder geben, die sich für ein gesundes Mahl nicht begeistern lassen. Problematisch kann es auch sein, wenn ein Catering-Unternehmen das gleiche Essen für Kindergärten, Betriebe und Seniorenheime kocht.“


„Es soll keinem Kind Süßigkeiten oder Pommes verboten werden. Es geht aber wie immer im Leben um das rechte Maß. Und wenn ein Kind probiert hat, dass auch Obst und Gemüse gut schmecken und auch ein zuckerfreies Getränk lecker den Durst löscht, dann wird es hoffentlich öfter zu solchen Lebensmitteln greifen“, fügt Katrin Schreiber, Fachbereichsleiterin Gesundheitsförderung, hinzu. Und über die Kinder würden auch die Familien zu einem gesunden Lebensstil angeregt..


Kopfnickend stimmten die anwesenden Erzieherinnen der am Projekt beteiligten Kitas „Wirbelwind“ aus Plauen und Kinderwelt Ellefeld zu. Beide Einrichtungen sind seit 2007 und damit von Anfang an bei Tiger-Kids dabei und wollen auch nach dem Ende der dreijährigen AOK-Projektzeit die Erfahrungen in den Kindergartenalltag weiter integrieren. Wichtig sei dabei für den Erfolg eine enge Einbeziehung der Eltern. „Falsch wäre es gewesen, sie zu überrumpeln. Deshalb haben Ernährungs- und Bewegungs-Fachkräfte der AOK Mitarbeiter nicht nur die Erzieherinnen geschult, sondern auch auf Elternabenden um Unterstützung geworben“, sagte Wolfgang Bauer, Fachberater Gesundheit. Für jede Kita-Gruppe gab es eine Tiger-Kids-Ausrüstung von der Plüschfigur bis zum Holzzug, in dessen sieben Waggons Lebensmittel nach ihrem Wert für eine ausgewogene Ernährung einsortiert werden können.


In das bundesweite Projekt habe die AOK Plus in Sachsen und Thüringen seit 2007 rund 312 000 Euro in die teilnehmenden 500 Kitas investiert. „Das war gut angelegtes Geld“, sagte Frau Schreiber. Eine wissenschaftliche Studie belege, den großen Erfolg. Sie zeige, dass sich Prävention auszahlt und nicht nur Kindern zu einem gesünderen Lebensstil verhilft, sondern auch Eltern, Erzieher und Träger der Kitas sensibler für das Thema macht.


„Bei uns bringen die Kinder täglich neben ihrer Brotbüchse noch zusätzlich eine mit Obst oder Gemüse gefüllte Dose mit. Und alle 14 Tage gibt es ein Tiger-Fest in der Turnhalle für alle Kinder mit einem super Frühstücksbuffet. Dafür ist immer eine Erzieherin mit ihrer Gruppe verantwortlich, die dabei toll von den Eltern unterstützt werden“, erzählte Veronika Tunger, Leiterin der Kinderwelt Ellefeld, und auch, dass an diesem Tiger-Fest-Tag mehr Kinder im der Kita bereits zum Frühstück da sind als an anderen Tagen.
Auch Martina Reißaus von der Kita „Wirbelwind“ weiß nur Gutes zu berichten. Anders als in der Ellefelder Einrichtung, gebe es bei ihr Vollverpflegung. Und mit dem Versorger ist sie sehr zufrieden. „Frühstück, Mittag und Vesper sind abgestimmt, da gibt es auch mal Brot am Nachmittag, wenn es zu Mittag schon eine süße Speise gab. Wir backen auch selbst, und auch Kuchen. Wichtig ist mir, dass die Kinder vom Essen probieren, ehe sie urteilen. Ein magischer Teller mit Obst und Gemüse steht immer auf dem Tisch und ist schnell leer geputzt. Wichtig ist auch, die Kinder trinken zu lassen, wenn sie Durst haben und nicht stur auf alte Gepflogenheiten zu beharren“, sagt sie. Sport gehört selbstverständlich zum Tagesablauf hinzu.


45 Kindereinrichtung machen vogtlandweit bei Tiger-Kids mit, davon 15 in der Stadt Plauen. In Gruppen zu a 15 Kindern sind das im Vogtland 114, davon wiederum 41 in Plauen. Im kommenden Jahr können im Frühjahr bei der nächsten Staffel weitere 20 Kitas mitmachen. Bis zum 30. November können sie sich bewerben. „Dann wird bis zum 31. Dezember eine Projektvereinbarung zwischen AOK und Kita unterzeichnet. Im April nächsten Jahres werden die Erzieherinnen geschult. Und dann soll es ab August mit der nächsten Runde los gehen. Insgesamt betreut unsere Kasse das Projekt drei Jahre lang“, warb Bauer um viele Mitmacher.


Die Anmeldung nehme für die AOK Plus Region Westsachsen die Ernährungsberaterin Anne Arends-Krjca in 08058 Zwickau, Franz-Mehring-Straße 3-7 oder Telefon 0375 349 72138 entgegen.  M. T.

 

2010-11-12




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