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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Festival Mitte Europa: Thomaschke gibt Führung ab

130411 Thomaschke„Ihr Freunde, kommt alle zum Feste.“ Mit diesem Motto lockt das Festival Mitte Europa, mittlerweile zum 20. Male, in 65 sächsische, böhmische und bayrische Orte zum nachbarschaftlichen Kunstgenuss. Für den Gründungsvater, Kammersänger Professor Thomas Thomaschke, wird das Jubiläumsfestival sein letztes als Intendant sein. Den Staffelstab reicht er weiter.

 

Plauen – Wird der 67-Jährige gefragt, was die Besonderheit des Festivals Mitte Europa ausmacht, dann blickt er auf den 24. Juli 1992 zurück. „An diesem Tag wurde das Festival in der Johanniskirche Plauen aus der Taufe gehoben, um dazu beizutragen, dass sich die Grenzregionen einander zu wenden und die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Als grenzüberschreitendes Kulturfestival sollte es bei der Besinnung auf gemeinsame Wurzeln ebenso helfen wie bei der Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Und es sollte den Kulturraum Mitteleuropa wieder beleben“, sagte Professor Thomaschke beim Gespräch in der Redaktion des Vogtland-Anzeigers.

 

Diesen Blick auf die „besondere politische Situation“ möchte er auch in Zukunft nicht verblassen lassen. „Die Grenzregionen, die einen gewissen Sprengstoff in sich bergen, sind zunehmend von der aktuellen Politik allein gelassen. Da stagniert das Zusammenwachsen“, sagt er.


Das Festival Mitte Europa ist eines der größten und erfolgreichen Kulturfestivals – und einzigartig. „Es will die Region darstellen und hebt sich auch mit seinem zweisprachigen Profil von anderen ab.“ Gemeinsam mit ihrem Mann hat Ivana Thomaschke-Vondráková von Anfang an einen großen Anteil am Erfolg des Festivals, vor allem in ihrer tschechischen Heimat. In den vergangenen Jahren haben weit über 2000 Veranstaltungen mit Musik, Literatur, Theater, Ausstellungen der bildenden Kunst sowie Symposien und Workshops das jährlich siebenwöchige Festival Mitte Europa geprägt.

 

Getreu dem Figaro-Zitat „Ihr Freunde, kommt zum Feste“ erfreuen viele herausragende deutsche und tschechische Künstler sowie internationale Weltstars der vergangenen zwei Jahrzehnte erneut zwischen dem 18. Juni und 7. August beim Jubiläumsfestival die Besucher in den 65 Aufführungsorten von Adorf im Vogtland bis Pirna, von Decin bis Himmelkron. „Wir haben mit dem Festival Mitte Europa die Menschen in Bayern, Sachsen oder Tschechien dazu ermuntern können, in das jeweils andere Land zu fahren, um gemeinsam mit dem Nachbarn Kultur zu erleben. Wir haben aber auch den Blick für das Kleinod in der Region geweckt, wie beispielsweise die Kirche in Thossen oder in Regnitzlosau. Beide waren schon tüchtig verfallen und wurden rekonstruiert. Wir haben mit dem Festival auch Touristen anziehen können, aber noch nicht in dem Maße, wie es hätte passieren können. Das liegt aber auch daran, dass wir auf Grund der fehlenden finanziellen Sicherheit nicht langfristig planen können. Reiseveranstalter brauchen aber wenigstens ein Jahr Vorausplanung“, weiß der Intendant.


Viele Besonderheiten


„Für uns war es als Initiatoren des Festivals, das seine Wiege in Mißlareuth hat, immer ein Grundanliegen, Kultur auch in den ländlichen Raum und zwar zu erschwinglichen Preisen zu bringen. Das ist uns durch die Vielzahl internationaler Künstler, meine ich, gut gelungen. Ich habe aber auch von Anfang an und schon oft gesagt, dass wir dieses Festival der Region nicht aufstülpen wollen. Inzwischen hat sich aber eine gewisse Gewohnheit breit gemacht. Und wenn wir jetzt den Führungsstab an die jüngere Generation weiterreichen, ist eines der wichtigen Dinge, dass dann, wenn die Region es will, das Festival weitergeführt wird. Es hat mit seinem Austausch deutscher und tschechischer Künstler und Kultur eine besondere Prägung. Jährlich sind auch Künstler aus rund 20 Nationen dazugekommen. Damit ist es ein Festival mit europäischem Gedanken. Es ist stetig gewachsen, was die Vielfalt und die Ausbreitung betrifft“, betont Professor Thomaschke.

 

Und er erinnerte an eine Episode im Jahre 1992. „Als meine Frau die erste Ausstellung der bildenden Kunst innerhalb des Festivals zu Wenzel Hablik organisierte, wurde kurz darauf in Prag ein Bild des Künstlers wiederentdeckt, das seit 1924 unbeachtet in einem Depot stand. Wenige Zeit später wurde die deutsch-tschechische Gesellschaft für Kunstgeschichte gegründet.“ Wie das Festival in all den Jahren auch jungen Nachwuchstalenten ein Podium geboten hat, möchte es auch ein junges Publikum in seinen Bann ziehen. „Das Stammpublikum von vor 20 Jahren ist mit neuen Leuten durchdrungen, das zeigt auch, dass das Festival eine gute Zukunft hat“, sagt Professor Thomaschke.


