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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Was wäre die Modewelt ohne "Etiketten Kult“?

Ausstellung über die lange Historie der kleinen Schildchen

Schaustickerei Plauen – „Ein Etikett ist ein kleines Zettelchen auf oder in einem Objekt das beispielsweise Auskunft über den Inhalt oder den Fabrikant gibt“, erklärt Dr. Karin Thönnissen, Kuratorin der heute beginnenden Ausstellung unter dem Titel "Etiketten Kult“ in der Galerie der Schaustickerei Plauener Spitze.

Die kleinen Schildchen blicken auf eine lange Geschichte zurück, mit vielen Verbindungen zu historischen Ereignissen, besonders aber zur Entwicklung der Kleidung. In Ausstellung geht es ausschließlich um die Entstehung der gewebten Etiketten der Modewelt. Bei Wein beispielsweise sei damit viel früher begonnen worden, bei Textilien erst seit deren Verkauf im Konfektionsbereich. Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Kaufhäuser. Innerhalb kurzer Zeit schossen in Paris 15 bis 20 davon aus dem Boden. Dadurch suchten die Firmen sich abzugrenzen, ihre „Produkte“ zu kennzeichnen. Die ersten Etiketten waren hauptsächlich mit einer Signatur gleich einer Schreibschrift versehen. Später kamen dann Name, Straße, Stadt oder auch Logos dazu.

Die Hochburgen der Produktion waren in Krefeld und Wuppertal angesiedelt. Die Firma Carl Neiss gründete sich etwa 1884 und wurde mit ihren nach Jacquardwebtechnik gefertigten „Schildchen“ in der ganzen Welt bekannt. Sogar der Papst bedankte sich für ein Geschenk der Firma mit einer Silbermünze, die in einer Vitrine zu bestaunen ist. Auf Fotos, Mustern oder Zeichnungen kann die Entwicklung des Etiketts von der Idee bis zum fertigen Schildchen verfolgt werden. Ein umfassender Bestand an Musterbüchern, Firmenkorrespondenzen, kolorierten Patronen, Lochkarten und Etikettenrollen der Kunstweberei Carl Neiss sowie der Bandweberei Saatweber und Sieper in Wuppertal wurden vor der Präsentation wissenschaftlich aufbereitet.

Neben geschichtlichen Aspekten gibt es auch technische Details sowie Entwürfe zu erkunden. Der Bandwebstuhl vom Textilmuseum Bocholt konnte aufgrund technischer und logistischer Probleme nicht aufgestellt werden. Um die 500 lose Etiketten sowie Bücher mit jeweils 5000 Stück sind Teil der Sonderschau. Die Schaustickerei ergänzt mit Exemplaren aus der DDR-Zeit. Auch Bürger seien dabei fleißig gewesen und haben nach Ankündigung der Ausstellung in der Zeitung Stücke aus ihrem Privatbesitz vorbei gebracht.

In der Lausitz seien diese hauptsächlich produziert worden. Wisenta, dk-moden, Richter-Gummistrümpfe oder VEB Strickmoden erkennen dabei sicher viele Besucher wieder. Künstlerisch wird die Ausstellung mit Arbeiten von Anne Rose Schulze begleitet. Als Sammlerin alter Stoffe fielen ihr die Etiketten und Kleidermarken ins Auge, deren gut gestaltete Vorderseiten vom Typografischen und die Rückseiten durch fleckhafte Farb- oder Formkonzentration der Flottungen oder abstrakte Bilder Interesse wecken. Die Eröffnung war am Samstag mit Grußworten der Leiterin der Schaustickerei, Beate Schad, dem Referenten des LWL Industriemuseum Bocholt, sowie der Kuratorin. Von Stephanie Rössel

2010-02-28




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