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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plauener Satiriker stellt neuen Lyrikband vor

091110 ReutherPlauen – Bekenntnisse eines Satirikers. So sieht der Plauener Johannes Eberhard Reuther seinen Lyrikband „Der Clou“, der zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. Illustriert wurde er von Susanne Söllner-Burr.

 

Wer das Büchlein in die Hand nimmt, kann es so schnell nicht wieder loslassen. Der 73-jährige gebürtige Zwickauer, der seit fast 40 Jahren in Plauen lebt, versteht es wunderbar, mit seinen spöttischen Gedichten und Kurzgeschichten den Finger auf menschliche Schwächen und politische Kapriolen zu legen. „Seit meinem 15 Lebensjahr schreibe ich schon“, sagte Reuther, „und mehr als 50 Jahre bin ich mit der Satire eng verbandelt“. Aber erst nach der Wende seien die meisten seiner Verse entstanden. „Der Stoff lag förmlich auf der Straße. Ich hob ihn auf und verpackte ihn in meine Gedichte. Und nach der DDR-Zeit war es ja auch möglich, politischen Themen ironisch zu betrachten.

 

In dem Lyrikband – er ist für mich der Erste seiner Art – habe ich eine Auswahl meiner literarischen Einfälle zusammengefasst und in sieben Kapitel gegliedert“, erzählt der 73-Jährige.  Zwölf Jahre habe er in der Schreibwerkstatt von Marga Koch an seinem Stil gefeilt. Und auch ein paar Sachen im Eulenspiegel veröffentlicht. „Doch so richtig lief das nicht.“ Nach zwei kleinen Broschüren sei die Idee vom Buch gewachsen. „Dafür habe ich mir extra einen Computer angeschafft und mit diesem die Seiten gesetzt“, erzählte der gelernte Schriftsetzer. Die fix und fertigen Seiten habe er an einen Internet Verlag geschickt, der den vorliegenden Lyrikband verlegte. Herausgegeben wurde das Büchlein vom Kunstverein Plauen/Vogtland. Und dort im Sekretariat im Malzhaus ist es auch zu kaufen.


Ausschließlich lobende Worte findet Reuther zur Zusammenarbeit mit der Illustratorin Susanne Söllner-Burr. Und die 73-Jährige kontert sofort: „Ich habe es sehr gerne gemacht, weil die Gedichten und Kurzgeschichten wirklich pfiffig sind. Johannes Reuther hat mit spitzer Feder geschrieben – und ich habe die Feder gespitzt.“ Über 40 Zeichnungen und das Titelbild sind so entstanden. Die beiden Vogtländer, die sich über die Schreibwerkstatt kennen lernten, haben nach eigener Aussage das erste Mal zusammengearbeitet. „Und es war eine sehr gute Zusammenarbeit“, betonten beide unisono. Bereits seit etwa drei Jahren sind der Autos und die Illustratorin auf Lesungen gemeinsam unterwegs und haben so Appetit auf den Band gemacht, den es seit einem Jahr gibt. Für beide sei der Lyrikband „der Clou“ ihrer Arbeit.


Zusammengekommen sind die beiden wie schon erwähnt über die Schreibwerkstatt und damit über den Kunstverein. „Ich leite seit Jahren den Malzirkel im Verein. Und als es zum 10. Geburtstag der Schreibwerkstatt darum ging, ein Jubiläumsbuch herauszubringen, hatten wir Mitglieder des Malzirkels uns mit der schreibenden Zunft zusammengetan, um eben literarische Werke verschiedener Autoren zu illustrieren. Und so wurde ich auf Johannes Reuther aufmerksam“, erinnert sich Susanne Söllner-Burr, die 1997 von Sohlingen wieder ins Vogtland und in ihr Elternhaus in Pirk-Türfel zurückkehrte. Bekannt ist die 73-Jährige, die sich als Lehrerin in vielen Poesie-Alben mit ihren Kunstwerken verewigt hatte, als Illustratorin bei Zeitungen und in der Werbebranche arbeitete, vielen Menschen aus der Region mit ihrem Wirken im Kunstprojekt Pirker Bahnhof und im Kunstverein. „Ich male und zeichne – und beides gerne“, sagt sie mit ihrem sympathischen Lächeln.


Und sie rückt im Gespräch ganz fix wieder den Autor ins Blickfeld: Johannes Reuther scheut sich nicht, Alltagsprobleme auf die Schippe zu nehmen. Politisch wach schildert er die Gegebenheiten und ebenso die Höhen und Tiefen menschlichen Lebens. Schlagfertig weist er auf wichtige Zusammenhänge hin und setzt kurz und bündig seine Pointen. Schalkhaft, heiter, aber auch schonungslos schildert er die kleinen menschlichen Schwächen.

 

Er spießt aber nicht nur auf, er kann auch sehr schön besinnlich schreiben“, sagt sie und zählt mit „Eiscafe“, „Meisen im Winter“, „Großstadtidylle und „Gestrichen“ ihre Lieblingsgedichte auf. „Wenn man sich in die Texte gut hineinversetzen kann, dann macht es natürlich auch Freude, sie zu illustrieren. Und auf der Titelseite habe ich auch einige der erzählten Geschichten in meine Bild eingepackt. Das macht hoffentlich neugierig“, sagt sie. Ans Aufhören wollen beide noch nicht denken. „Wir machen weiter, so lange wir noch können“, sagen sie und schauen sich vielsagend an. Der Lyrikband ist mit seinen Gedichten und der sie verfeinernden Illustration auf alle Fälle eine nähere Betrachtung wert.  M. T.

 

2010-11-12




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