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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Hausbrand in Reichenbach

301210 BrandReichenbach – Auf dem Haus Zwickauer Straße 91 in Reichenbach muss ein Fluch liegen: Im April stürzte ein Achtjähriger aus 15 Metern Höhe aus einem Dachfenster. Am Mittwoch flüchteten 14 Menschen vor einem Kellerbrand aus dem Haus. Glücksfall: In beiden Fällen bezahlte kein Mensch mit dem Leben.

 

Ihr Leben verdanken die Bewohner dieses stattlichen Bürgerhauses wohl dem Iraner Hossein Ebrahimi Zahrani. Nachts gegen 3 Uhr sei er munter gewesen, weil diese Zeit, wie so oft, die günstigste Gelegenheit sei, um mit seinen Landsleuten aus dem Iran per Internet zu chatten, erzählt der Familienvater. Da habe er einen brenzligen Geruch wahrgenommen, habe erst vermutet, dass dieser aus seiner Wohnung komme und habe die elektrischen Geräte in der Küche überprüft. Doch Fehlanzeige. Hosseein Ebrahimi Zahrani ging den Dingen auf den Grund, öffnete seine Wohnungstür in der ersten Etage – und sah das Treppenhaus im dicken Feuerqualm stehen. Er rief die Polizei.


„Ursprünglich wurde uns ein Dachstuhlbrand gemeldet. Aber als wir vor Ort waren, war schnell klar, dass der Brandherd im Keller zu suchen war“, so Reichenbachs Stadtbrandmeister Matthias Mittag. 50 Feuerwehrleute aller drei Reichenbacher Wachen sowie die der Friesener Wehr retteten die Mieter aus dem qualmenden Haus. Familie Zahrani – das Ehepaar und die drei Söhne (2, 5 und 6 Jahre alt) kletterte aus dem Fenster ins Freie – einer der Söhne stand barfuß bei minus 17 Grad auf dem Gehsteig.


Auch Zahranis Nachbarin, eine auf den Rollstuhl angewiesene Frau, wurde von den Kameraden aus dem Fenster gehievt. Evakuiert wurden der Lebenspartner der behinderten Frau, der Mieter aus dem zweiten Stock und dessen zwei Gäste sowie die vier jungen Leute aus der Maisonette-Wohnung. Diese hatten den längsten Weg nach unten. Über das Treppenhaus wurde das Quartett nach unten geleitet – angetan mit Pressluftatmern und Schutzmasken von der Feuerwehr, begleitet von den Kameraden.


Unter den vier jungen Leuten sei auch die Mutti des achtjährigen Kletter-Maxe gewesen, der im April dieses Jahres auf dem Dach herumturnte, abstürzte und nach 15 Metern freiem Flug auf dem Asphalt aufkam, so Matthias Pürzel vom Ordnungsamt Reichenbach. Der Junge überlebte damals schwer verletzt, wurde in der Uni-Klinik Jena wieder aufgepäppelt, kann wieder die Schule besuchen – und wohnt aber nicht mehr bei seinen Eltern. Das Jugendamt entzog im Sommer 2010 den inzwischen getrennt lebenden Eltern den Jungen und dessen Bruder und hat inzwischen das Sorgerecht inne. Die Brüder leben heute in einer Einrichtung außerhalb des Vogtlandkreises und entgingen somit einem zweiten schlimmen Drama: Dem gestrigen Brand.


Alle so plötzlich obdachlos gewordenen Menschen wurden in der Caféteria der Paracelsus-Klinik notversorgt. Im Laufe des gestrigen Tages kamen alle bei Bekannten und Verwandten unter. Allein Lebensretter Hossein Ebrahimi Zahrani und Familie blieb kurzzeitig obdachlos. Die Stadtverwaltung brachte spontan die Familie in einer Wohnung in der Fritz-Ebert-Straße unter. „Wir denken, dass wir in etwa zehn Tagen wieder in unsere Wohnung zurückkommen können“, so Zahrani. Durch den Brand im Keller seien sämtliche Elektro- und Wasserleitungen weggeschmolzen und durchgebrannt, ergo gebe es dort derzeit kein Wasser und keine Heizung, so Pürzel. Auch müssten die Wohnungen durch die starke Raucheinwirkung renoviert werden.


Harte Tage liegen auch hinter Matthias Mittag und seinen Mannen. Er selbst hat seit über 24 Stunden nicht mehr geschlafen, die Wehr im allgemeinen war seit 14 Tagen straff im Einsatz. Sie räumten Eiszapfen und Schnee von den Dächern – in den letzten Tagen beseitigten sie Schnee-Havarien an der Friedensschule und am Kaufland. Dann kam auch noch der schreckliche Einsatz am Dienstag am Güterbahnhof, wo ein 13-Jähriger durch Stromschlag den Tod fand. „Ich ziehe meinen Hut vor den Kameraden – ein Riesenkompliment an die vielen freiwilligen Einsätze“, lobt OB Dieter Kießling. Cornelia Henze

 

2011-01-02




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