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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Die Reste landen im Futtertrog
Plauen – Kühe fressen Gras, Hühner picken Körner – das war einmal. Heute stehen Hunderte von Zutaten auf dem Speisezettel von landwirtschaftlichen Nutztieren.
Wer sich dafür interessiert, was in einem Lebensmittel enthalten ist, kann sich in die kleingedruckten Zeilen auf der Verpackung einlesen. Doch was ist alles in Futtermitteln enthalten? Allerhand, sagt die „Positivliste für Einzelfuttermittel“, die der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft herausgegeben hat. Gut 350 Grundstoffe führt die jüngste Auflage der Liste, die zwar nicht rechtlich verbindlich ist, aber als Richtschnur für Landwirtschaft und Futtermittelbranche gilt.
Neben den Futtermitteln, die aus der Landwirtschaft selbst stammen – also Gräsern, Getreide, Rüben, Silage und Kartoffeln –, kommt in dieser Liste sehr häufig der Begriff „Nebenprodukt“ vor. Das beginnt beim Maisklebefutter und der Getreidepülpe als Nebenerzeugnisse der Stärkegewinnung und führt bis zum Erdnusskuchen, der bei der Ölgewinnung übrigbleibt. Immerhin handelt es sich hierbei um Reste der Lebensmittelproduktion, weswegen von Mindeststandards bei der Behandlung ausgegangen werden kann. Das gilt auch für die sogenannte Schlempe, die bei der Produktion von Alkohol übrig bleibt. Ein weiteres zugelassenes Futtermittel nennt sich übrigens „Kaffeehäutchenpellets“.
Es gibt aber auch Berührungspunkte zu anderen Industriezweigen, zum Beispiel beim zugelassenen Futtermittel Mycel-Silage, einem flüssigen Nebenerzeugnis der Penicillinherstellung, oder aber bei „Glycerin roh“, laut Positivliste einem „Nebenerzeugnis, das bei der Herstellung von Fettsäuremethylestern (Biodiesel) aus pflanzlichen Ölen bzw. Fetten anfällt.“ Das Wort „Abfall“ verwendet die Liste nicht.
Was die Risikobeherrschung nicht einfacher macht: All diese Grundstoffe machen auf dem Weg zum Futtertrog mindestens einmal, manchmal öfter, Station, um weiterverarbeitet zu werden. Nur so konnten die rund 3000 Tonnen verseuchten Fetts der Firma Harles & Jentzsch auf dem Umweg über 25 Futtermittelhersteller in bis zu 150 000 Tonnen Tierfutter auftauchen.
Sicher ist: Ohne diese Ergänzungs-, Leistungs- und Mineralfuttermischungen ist die Landwirtschaft auch unterhalb der Schwelle zur Industrialisierung nicht mehr denkbar. Kühe gäben zu wenig Milch, Hähnchen und Schweine wüchsen zu langsam, als dass der Landwirt noch auf seine Kosten käme. Sicher ist auch: Schon immer sind Schweine auch mit dem gefüttert worden, was auf dem Teller der Menschen übrig blieb. Industriell aufgearbeitete Reste dürften da eher von Vorteil sein.
Unsicher ist aber, ob die Kontrollen bei der Futtermittelerzeugung ausreichen. Kritiker verweisen darauf, dass es bundesweit gerade einmal 200 Kontrolleure gibt – für über 330 000 Betriebe, die Futtermittel herstellen oder einsetzen. Die amtliche Futtermittelüberwachung für Sachsen ist beim Staatsministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (SMUL) und bei der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen in Dresden angesiedelt. Nach dem BSE-Skandal wurden die amtlichen Kontrollen nicht etwa ausgeweitet, sondern durch die EU weitgehend auf die Betriebe verlagert. Diese haben jetzt nachzuweisen, dass sie nur einwandfreie Produkte weiterliefern. Sie tun dies mit dem – freiwilligen – Prüfsystem QS und mit dem Einbehalten von Rückstellproben ihrer Vorlieferanten.
„Dieses System hat auch hervorragend funktioniert“, urteilt Professor Wilhelm Windisch, Inhaber des Lehrstuhls für Tierernährung an der Technischen Universität München, im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich sei das Dioxin in Futtermitteln bei den freiwilligen Eigenkontrollen gleich mehrerer Betriebe gefunden und auch umgehend an die Behörden gemeldet worden. Dank der umfassenden Dokumentation aller Warenströme seien schon Tage später die betroffenen Bauernhöfe gesperrt worden. Allerdings war auch der Hersteller Harles & Jentzsch ein QS-Mitglied. Dazu Windisch: „Gegen kriminelle Energie ist jedes Kontrollsystem anfällig.“ va
2011-02-01 J. D.
Kommentar zu Die Reste landen im Futtertrog?
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