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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Ansprechpartner für 3000 Ausländer im Vogtland
Plauen – Veronika Glitzner ist eine humorvolle, lebensfrohe und tatkräftige Frau, alles Attribute, die in ihrer Tätigkeit als Integrationsbeauftragte des Vogtlandkreises sehr nötig sind, denn die Zahl der Ausländer, um die sie sich kümmert, ist nicht klein.
Den Menschen beim Weg in die Gesellschaft zu helfen, sieht sie als ihre schöne und wichtige Aufgabe.
Veronika Glitzner wirkt seit fast drei Jahren neben ihrem Aufgabengebiet Gleichstellung und als Frauenbeauftragte eben auch für Belange ausländischer Bürger in der Region, ankommende und wartende Asylbewerber. Menschen, die sich integrieren wollen und eine Existenz aufbauen oder es schon geschafft haben. „3031 Bürger aus anderen Ländern sind per 31. Dezember 2009 im Landkreis gezählt worden“, sagt die Vogtländerin.
Vietnam, Russland, Türkei, Südost- und Osteuropa – von da kommen sehr viele Menschen. Aber auch 1421 schafften es von anderen Ländern wie Libyen oder dem Irak nach Europa, nach Deutschland. „Die Gründe zur Flucht sind vielfältig, man braucht ja nur die Nachrichten anzuschauen. Kriege, Terror, Not und Elend. Klar, viele flüchten auch aus wirtschaftlichen Zwängen, sie möchten ein besseres Leben und hoffen es hier zu finden“, weiß Glitzner. Die Fachfrau merkt oft in Gesprächen, dass gerade die Ordnung, die Bürokratie, das Geregeltsein in der Bundesrepublik bei Ausländern geschätzt werde.
Die meisten der 3031 ausländischen Bürger leben im Vogtlandkreis, sind zunehmend integriert. „42 neue Einbürgerungen konnten wir 2009 feiern“, sagt die Beauftragte. 307 leben derzeit als Asylbewerber entweder im Heim in Plauen an der Kasernenstraße oder in Wohnungen.
Sie nickt auf die kritische Bemerkung, dass das Asylheim nicht gerade Hotelniveau besitzt und von Bewohnern als unterbesetzt kritisiert wird. „Man könnte schon meinen, dass man den Asylbewerbern bessere Bedingungen bieten könnte, aber das Heim ist in einem ordentlichen Zustand und mit zwei Mitarbeitern sowie vier Hausmeistern stets besetzt.“ Veronika Glitzner ist die Bezugs- und Verbindungsperson für diese Menschen. „Wenn es Probleme oder Aufgaben gibt, dann geht es ans Telefon oder vor Ort“, sagt Veronika Glitzner, wenn sie ihre Arbeit beschreibt. Wie sieht die Hilfe aus? Familien würden unterstützt bei der Suche nach Kindergartenplätzen, bei Behördengängen, bei der schwierigen Arbeitssuche, bei Sprachkursen wie die im BSZ Anne Frank in Plauen. „Ich kann dabei sehr loben, dass die Partner und Behörden und Anlaufstellen, es ist ein Netzwerk von über 20, gut funktionieren.“
Dass vor allem die Kinder von Beginn an integriert werden, freut sie, die gelernte Erzieherin. Das sei einerseits schön, andererseits „überholen die dann sozusagen mitunter die Eltern“, beobachtet die Beauftragte nachdenklich gestimmt. Es gibt aber auch die andere Seite der Schicksale der Asylbewerber. „Die Menschen bekommen wenig Geld. 280 Euro im Monat sind nicht viel. Dann finden sie hier eher selten Arbeit, also versuchen sie zunehmend in den alten Bundesländern ihr Glück“, berichtet Glitzner. Die Asylpolitik im Bereich der Aufenthaltsgenehmigungen, Anerkennungen, Duldungen und Abschiebungen sind ein schweres Feld. „ Was soll man einem Mann sagen, der seit Jahren auf einen positiven Asylbescheid wartet, derweil nicht arbeiten darf und zum Nichtstun verurteilt ist?“ Veronika Glitzner sagt direkt: „Die Politik muss schneller entscheiden und deutlich sagen wie sie helfen will.“ Zunächst aber freut sich Veronika Glitzner auf einen kulturellen Höhepunkt. „Vom 25. bis 29. September veranstalten wir die Interkulturelle Woche im Vogtland“, kündigt sie an.
Von Frank Blenz
2010-08-28
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