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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Jubiläen waren damals überhaupt keine Mangelware
Markneukirchen – Mit dem Karl- Marx-Orden und dem Stern der Völkerfreundschaft kann Klaus- Rüdiger Weck nicht dienen – aber sonst mit fast allem, was es so an Orden und Abzeichen in der DDR gegeben hat. Diese hat er nicht selbst erhalten, sondern wurden in „seinem“ Werk hergestellt. Klaus-Rüdiger Weck war von 1984 bis zur Wende Betriebsleiter beim VEB Prägewerk Markneukirchen – besser bekannt als Präwema.
Und über ein Mangel an Aufträgen konnte sich das Werk nicht beklagen. „Die haben mir die Bude eingerannt“, erinnert sich Weck. Rund 400 000 Aktivistenabzeichen verließen jährlich das Werk und auch für die Kollektive der Sozialistischen Arbeit mussten die Anstecker bereitgehalten werden. Hauptabnehmer der Markneukirchner war allerdings die FDJ, die rund 700 000 Abzeichen benötigte. Vom Pionier- und Sportabzeichen bis zur Spartakiade-Medaillen – rund 400 Produkte umfasste die „Angebotspalette“ der Präwema.
All diese Zahlen waren allerdings Kleinigkeiten im Vergleich zu den Großaufträgen – zum 1. Mai, 7. Oktober, zu SED-Parteitagen oder den Republikgeburtstagen. „Allein zum 1. Mai wurden rund sieben Millionen Mai-Abzeichen hergestellt“ erzählt Klaus-Rüdiger Weck. Bereits Anfang des Jahres wurde dabei mit der Produktion begonnen.
In der Hochzeit der Präwema in der 1970er Jahren gab es hier zwischen 400 und 500 Beschäftigte, davon rund 150 Heimarbeiter, die je nach Bedarf angestellt wurden – eben vorzugsweise im Frühjahr und Herbst zu den großen Feiertagen.
„In Markneukirchen wurden die Auszeichnungen mit Massencharakter produziert“, erklärt Weck. Für die höherwertigen Orden und Münzen war die Staatliche Münze in Berlin zuständig – für alles andere die bereits 1871 gegründete Präwema, die zwei Betriebsteile in Sehma und Leipzig besaß. Orden, Abzeichen und Medaillen wurden zu DDR-Zeiten immer benötigt – deshalb herrschte (fast) nie Materialknappheit. Auch nicht, als Anfang der 1980er Jahre ein Edel-und Nichteisen-Metallverbot erlassen wurde – die Ausnahmegenehmigung vom Ministerium aus Berlin überwog schließlich.
Rund zehn Millionen Exemplare wurden pro Jahr gestanzt, schätzt Weck – in Spitzenzeiten sogar im Dreischicht-System. Trotzdem musste sich auch die Präwema mitunter nach anderen Geschäftszweigen umsehen. So wurden zeitlich begrenzt beispielsweise Autolicht-Sicherungen hergestellt, weiß Klaus-Rüdiger Weck.
Bei seinem Amtsantritt als Betriebsdirektor entdeckte Weck ein ganz seltenes Stück im Tresor – den „Blücherorden“, welcher glücklicherweise niemals in großen Mengen produziert wurde. Auftraggeber des Kreuzes, auf dem auf der Rückseite „Für Tapferkeit“ stand, war die NVA. Im Kriegsfall sollte dieser Orden für den „heldenhaften Kampf“ bei der „Vereinnahmung der BRD“ verliehen werden. Doch nicht nur die NVA war Abnehmer, auch die in der DDR stationierte Rote Armee ließ sich von den Markneukirchnern „ausstatten“.
Einfluss auf das Design der Orden, Abzeichen und Medaillen konnten Markneukirchner freilich nicht nehmen – das wurde von „zentraler Stelle“ in Berlin vorgegeben.
Das wahrscheinlich wertvollste Stück, dass in Markneukirchen zu DDR-Zeiten das Licht der Welt erblickte, war die vergoldete Amtskette für den Ostberliner Bürgermeister Erhard Krack anlässlich der 750-Jahrfeier der Hauptstadt. Zwei Stück wurden davon produziert – „und das mit viel Aufwand“, betont Weck. Darauf zu sehen waren unter anderem die Wappen der Ostberliner Stadtteile, das Staatswappen der DDR, das Berliner Rathaus mit einer Friedenstaube. Nicht zur Übergabe, aber zur „Anprobe“ war Klaus-Rüdiger Weck sogar mit von der Partie.
Erich Honecker hat selbst nie „seine Ordensschmiede“ besucht. Der ranghöchste DDR-Politiker, der das Werk in Markneukirchen zu Gesicht bekam, war 1986 der damalige Innenminister Friedrich Dickel, erinnert sich Weck.
Klaus-Rüdiger Weck hat die meiste Zeit seines Arbeitsleben bei der Präwema verbracht. Kein Wunder, dass sein Herz noch an dem – was die Zahl der Arbeitskräfte betrifft – stark geschrumpften Unternehmen hängt. Aufsätze zur Historie der Präwema hat er schon im „Neikirnger Heimatboden“ verfasst.
Wer weiß, vielleicht wird einmal eine Gesamtgeschichte erscheinen. Genügend Material bietet das heimische Archiv vermutlich auf jeden Fall. M. W.

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