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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Bookcrossing: Das "vergessene" Buch lesen
Plauen – In der Straßenbahn, auf einer Parkbank oder in der Umkleidekabine, eigentlich können sie einem überall begegnen, die „Bücher auf Reisen“. Anstatt ihre Schmöker im Regal verstauben zu lassen, setzen „Bookcrosser“ die Bücher lieber aus, wetterfest verpackt in einer Plastiktüte. Und eine Aufschrift klärt den anfangs verwirrten Finder auf: Das Buch wurde weder weggeworfen, noch verloren, noch vergessen, sondern sucht einen neuen Leser. Gut 2000 Menschen in Sachsen betreiben „Bookcrossing“ und haben in den vergangenen acht Jahren mehr als 13 000 Bücher in Umlauf gebracht.
„Es ist spannend, weil anfangs unklar ist, was mit dem Buch geschieht“, erklärt die Plauener Bookcrosserin Susett Heyne. Seit die Schülerin vor mehr als vier Jahren mit dem Bookcrossing anfing, hat sie rund 500 Bücher ausgesetzt. Bei jedem fünften Buch meldet sich ein Finder im Internet. „Viele schreiben lange Nachrichten. Das freut mich immer wieder“, erzählt Heyne. Dahinter stecke die Idee, dass für jedes Buch, auch wenn es einem selbst nicht gefalle, irgendwo ein begeisterter Leser existiere.
Und so funktioniert Bookcrossing: Jedes Buch erhält von seinem ersten Besitzer eine eigene Identifikationsnummer, anhand derer der Weg des Buchs verfolgbar ist. Die Nummer gibt der Finder auf der Webseite an und hinterlässt eine kurze Nachricht, wo er das Buch entdeckt hat. Wenn der Schmöker ausgelesen ist, packt der Finder ihn zurück in die Plastiktüte und sucht sich seinerseits einen geeigneten Ort, um das Buch auf Reisen zu schicken.
Susett Heyne legt ihre Bücher am liebsten im Grünen, in Parks, aus. „Da sind die Menschen entspannt und haben Zeit, einmal nach rechts und links zu schauen“, meint sie. Ihre beiden Bookcrossing-Kolleginnen Christina und Janine pflichten ihr bei. In der Natur sei der Überraschungseffekt am größten. Doch auch ganz unverhofft im Supermarkt kann man Büchern begegnen. „Ich suche mir immer Orte aus, die thematisch passen“, erzählt Janine. So landete ein Buch einmal im Gummibärchen-Regal, weil es von Süßigkeiten handelte.
Alle Arten von Büchern können den überraschten Passanten begegnen. „Liebesromane gehen aber am besten, da bekommt man oft begeisterte Nachrichten“, berichtet Christina. Sinn des Bookcrossings sei es jedoch nicht, einfach seinen ganzen alten Krempel zu entsorgen. Außerdem sollten die Bücher noch in einem passablen Zustand sein. Wie die Studentin erklärt, bietet man sehr spezielle Bücher ohnehin besser direkt im Internet-Forum an, denn da können sich gezielt Interessierte melden.
Über das Internet hat sich eine richtige Bookcrossing-Gemeinschaft herausgebildet. Neben dem wilden Aussetzen von Büchern gebe es hier noch die Möglichkeit, gezielt ganze Bücherkisten an andere Bookcrosser weiterzuschicken, erklärt Heyne. „Immer, wenn ich ein Buch lesen möchte, frage ich erst im Forum nach, ob es jemand hat“, sagt sie. So komme sie auch mit anderen Leseratten in Kontakt, schließlich sei Lesen an sich „eher ein einsames Hobby“.
Bis jetzt sind die Bücher der Plauenerinnen vor allem in Deutschland herumgereist. „Nur einmal habe ich ein Buch gefunden, dass von einer Bekannten hier ausgesetzt wurde und dann über Finnland wieder nach Leipzig zurückgekommen ist“, erinnert sich Janine. Die meisten blieben jedoch im Land, schon allein wegen der Sprache. Zwischen 10 und 15 Bücher schickt die Schülerin im Monat auf Reisen.
Beobachtet werden will sie dabei jedoch lieber nicht – genau wie ihre beiden Kolleginnen. Häufig kämen nämlich die Passanten den Bookcrosserinnen nachgelaufen, mit den Worten: „Sie haben da etwas vergessen!“ Doch die meisten reagierten sehr interessiert, wenn sie die Geschichte, die hinter den Büchern steckt, hören. „Aber eigentlich sollen unsere ausgesetzten Bücher eine Überraschung sein“, meint Christina. -as
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