Eine gute Zukunft hatten nach seiner Aussage auch viele Künstler, die im Dreiländereck aufgetreten waren. „50 bis 60 Prozent der jungen Künstler, die beim Festival ihr Debüt gaben und an einer Schwelle ihrer künstlerischen Laufbahn standen, haben den Sprung geschafft, bekannt zu werden“, sagte der Kammersänger, der durch seine Auftritte in aller Welt viele Künstlerkollegen kennen lernte, die er dann auch ansprach, ob sie nicht einmal beim Festival Mitte Europa auftreten würden. „Sie haben zwar nicht so viel Gage bekommen können, wo anderswo, aber waren von der familiären Atmosphäre überwältigt. Und viele sind sogar mehrfach wieder gekommen“, sagt der Intendant. Die Frage, wie viele Künstler während der 20 Jahre Festival aufgetreten sind, vermochte er nicht zu beantworten, sprach aber von einer stattlichen Anzahl und Tausenden.


Berühmte Künstler


“Wir freuen uns im Jubiläumsjahr auf so außergewöhnliche Künstler, wie Oscar-Preisträger Luis Enriquez Bacalov, Sol Gabetta, Baiba Skride, Gautier Capuçon, Sophia Jaffé, Tomáš Netopil, Jiri Belohlávek, Academy of St Martin in the Fields, Prague Philharmonia, Fazil Say, Horst Janson, Denis Patkovic, Philippe Loli, amarcord und Jana Bouškova. Zwei weitere Stars der jungen Kulturszene aus Deutschland und der Tschechischen Republik, der deutsche Bratschist Nils Mönkemeyer sowie der tschechische Violinist Pavel Špoci, werden gemeinsam Artist in Residence sein“, verriet Professor Thomaschke. Er selbst wird beim Jubiläum bei zwei Konzerten zu erleben sein. Der weltweit bekannte Konzert- und Opernsänger, der neben seiner Bühnentätigkeit auch an der Dresdner Musikhochschule lehrt, wird Dvoraks Biblische Lieder vortragen, in Begleitung der berühmten Harfinistin Jana Bouškova. In der neu restaurierten Kirche Aller Heiligen in Litomerice (Nordböhmen) wird er die deutsche Fassung, die er selbst aus historischen Aufnahmen übertragen hat, vortragen. Bei einem heiteren Sommerkonzert der Meisterklasse für Gesang wird Professor Thomaschke am 4. August in Mißlareuth, der Keimzelle des Festivals, die Moderation übernehmen.


Gemäß seiner geografischen Ausrichtung werde das 20. Festival Mitte Europa in Sachsen, genauer in Plauen, von einem Solisten aus Bayern und einem Klangkörper aus Tschechien eröffnet. Es musizieren am 18. Juni in der Johanniskirche die Prager Philharmoniker unter der Leitung des Stardirigenten Jiri Belohlávek, der auch das Eröffnungskonzert des 1. Festivals Mitte Europa 1992 am gleichen Ort dirigierte. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, sowie die Ministerpräsidenten der Tschechischen Republik und Bayerns, Petr Necas und Horst Seehofer, die Schirmherrschaft über das Festival inne hat, möchte bei der Eröffnung des Jubiläumsjahrgangs dabei sein.


Abschied zum Jubiläum


Das 20. wird für die Initiatoren Thomas Thomaschke und seine Frau Ivana das letzte Festival sein. „Wir haben gesagt, wenn es uns gelingt, die 20 voll zu machen, ist es Zeit zu gehen“, sagt der Kammersänger. „Wir werden das Boot nicht ganz verlassen. Wenn man ein Kind auf die Welt gebracht und viele Jahre begleitet hat, möchte man es auch gern weiter betreuen. Das Kuratorium hat als Nachfolger unseren Sohn Philipp bestimmt. Er hält mit seinen 39 Jahren auch schon zwei Jahrzehnte die Fäden engagiert mit in der Hand. Und auch er ist mit einer Tschechin verheiratet. Nun wird er die fünfköpfige Crew leiten. Und ich werde mein Büro räumen. Vielleicht lasse ich dort meinen Flügel stehen“, sagt der scheidende Intendant. Zugleich dankt er allen – vornweg den gemeinnützigen Trägerverein Mißlareuth 1990. Mitte Europa – den Kommunen, Veranstaltungsorten und Partner für die Unterstützung.


„Es ist unheimlich interessant, in der Region etwas mit zu bewegen. Hier ein Festival zu machen, ist eine Herausforderung. Das gleiche betrifft den sächsisch-tschechischen Theaterherbst. Stolz sind wir auch auf das tschechisch-deutsche Internetportal, das Kulturgruppen helfen soll, Verbindungen zu knüpfen. Schade,dass der Kulturraum Zwickau-Vogtland nicht unser Portal nutzt, sondern seit drei Wochen ein neues mit gleichem Inhalt anbietet“, fügt Professor Thomaschke hinzu. Mit dem Festival schmückt sich übrigens noch immer der 1. Triebwagen, der im Jahr der Expo 2000 für das neue grenzüberschreitende EgroNet auf Tour ging. Bei diesem Beispiel für Beständigkeit braucht’s um den Fortbestand des Festivals Mitte Europa nicht bange werden.

 

Marjon Thümmel

 

2011-04-13




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