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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Vogtländer auf Humboldts Spuren

030909 BergsteigerPlauen – Dem Vorbild Alexander von Humboldt, dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 150. Mal jährte, nachzueifern war das Ziel einer vogtländische Bergsteigergruppe. Nachdem in den Vorjahren mit dem Mount Blanc sowie dem Elbrus die höchsten Berge Europas erstiegen wurden, machten sich vom 6. bis 18. August Roland Brückner, Bernd Märtner, Wieland Maul, Bernd Noack, Stefan Rau und Roy Schädlich auf nach Lateinamerika – genauer nach Ecuardor.


 Der Freizeitbergsteiger und Geschäftsführer der M & S Umweltprojekt GmbH Plauen Bernd Märtner hat die Erlebnisse der Vogtländer aufgeschrieben. Nach 20 Stunden Flug (zuzüglich sieben Stunden Zeitverschiebung) sei die Gruppe am späten Abend des 6. August in Quito, der 2800 Meter hoch liegenden Hauptstadt Ecuadors angekommen. Bereits am nächsten Morgen startete die Fahrt auf der Panamericana nach Süden sowie am Nachmittag die erste Eingewöhnungswanderung auf etwa 3400 Meter (ü. NN).

 
Stadtdwimpel auf Gipfel
 
 Noch gezeichnet von Jetlag und geringer Akklimatisation wurde, so Märtner, am Dienstag (11. August) 6 Uhr der Aufstieg des 5116 Meter hohen Illinitza Nord in Angriff genommen. Insbesondere die steilen, mit tiefer und lockerer Vulkanasche bedeckten Bergflanken im Mittelstück des beeindruckenden Bergmassivs stellten eine erhebliche Belastung für die Physis dar. Erst im Gipfelbereich wurde das Gelände wieder felsiger, aber auch die Luft sauerstoffärmer. Nach insgesamt acht Sunden Aufstieg wurde mit dem Plauener Stadtwimpel der Gipfel des Illinitza erreicht. Von dort präsentierte sich auch schon das nächste Ziel der Tour, der majestätische Cotopaxi. Er ist mit 5897 Metern der höchste noch aktive Vulkan der Welt und ist mit seinen steilen Gletscherfeldern eine echte bergsteigerische Herausforderung. Im Anschluss an den „fußblasenbildenden Abstieg“ vom Illinitza erreichte die Gruppe am Nachmittag des darauf folgenden Tages das Basislager des Cotopaxi.


 Nach einem unfreiwilligen Zwischenstopp startete der Aufstieg erst am Abend 22 Uhr, „Nebel, Schneegraupel, stürmiger Wind und Temperaturen unter minus 20 Grad Celsius ließen zweifeln, ob nicht ein Platz im Freibad Haselbrunn doch die bessere Wahl gewesen wäre. Auch der zunehmende Sauerstoffmangel wurde zum ersten Mal deutlich spürbar, Pausen brachten kaum noch Erleichterung und auch die Müdigkeit nahm sprunghaft zu. Jeder Einzelne hatte ausreichend Gelegenheit, bis an den Rand seiner physischen Leistungsfähigkeit zu gelangen und auch den letzten Quadratmillimeter seiner Unterwäsche gründlich durchzuschwitzen (auf Grund von Klettergurt, Seil, Handschuhen und wetterfester Bergsteigerkleidung war das Verlassen anderer Körperflüssigkeiten auch schwierig).“


 Trotz allem konnte genau zum Sonnenaufgang der Gipfel des sagenumwobenen Cotopaxi erreicht und ein Blick in den riesigen Kraterschlund geworfen werden. Auch der Himmel war den Vogtländern wohl gesonnen, es klarte auf und unter der südamerikanischen Sonne stiegen die Temperaturen rasch auf minus 7 Grad Celsius – „und vor allem: welch ein grandioser Ausblick!“


 Während des Abstieges mit einem Höhenunterschied von mehr als 1300 Metern glänzten Eisbrüche, Schneegebilde sowie Gletscherspalten ungeheueren Ausmaßes und ließen die Aufstiegsqualen vergessen. Trotzdem waren alle Beteiligten froh, nach insgesamt 13 Stunden endlich das Hochlagers auf knapp 4600 Metern Höhe erreicht zu haben und statt Tee endlich wieder Bier trinken zu können.


