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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Stadtrat Plauen stellt sich hinter Neoplan
Schreiben an MAN-Konzernspitze gefordert
Plauen – Gesicht zeigen. Auf diesen kurzen, aber auch Entschlossenheit ausdrückenden Nenner lässt sich die Haltung der Stadträte bezüglich der Situation eines der größten Unternehmens der Stadt, Neoplan, bringen. Als vor einigen Tag publik wurde, dass ein für die Lackierung der hochwertigen Busse fehlendes Tauchbecken dem Plauener Betrieb zum Verhängnis werden könnte, weil die „Busgerippe“ künftig über 700 Kilometer nach Polen transportiert werden sollen, schlugen auch die medialen Wellen hoch.
Befürchtungen von einer letztendlichen kompletten Schließung machten die Runde, die Zukunft des erst im Vorjahr erworbenen Gebäudes der ehemaligen Plauener Gardine scheint ungewiss.
Entsprechend ernst schätzten denn auch die Stadträte auf ihrer Sitzung am Donnerstag die Lage ein. Hansjoachim Weiß, Fraktions-Chef der CDU, mahnte ein konzertiertes Vorgehen der Kommunalpolitiker, gemeinsam mit der sehr engagierten Geschäftsführung vor Ort und der Gewerkschaft an. „Die Mitarbeiter fordern konkrete Hilfe und keine Sprechblasen zu Neujahrsempfängen“, so Weiß mit Blickrichtung ins Präsidium. Würden die Rohkarossen quer durch Deutschland kutschiert, dann sei der nächste Schritt nicht mehr weit, äußerte Weiß seine Befürchtungen.
Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer wollte sich denen offensichtlich nicht gänzlich anschließen. Er machte deutlich, dass zunächst eine klare Aktenlage nötig sei, denn nicht alles stelle sich momentan so dar, wie es in der Presse kolportiert werde. Zitat OB: „Ich kann derzeit nicht alles öffentlich machen, was ich in Erfahrung gebracht habe.“ Für die nächsten Tage avisierte er ein Gespräch mit der Geschäftsleitung von Neoplan.
Bezüglich des in Plauen nicht vorhandenen Tauchbeckens machte Oberdorfer auf die speziellen Schwierigkeiten aufmerksam. Die in der Region existierenden seien für Busse deutlich zu klein, und ein für deren Lackierung nötiges Becken von 14 Meter Länge nicht mal in ganz Südwestsachsen ausgelastet. Der OB deutete die Möglichkeit an, gemeinsam mit der Landesregierung eine Lösung zu finden, die den Standort Plauen erhält und dennoch Investitonen in eine derartige Anlage ermöglichen.
SPD-Fraktions-Chef Rainer Maria Kett regte ein gemeinsames Schreiben von OB und Fraktions-Chefs an die Konzernspitze an. Ein derartiger Brief liege im Entwurf bereits vor, sei allerdings noch nicht abgeschickt, weil sich, so Oberdorfer ein weiteres Mal etwas geheimnisvoll, einiges anders darstelle, als in der Öffentlichkeit beschrieben. Das betreffe beispielsweise auch den Mietvertrag mit der Plauener Gardine. „Lasst bitte die Pferde im Dorf“ richtete FDP-Stadträtin Kerstin Knabe, die Gattin des Geschäftsführers von Neoplan Plauen, Achim Knabe, einen Appell nicht nur an die Stadträte und bedankte sich gleichzeitig für deren Engagement.
Vor dem Hintergrund anstehender Kündigungen erklärte sie, dass für die Realisierung eines Großauftrages aus Österreich, der eigentlich in der Türkei ausgeführt werden sollte, Nachbesserungsarbeiten nötig seien, die bei Neoplan Plauen derzeit erfolgen würden. Dafür wurden 72 Leiharbeitskräfte eingestellt, in deren Fall von vornherein klar war, dass sie anschließend nicht weiter beschäftigt würden. Auch Knabe bestätigte, dass für die Auslastung eines Tauchbeckens mindestens 750 Buss-Karossen nötig seien, in Plauen aber jährlich nur 420 gefertigt würden. Im „Landesdialekt“ fügte die FDP-Stadträtin emotional an: „Es ist noch net alles verloren“.
Von Torsten Piontkowski
2010-01-29
Kommentar zu Stadtrat Plauen stellt sich hinter Neoplan?
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