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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Asch: Aus der Traum vom Milliarden-Projekt

Investoren verdeutlichen ihre Pläne


Asch – Jetzt ist es amtlich: Die Pläne der israelisch-englischen Investorengruppe BCD, die im westböhmischen Asch einen riesigen Industrie-, Einkaufs- und Vergnügungspark hochziehen wollte, werden eingedampft. Und das gewaltig. Denn das ursprünglich 700 000 Quadratmeter große Projekt wird mindestens halbiert.

 

Anstatt zu beiden Seiten der Westumgehung Nummer 64 wird nur noch auf einer Seite des Geländes – der dem Ascher Zentrum zugewandten – gebaut werden. Das bedeutet, dass die Investition, die mit einer ehrgeizigen Euro-Milliarde angegeben worden war, und die Zahl der 13 000 Arbeitsplätze, die BCD schaffen wollte, kräftig zusammenschmelzen. Wie viele Millionen Euro und wie viele Jobs insgesamt übrig bleiben werden, ist völlig unklar.


Und doch bliebe es noch ein starkes Vorhaben – ein Segen für eine kleine Stadt wie Asch mit ihren 13 000 Einwohnern und auch für angrenzende westliche Regionen in Sachsen und Bayern. Allein der Glaube, dass es wenigstens mit dem Plan B etwas wird, fehlt den Bürgern zunehmend. Immer wieder hatte BCD, ein internationaler Konzern von Bauträgergesellschaften, die Zeitschiene für das ehrgeizige Vorhaben verlängert: Sollte der Startschuss zunächst im Frühjahr 2008 fallen, so wurde daraus erst der Spätsommer 2008, dann das Frühjahr 2009 und dann der September 2009. Und jetzt, im Frühjahr 2010, steht der Termin für den Baubeginn weiter in den Sternen.


Das BCD-Streichkonzert hatte sich bereits vor einem halben Jahr angekündigt, als die Investoren mitteilten, Umweltschutzgründe und teils steil abfallendes Gelände zwängen zu einer Umkehr. Schon die zwei relativ hohen Brücken, die über der Westumgehung als Spange zwischen den beiden Ansiedlungsflächen nötig gewesen wären, sind in diesen Zeiten der globalen Wirtschaftskrise, die auch BCD voll erwischt hat, nicht zu finanzieren.

Auch Logistik-Center fällt

Im Wesentlichen steht das, was geopfert wird und was nicht, inzwischen fest. BCD-Geschäftsführer David Shelef und seine Sprecherin Katarina Sýkorová haben es kürzlich dem Ascher Bürgermeister Dalibor Blazek und seinem Stellvertreter Pavel Klepácek in einem Gespräch vor Ort mitgeteilt. Demnach sind weiterhin geplant: Eine Poliklinik für Privatpatienten mit 350 Betten, ein 1000-Betten-Hotel mit Casino, eine Industriezone und Produktionshallen für High-Tech-Erzeugnisse. Fragezeichen stehen über vier Wohn-Hochhäusern mit 550 Apartments und über drei Verwaltungs-Hochhäusern mitsamt Verwaltungstrakt.


Nicht mehr in den Plänen enthalten sind ein 45 000 Quad-ratmeter großer Vergnügungspark, ein 150 000 Quadratmeter umfassendes Logistik-Center für Speditionen – und ein 45 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum. Klepácek schränkt allerdings ein, es handle sich noch nicht sicher um einen Verzicht auf den Großmarkt, sondern „nur um einen Vorschlag“ – wenn auch einen ziemlich konkreten.


Gerade dieses Shopping-Center hatte für das benachbarte Selb eine immense Bedeutung: Das bayerische Wirtschaftsministerium erteilte der Stadt im Oktober 2009 für die Ausbaupläne ihres Factory-Outlet-Centers eine Ausnahmegenehmigung vor allem mit der Begründung, das Center in Asch werde in erheblichem Maße Kunden aus der bayerischen Grenzregion abziehen; die Selber Outlet-Erweiterung sei geeignet, diese Ströme einzudämmen und damit bayerische Kaufkraft abzusichern.

Die Frage ist, wann

Asch indes hat andere Sorgen. Die Stadt kann nur hoffen, dass wenigstens die abgespeckte Version des Industrieparks kommt. Nach all den Hiobsbotschaften der vergangenen beiden Jahre nötigt die Zuversicht, mit der Blazek und Klepácek dem Rest-Projekt entgegensehen, doch einigen Respekt ab:


Die Investoren werden, das sei fest zugesagt, weiter an einer neuen Studie feilen, bemerkt Klepácek. Der erste Teil dieser Planung soll im Juni oder Juli fertig sein, der zweite bis Ende September. Dann wird die Stadtvertretung darüber abstimmen. Klepácek kommentiert die jüngsten Nackenschläge mit den Worten: „Leider sind momentan die Zeiten für große Investitionen nicht ideal. Aber es wird auch wieder besser – die Frage ist nur, wann.“


Von Thomas Hanel

 

2010-03-25




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