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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Evangelischer Schulverein Mylau mit Zukunftsplänen
Eine feste Burg fürs Lernen in Mylau
Mylau – Zum Campus will der Evangelische Schulverein Vogtland das Gelände um die Mylauer Schule, in der seit fast drei Jahren das Gymnasium Futurum beheimatet ist, ausbauen und dabei auch die Burg mit einbeziehen. „Ein grandioses Projekt, das Historie, Bildung und Kultur unter einem Dach vereint“, wie Geschäftsführer Christoph Rabbeau und Bürgermeister Christoph Schneider unisono betonen, das seinesgleichen in der gesamten Bundesrepublik sucht und deshalb auf dem Bildungssektor auch schon weithin wahrgenommen werde.
Ein Erbbaupachtvertrag über 30 Jahre, den die Stadt Mylau mit dem Schulverein abschließen will, regelt künftig die Zuständigkeiten. Vorher wird die Burg für rund vier Millionen Euro auf Vordermann gebracht. Dach, Fassade, Fenster, Wasser- und Abwasserversorgung, Heizung und Sanitäranlagen will die Stadt bis 2013/14 sanieren.
Inhaltlich beginnt die Zusammenarbeit dagegen schon im August dieses Jahres. Zu diesem Zeitpunkt gehen Burgmuseum und Bibliothek mitsamt ihrer fünf Mitarbeiter in die Trägerschaft des Schulvereins über. In den vergangenen zwei Monaten hat Rabbeau ein „Konzept zur ganzheitlichen Nutzung der Burg durch den Schulverein“ erarbeitet, das derzeit als Diskussions- und Entscheidungsgrundlage vom Stadtrat, vom Kulturkonvent, von der Denkmalpflege und von den Museumsmitarbeitern geprüft wird.
„Wir wollen keinen Kahlschlag betreiben“, sagt der Geschäftsführer ausdrücklich. Museum, Bibliothek, Griechenrestaurant und Ratssaal sollen erhalten und öffentlich zugänglich bleiben. Auch an den kulturellen Höhepunkten wie mittelalterlichem Burgfest, Puppenspielfest und historischem Weihnachtsmarkt werde der Verein keinesfalls rütteln. Und mit dem Burgförderverein, dessen Arbeit er sehr schätze, wolle er die Zusammenarbeit ebenfalls suchen, erklärt Christoph Rabbeau.
Trotzdem bleiben Veränderungen nicht aus, denn der Burgbetrieb einschließlich Museum laufen bisher defizitär. Und das kann sich ein Schulverein nicht leisten. Museumsleiter Andreas Raithel befürchtet deshalb, die jahrzehntelange Arbeit der Historiker könnte zunichte gemacht werden.
Doch davon könne keine Rede sein, beschwichtigt Rabbeau. Zwar werde sich das Museum künftig auf die Geschichte der Burg, der Region und speziell der Göltzschtalbrücke konzentrieren, bei der Neuorientierung aber auf alle Fälle die Museumsmitarbeiter und weitere Fachleute einbeziehen. „Wir wollen ein interaktives Museum entwickeln, das vor allem auf die Belange von Kindern und Familien zugeschnitten ist und in dem geforscht, entdeckt und selbst gehandelt werden kann“, umschreibt der umtriebige Geschäftsführer seine Pläne.
Dabei soll die Burg nicht auf die Nutzung durch das Gymnasium Futurum begrenzt bleiben. „Wir sind und bleiben ein offenes Haus“, versichert Christoph Rabbeau, offen für alle Schüler der Region und offen auch für die breite Öffentlichkeit. Schließlich biete sich das historische Gemäuer bestens als Veranstaltungsort für Lesungen, Puppentheater, Expertenabende, Diskussionsforen und Ausstellungen an.
Die Campus-Idee wurde überhaupt erst geboren, weil das Gymnasium Futurum in der Mylauer Schule in Kürze an seine räumlichen Grenzen stößt. Derzeit lernen 132 Schüler in drei Jahrgangsstufen in der Einrichtung. Ab dem Schuljahr 2018/19 werden es voraussichtlich 530 Schüler sein. Rabbeaus Konzeption sieht vor, die Jahrgangsstufen 5 und 6 weiterhin in der Schule zu unterrichten. Die Jahrgangsstufen 7 bis 9 bekommen ihr Domizil in der Brücknerstraße 28/30. Das Grundstück hat der Schulverein erworben und will die Gebäude umbauen und in den Campus integrieren. Für die Jahrgangsstufen 10 bis 12 ist ein Teil der Burg vorgesehen. Das Raumkonzept für die Burg existiert derzeit zwar nur gedanklich, geht aber vom Museum im historischen und von der Schule im neueren Teil aus.
Schließlich wollen Stadt und Schulverein ihre Bibliotheken zusammenlegen und dabei Synergieeffekte nutzen. Die neue Bibliothek soll in einem Anbau an das jetzige Schulgebäude untergebracht und vom Schulverein betrieben werden. Dabei bleibt sie eine öffentliche Einrichtung, die von jedermann genutzt werden kann. Darüber hinaus will der Schulverein hinter der Schule eine Mensa als sozialen Treffpunkt für alle Schüler bauen.
Es ist ein gewaltiger Kraftakt, den der Schulverein in den kommenden Jahren stemmen will. Immerhin sind Investitionen von zwölf Millionen Euro geplant. Aber Christoph Rabbeau und seine Mitstreiter sind zuversichtlich, mit der Umsetzung ihrer Pläne einen „fantastischen Lernort zu schaffen, an dem die Schüler auf die hohen Anforderungen der Zukunft hervorragend vorbereitet werden können“. In der Stadt Mylau haben sie dabei nach eigenen Angaben einen zuverlässigen Partner und im evangelischen Landesbischof Bohl einen Fürsprecher für ihr einzigartiges Projekt gefunden.
Von Ina Ullmann
2010-01-28
Kommentar zu Evangelischer Schulverein Mylau mit Zukunftsplänen?
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