Im Anschluss an diese Strapazen gönnten sich die Gruppe einen Tag Ruhe in Banos (etwa 1700 Meter). Bereits am Mittwoch fuhren die Vogtländer an den Fuß des Chimborazo. Diesen Berg versuchte Alexander von Humboldt bereits 1802 zu ersteigen. Er soll nach eigenen Angaben trotz ständigem Erbrechen und Halluzinationen immerhin 5900 Metern erreicht haben, eine Höhe die bis zu seinem Tod 1859 von keinem anderen Menschen mehr erreicht wurde.

 
Hinauf auf den Chimborazo
 
„Gegen 14 Uhr trafen wir am Basislager, der Carell-Hütte auf 4800 Meter ein und erblickten sein Denkmal vor der gewaltigen Kulissen des Solitärs aus erstarrter Lava, Asche, Eis und Schnee. Leider hatte die sozialistische Regierung Ecuadors jedoch eine Woche zuvor den Hüttenpächter enteignet, so dass keine Gasflaschen mehr vorhanden waren.

 

Um Essen zu kochen, mussten wir deshalb wieder in das Tal zurück.“ Der Abmarsch zum Hochlager verzögerte sich damit um mehr als drei Stunden. Auf der Whymper Hütte verblieben damit nur noch zwei Stunden zur Akklimatisierung auf etwa 5000 Metern Höhe. „Hier konnten wir zum ersten Mal erleben, dass sich trotz absoluter Ruhe die Pulsfrequenz kaum verringerte und in regelmäßigen Abständen kurzzeitig stark erhöhte. Bei klarem Sternenhimmel begann um Mitternacht, eine Stunde später als geplant, unser Aufstieg auf den Chimborazo unter dem Kreuz des Südens.“

 

Nach einem kurzen Lava- und Aschestück begann ein erster ausgedehnter Blankeisbereich, an dessen Oberfläche sich viele Lavagesteinsbrocken teilweise beträchtlicher Größe befanden. Diese brachten die Steigeisenkrallen immer wieder zum Abrutschen. Flache „Weg“- Strecken gab es überhaupt nicht mehr, lediglich das Blankeis wurde immer stärker von Schnee überdeckte. Der Gletscher erwies sich als sehr spaltenreich und rissig, so dass man sich immer wieder mühevoll aus Versackungen und Einbrüchen herausarbeiten musste. Sauerstoffmangel und die zu geringe Akklimatisierungszeit führte neben starken Ermüdungserscheinungen auch zu Halluzinationen sowie zur hochgradigen körperlichen Erschöpfung.

 
Umkehr 300 Meter vorm Ziel
 
„Als gegen 6.30 Uhr die Sonne bei wolkenlosem Himmel aufging, hatten wir trotzdem bereits eine Höhe von mehr als 6000 Metern erreicht. Leider führt dieses fantastische Wetter jedoch zu einer massiven Erhöhung der Steinschlaggefahr im Blankeisbereich, denn die porösen schwarzen Lavabrocken werden durch die starke Sonneneinstrahlung sehr schnell stark aufgeheizt und in der Folge aus der geringen Eisüberdeckung mit hoher Geschwindigkeit herausgesprengt.


Auf dringendes Anraten der Bergführer mussten wir uns deshalb mit schweren Herzen, schweren Beinen und leerer Lunge zum Abstieg entschließen. Nur 300 Meter unter dem Gipfel aber zumindest 100 Meter über dem Umkehrpunkt von Humboldt genossen wir einerseits enttäuscht, andererseits aber auch stolz über das erstmalige Erreichen von 6000 Metern den Gipfelbereich des Chimborazo. Erwartungsgemäß erwies sich der Abstieg als gefährlich und kräfteraubend. Unverletzt, physisch am Ende sowie mit interessant deformierten Fußzehen erreichten wir am späten Vormittag wieder das Hochlager und zwei Stunden später die Carell-Hütte. Hinter dem Humboldtdenkmal glänzte der 6310 Meter hohe Berg in der Sonne, ein äußerst anstrengendes aber wahnsinnig tolles Bergabenteuer hatte seinen Abschluss gefunden“, schloss Märtner.

 

2009-09-03




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