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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Rettungswache in Plauen täglich mit zehn Einsätzen
Plauen – Zwischen 0,9 und 1,1 Tonnen bewegt jede Schicht pro Tag. Wer bei diesen Zahlen an eine Metallbaufirma denkt oder an einen Möbeltransporter, der sieht sich getäuscht. Diese Zahl, wenn auch schmunzelnd, nennt Karl-Heinz Knöthig im Gespräch mit unserer Zeitung.
Der vermeintliche Metallbauer oder Möbelpacker entpuppt sich als Leiter der Rettungswache der Johanniter-Unfallhilfe an der Siegener Straße in Plauen. Er gilt als Urgestein dieser Hilfsorganisation, die seit rund fünf Jahren die neue Wache an dem Ort betreibt.
Zehn, elf Einsätze pro Tag fährt die Wache, ist vom erfahrenen Gesprächspartner zu erfahren. Dabei sei ein Anstieg bei den Krankentransporten festzustellen, während die Rettungsfahrten stabil blieben. Als Grund sieht Knöthig die steigende Zahl von älteren Menschen in Plauen und der Region an. Hätten früher viele noch das Krankenhaus zu Fuß verlassen oder mit dem Bus, kämen jetzt die Krankentransporter vermehrt zum Einsatz, um sie in die Pflegeeinrichtung zurückzufahren. „Unsere Hauptkunden sind die über 60-Jährigen.“ Der in Pirna beheimatete Knöthig leitet die Rettungswache in Plauen und ist für den Dienstplan zuständig. Außerdem wirkt er auch noch in acht weiteren Rettungswachen, für die er die Grunddienstpläne fürs Jahr erstellt.
Mit dieser Arbeit konnte er eine teure Beratungsfirma ersetzen, ergänzt er so ganz nebenbei. Die detaillierte Planung erfolgt dann in den Rettungswachen selbst. Wenn er auch viel mit Zahlen zu tun habe, aber die Menschen, insbesondere die Mitarbeiter und die Sache als solche bedeuten ihm doch mehr. Knöthig kommt nach eigenem Bekunden aus einer Welt, „in der die medizinische Leistung noch kein Geschäft war.“ Mit Wehmut verfolgt er deshalb den Trend der Ausschreibungspraxis nach Rettungsdienstgesetz. „So werden die verschiedenen Rettungsdienste gegeneinander ausgespielt.“
Gegenwärtig vermutet der Rettungsdienst-Spezialist einen Burgfrieden. Da die älteren Menschen eine immer größer werdende Wählerschicht seien, würden die Entscheidungen bis über die Wahl hinausgezogen. Denn: Sollte der Rettungsdienst gefährdet sein, verunsichere das die Rentner, die dann das Wahlergebnis vermiesen könnten. Die Rettungswache an der Siegener Straße hat keine Nachwuchssorgen. Der Altersschnitt der 29 Mitarbeiter, inklusive zwei Praktikanten, liege bei 30 bis 35 Jahren.
Dieser niedrige Altersschnitt sei der Wende geschuldet, da die Johanniter-Unfallhilfe, ähnlich wie viele andere Rettungsdienste, außer dem DRK, wo Knöthig in DDR-Zeiten tätig war, erst danach hier entstanden. Der Nachwuchs könne aus dem eigenen Hause gedeckt werden, da die Einrichtung auch als Lehrrettungswache fungiere. Zu den hauptamtlichen Rettern gehören vier Frauen. „Die Mädels bringen eine andere Atmosphäre rein“, formuliert der Gesprächspartner, der deshalb gemischte Besatzungen bevorzugt. Generell sei diese Arbeit, die sehr viel Flexibilität erfordere, kein Zuckerschlecken. „Unsere Mitarbeiter erleben doch viel Elend bei ihren Einsätzen, aber auch Freude“, versucht Knöthig zu relativieren.
Ein glückliches Gesicht eines Patienten, der Hilfe erhalten habe, sei für viele Motivation genug. Allerdings: „Wer nur ein Held sein will in dieser Arbeit, der gehört nicht hierher!“ sagt der Johanniter. Beinahe wie auf Kommando müssen zum Abschluss des Gesprächs die diensthabenden Mitarbeiter raus zum Einsatz. Schließlich sollen doch auch heute die 0,9 bis 1,1 Tonnen auf die Waage gebracht, besser gesagt im Rettungswagen befördert werden. B. Walther
2009-07-24
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