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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Vogtländer fahren gemeinsam zum Papst

210911 PapstIn zwei Reisebussen wollen sich am Samstag 80 katholische und evangelische Christen aus dem Vogtland auf den Weg zur Papstmesse in Erfurt machen. Über die Erwartungen an den offiziellen Staatsbesuch von Benedikt XVI. in Deutschland sprachen wir mit dem Dekan der Herz-Jesu-Gemeinde, Heinz-Claus Bahmann.

Von Marjon Thümmel

Plauen - "Ich freue mich auf die Begegnung", sagte der 70-Jährige, der am Samstagfrüh 2.30 Uhr nach dem Reisesegen mit vogtländischen Christen beider Konfessionen - "wir werden ökumenisch aufbrechen" - nach Erfurt zur Messe mit Papst Benedikt XVI. fahren wird. Dabei bezieht er die Freude auf Begegnung auch auf das Zusammentreffen mit hunderten Christen auf dem Domplatz. Nach seinen Erwartungen an den Papstbesuch befragt, sagte Bahmann "nicht mehr und nicht weniger als ich generell erwarte, nämlich, dass der Papst Brücken baut zwischen den Konfessionen und Religionen und zwischen den Menschen. Ich erwarte für die Annäherung von katholischen und evangelischen Christen Impulse in die richtige Richtung, aber nicht die große Reform. Trotz seiner Reise ins Land des Protestanten Martin Luther darf der Papst nicht nur Deutschland im Blick haben, sondern den Einklang der gesamten Weltkirche". Dabei ist Bahmann ein großer Verfechter der Ökumene.

"Mir ist es sehr wichtig, als Christen ein gemeinsames Glaubensbekenntnis abzugeben. Habe aber etwas gegen eine Kuschel-Ökumene nach dem Motto wir haben uns alle einfach nur lieb. Ich finde es aber gut, wenn man aufeinander zugeht und das Miteinander und Füreinander wächst. Ich sehe uns in Plauen auf einem guten Weg, aber die Chancen sind bei weitem noch nicht ausgenutzt. Die Fixierung auf ein gemeinsames Abendmahl scheint mir nicht dienlich zu sein. Es gibt auch noch andere Dinge, die zu tun sind. Wir Christen müssen im Dialog bleiben."

Deutliche Worte findet Bahmann für die Aufrufe, unter anderem auch durch die Laizisten um SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz, die Papstrede im Bundestag zu boykottieren. "Der Papst kommt als Staatsgast nach Deutschland. Und als Gastgeber sollte man zum Gespräch, das man einfordert, auch bereit sein. Gastfreundschaft bedeutet, die Tür zu öffnen und zuzuhören, was der andere zu sagen hat. Die Abgeordneten sind die gewählten Vertreter des Volkes und so sollten sie sich auch verhalten. Alles andere ist blamabel."

Zugleich geht er auch kräftig mit seiner Kirche ins Gericht, wenn er über die Missbrauchsfälle spricht. "Das ist nicht die Kirche, die wir wollen. Und deshalb muss sie immer wieder den Erneuerungsprozess anstreben, "weil wir nicht fertig sind. Wir sind auch nicht die besseren Menschen. Es ist eine Kirche mit vielen Fehlern und Mängeln. Und ich gehöre dazu. Ich denke, dass der Papst durch das, was er uns sagen wird und durch seine Aura zum Nachdenken anregt und uns den Weg aufzeigt, wie wir aus manchem Dilemma wieder rauskommen", sagt der Plauener Dekan. "Und das wirkt natürlich in der Heimat noch anders, als würde er es in Rom sagen, obwohl es die gleiche Wertigkeit für mich hat."

Und für seine Kirche hat der 70-Jährige, der seit 1994 in Plauen als Pfarrer arbeitet und noch lange nicht ans Aufhören denkt, einiges vor. "Ich möchte die Gemeinde, zu der 2400 Glieder in Mühltroff, Weischlitz, Oelsnitz und Plauen gehören, noch näher zu einander bringen. Rund 350 von ihnen sind engagiert im Gemeindeleben." Von Hierarchie hält der Pfarrer wenig. "Ich möchte statt dem Bild einer Pyramide mit Papst an der Spitze, Kardinälen, Bischöfen bis hin zu den Laien lieber das von einem Rad - mit Nabe in der Mitte, Speichen und Felgen. Jeder hat seine Aufgabe und seinen Platz und sollte sie ernst nehmen. Denn nur so läuft das Rad rund", erläutert Bahmann.

Die Meinung der Plauener zum Besuch ist eher kritisch:

Grit Ginzel sieht es kritisch: "Mich wundert es, dass so viel Wind um den Besuch gemacht wird. Diesen ganzen Kult, der ist mir suspekt. Auch, dass es beispielsweise viele junge Leute gibt, die so auf den Papst abfahren. Zum Glück gibt es auch viele, die ihn kritisch sehen. Das Papst Benedikt im Bundestag reden soll, finde ich nicht gut, das ist ein Parlament und keine Kirche."

Für Andreas Lippmann ist der Besuch wenig interessant, er findet, dass der Papst ein sehr konservativer Vertreter ist: "Der jetzige Papst vor seinem Amtsantritt ist der Chefvertreter der römischen Glaubenskongregation gewesen, also eine Einrichtung der katholischen Kirche gegen Abweichler, früher hieß das Inquisition. Und so was sagt mir viel. Benedikt ist mir nicht als offener, nach vorn gewandter Papst bekannt. Schade, der Papst Johannes, der 23. war einer, der mir gefiel."

Jacqeline Wagner meint, die Bedeutung des Papstbesuches werde sehr aufgebauscht: "Ich war vor zwei Wochen in Berlin, wollte auch das Olympiastadion besuchen, da war aber schon so viel gesperrt, was mich ärgerte. Was den Papst und seine Ansichten anbelangt, meine ich, dass Themen wie beispielsweise Abtreibung und Ehe von ihm nicht zeitgemäß behandelt werden. Ich kann ihm nur sagen, ich lebe 17 Jahre in wilder Ehe und bin froh damit, weil das auch so klappt."

Marcel Rein zeigt wenig Interesse: "Mir fehlen die Inhalte, die auf eine bessere Gesellschaft hinweisen. Es fällt mir schwer, etwas bei Benedikt zu finden, was mich anspricht. Bei dem Besuch geht es mir zu sehr um die Verpackung, es wird ein Hype um den Papst veranstaltet und alle sollen begeistert sein.

2011-09-21




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