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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plauener kocht für Milliardär Roman Abramowitsch

020610 KochPlauen/Taschkent – Man stelle sich vor, ein junger Mann, der sehr gut mit Pfannen, Töpfen, Messern, Kräutern und den vielfältigsten Lebensmitteln hantieren kann, fleißig, kreativ, neugierig und lebenshungrig ist, beschenkt nicht Gäste in einem Restaurant mit seinem Talent sondern nur einen Mann, dessen Familie und dessen Gäste. Gut.


Wenn dieser Mann dann aber aus Plauen stammt, in Jößnitz in einem FDGB-Ferienheim gelernt und im „Bären“ gekocht hat, erst nach der Ausreise gen Westen die weite Welt kennenlernen konnte und in der Gegenwart, wie im Märchen anmutend, ein großes Ding am Laufen hat, horcht man auf, oder?


Der Mann heißt Andreas Heymann, ist Plauener, Koch, Weltenbummler und gerade in Diensten des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch in dessen Wohnsitz Taschkent, oder auf Reisen in seinen weiteren Domizilen. Das bedeutet, die Küche zu leiten, die beim privaten Kochen genauso zu funktionieren hat wie beim Ausrichten exklusiver Partys, für die natürlich nichts zu teuer oder ausgefallen ist. „Zu der Anstellung kam ich wie die Jungfrau zum Kind und zwar durch mein Internetprofil und das Kochen für zahlreiche Prominente wie Wladimir Putin, Bruce Willis oder John Travolta“, erzählt der Vogtländer. Aussagekräftig im Profil und mit guten Referenzen versehen, muss der Plauener wohl so sehr bei Abramowitsch Eindruck gemacht haben, dass dieser ihm einen attraktiven Zweijahresvertrag anbot. Er nahm an.
Andreas Heymann ging die ersten acht Schuljahre in die Plauener Mosen-Oberschule und danach zwei Jahre in die Allende-Schule. 1975 folgte die Kochlehre im FDGB-Ferienheim Jößnitz. „Mein Meister Harald Hope sei herzlichst gegrüßt“, sagt der Koch. Den Beruf wählte der junge Bursche, um so über Umwege zur See fahren zu können. Es wurde nix draus. Nach 1977 war Heymann im Ratskeller in Plauen als Abteilungskoch tätig. Bis zu seiner Ausreise in den Westen köchelte der Plauener im legendären Plauener Gasthaus „Zum Bären“ (das stand mal an der Neundorfer Straße, wo jetzt eine hässliche Baulücke klafft). Im Westen angekommen war die Hotelfachschule Regensburg seine erste Station, es folgten drei „Wienerwald“-Filialen in Bayreuth, Passau und Reit im Winkl.


1992 gründete er das eigene Restaurant „Wyatt Earp“. Ab 2005 arbeitete Heymann vier Jahre im Ausland. Jetzt also ist er der Leibkoch Abramowitschs, der in den 1990er Jahren seinen Reichtum durch Beteiligungen an russischen und internationalen Firmen im Bereich Erdöl, Aluminium, mit einer Fluggesellschaft sowie im Automobilbau scheffelte. Nachdem der Russe – ein enger Freund Putins – seine Anteile nach und nach schwer gewinnbringend verkaufte und sich auch aus der Politik zurückziehen musste (er war sogar mal Gouveurneur), ist Abramowitsch mit einer großen Baufirma weltweit im Tunnelbau tätig. Der 44-Jährige ist unter vielem anderen Eigentümer des Fußballclubs FC Chelsea London.


In Taschkent zu leben bedeute eine große Umstellung, die Gepflogenheiten und Sitten der Leute sind sehr von ihrem Glauben geprägt, alle sind trotz der allgemeinen Armut sehr nett und aufgeschlossen, berichtet der Deutsche. Mitten in dieser allgemeinen Armut lebt Heymann inmitten des sagenhaften Reichtums Abramowitschs. „Der ist eigentlich ein sehr bodenständiger Typ, der meiner Meinung gar nicht mehr weiß, was er an Anwesen und Immobilien in dieser Welt besitzt“, glaubt der Plauener. Aber der Koch merkt schon, wie gern der Chef zeigt, dass er megareich ist. „Zum großen Teil meiner Tätigkeit haben wir uns auf seinem Anwesen in der Karibik aufgehalten. Alles ist sehr abgeschirmt, außer wenn er seine legendären Partys gibt, auf denen so ziemlich alles vertreten ist, was Rang und Namen hat auf dieser Welt“, lässt sich Andreas Heymann entlocken.


Bei aller Exklusivität, bei besten Arbeitsbedingungen und einem Traumgehalt hat der Vogtländer mitunter auch Heimweh, gesteht er. „Es gibt immer sehr viel zu arbeiten und ich habe ja Dank des Internets gute Verbindungen zu meiner Familie und zu meinen Freunden in Deutschland“, tröstet sich der Starkoch. Dessen Zukunftspläne sind noch nicht klar, Deutschland jedoch will Heymann früher oder später ganz verlassen, um im Süden – vielleicht auf Mauritius – zu arbeiten.


Aber was kommt bei den Abramowitschs eigentlich so auf den Tisch? „Mein Chef isst alles, vom Schweineschnitzel bis zum absoluten Edeldinner.“ Und Bambes? „Nein, Bambes habe ich ihm noch nicht zubereitet. Das ist eine sehr gute Idee, die esse ich auch sehr gerne.“ Kann also gut sein, dass der Plauener Koch demnächstim Hause des Milliardärs Kartoffeln reibt, den Herd anwirft und Abramowitsch Bambes serviert.

 

Von Frank Blenz und Martin Reißmann

 

2010-06-01




Kommentar zu Plauener kocht für Milliardär Roman Abramowitsch?

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