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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Hans-Peter Friedrich ist seit seiner Jugend in der Politik
Hof – Von der Schüler-Union in Naila zum Innen-Ministerium in Berlin: Hans-Peter Friedrich ist schon als 16-Jähriger in die Politik eingestiegen.
„Politik ist das Bohren von dicken Brettern“, das ist einer der Lieblingssätze des neuen Innenministers Dr. Hans-Peter Friedrich. Was der 53-Jährige damit meint: Bevor wichtige politische Entscheidungen fallen, sind ihnen fast immer lange Abstimmungen und Verhandlungen vorangegangen. Und darin ist der gebürtige Nailaer, der heute in Hof lebt besonders gut: Friedrichs Stärke ist der Dialog, das Organisieren von Mehrheiten – am liebsten geräuschlos und auch über Parteigrenzen hinweg. Wenn Friedrich sagt „Politik braucht Mehrheiten“, dann meint er auch „Jeder braucht jeden“– irgendwann einmal zumindest. Gegner, ob nun innerhalb und außerhalb der eigenen Partei, unheilbar zu brüskieren, ist nicht seine Sache.
Ein Lautsprecher ist Hans-Peter Friedrich nicht, ein Leisetreter aber auch nicht: Als einer der ersten Unionspolitiker mahnte er im vergangenen Jahr mehr Führungswillen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Parteichef Horst Seehofer bekam gleich mehrfach zu spüren, dass Friedrich die CSU-Bundestagsfraktion nicht zu einer Nebenstelle der bayerischen Staatskanzlei machen lässt. Dem bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder fuhr er in die Parade, als der sich mit einer Dauerfehde auf Kosten des Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler profilieren wollte.
In weiten Strecken liest sich Friedrichs Biografie wie ein Gegenentwurf zu der des adligen Senkrechtstarters Karl-Theodor zu Guttenberg. Mit dem Bretterbohren hat Friedrich schon als 16-Jähriger beginnen. 1973 gründete er in seiner Heimatstadt Naila eine Gruppe der Schüler-Union. Es sind die Zeiten, als mit provinzbedingter Verzögerung auch im Frankenwald die wilde Ära der 68er-Jahre anbricht. Im örtlichen Gymnasium vergeht kein Tag, an dem nicht die verschiedensten K-Gruppen zum Widerstand aufrufen – gegen was lässt sich nicht immer ausmachen. Links ist chic, aber Friedrich reizt der Widerspruch.
In den Hinterzimmern der Nailaer Wirtshäuser geht es um Sozialismus und die Verbrechen an der DDR-Grenze. Ab und an wird das Programm mit einer Brauereibesichtigung aufgelockert.
Friedrich, der am Gymnasium Naila – nach einer „Ehrenrunde“ in neunten Klasse – das Abitur ablegt, zieht sich erst einmal aus der Politik zurück. Nach dem Wehrdienst studiert er Rechtswissenschaft in München und Augsburg, wo er 1983 das erste juristische Staatsexamen ablegt. Anders als Guttenberg ist Friedrich Volljurist; nach dem Referendariat besteht er 1986 das zweite juristische Staatsexamen. In Augsburg schließt er noch Studium der Wirtschaftswissenschaften bis zum Vordiplom an und promoviert als Jurist. Das Thema seiner Doktorarbeit: „Die Testamentsvollstreckung an Kommanditanteilen“.
Im Jahr 1988 wird der frisch gebackene Doktor Regierungsrat im Bundeswirtschaftsministerium, zwei Jahre später geht er als Ministerialrat der Wirtschaftsabteilung an die deutsche Botschaft nach Washington. In die Politik kehrt Friedrich 1991 zurück: Er wird zunächst wissenschaftlicher Mitarbeiter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und ab 1993 persönlicher Referent des damaligen CSU-Landesgruppenchefs Michael Glos.
Wie Politik funktioniert, weiß Friedrich also bestens, als er sich 1998 um die Nachfolge des damaligen Hofer CSU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Warnke bemüht. Und doch ist er innerhalb seiner Partei und für die Basis im Bundestagswahlkreis erst einmal ein Quereinsteiger. Aber ein erfolgreicher: 1998 wird er über Landesliste in den Bundestag gewählt, dann holt er das Direktmandat zurück, das Warnke an die SPD verloren hatte.
Im Bundestag betraut die Fraktion Hans-Peter Friedrich gleich mit einer heiklen Aufgabe: Ab 1999 ist er drei Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Untersuchungsausschusses, mit dem die Parteispendenaffäre der CDU aufgearbeitet wird. 2005 steigt er zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden auf. Nach dem schwarz-gelben Wahlsieg im Jahr 2009 kann Friedrich wählen: Er entscheidet sich für die Leitung der CSU-Landesgruppe im Bundestag.
Wie Michael Glos, einer seiner Vorgänger und Friedrichs Mentor, einmal sagte, ist es das „zweitschönste Amt in der CSU“. Automatisch gehörte Friedrich allen wichtigen Zirkeln der Regierung an, allen voran dem wöchentlichen Kanzlerfrühstück. Ein CSU-Landesgruppen-Chef ist an der Macht beteiligt, ohne in die Disziplin des Kabinetts eingebunden zu sein. So gesehen ist es verständlich, dass es allen Quellen zufolge zweier Aufforderungen bedurfte, bis Friedrich zum Wechsel auf den Ministerstuhl bereit war. Joachim Dankbar
2011-03-11
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