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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Enka Elsterberg: Schicksale und verlorene Jobs

Chef des Betriebsrates nach 33 Jahren arbeitslos

 

Enka ElsterbergElsterberg – Schluss. Aus. Vorbei. Die Hoffnung auf eine Zukunft der Elsterberger Enka ist erloschen – wie das Mahnfeuer am Eingang des Viskoseproduzenten. Vom 4. Mai bis 31. Dezember loderte die Flamme der Hoffnung, genährt von 50 Enka-Werkern, die rund um die Uhr Wache hielten – alle sechs Stunden wurde gewechselt.


380 Vogtländer haben ihre Arbeit verloren – einige wenige dürfen jetzt das Werk „abschalten“: Der Betrieb, in dem 100 Jahre Holz zu Fäden wurde, aus denen hochwertige (Futter-)Stoffe entstanden, darf nicht mehr produzieren. „Wir stellen die weltbeste Viskose her“ – darauf waren die Elsterberger stolz.


Jetzt sind die meisten arbeitslos. „75 Prozent“, schätzt Klaus Wirth, Chef des Betriebsrates; auch ihn hat es getroffen: nach 33 Jahren und vier Monaten: Im September 1976 hatte er als Elektriker-Lehrling in der Enka begonnen. „Ein paar junge Leute haben neue Arbeit in der Region gefunden und die ersten haben die Region verlassen.“ Einer, der sein Glück in der Fremde (ver)sucht, ist Roland Dietzsch, der Technische Leiter und AHL-Stadtrat. Wie aus dem Rathaus bestätigt wird, hat Dietzsch in Essen Arbeit gefunden – und hat deshalb bereits bei mehreren Ratssitzungen gefehlt.


Enka-Betriebsrat Wirth geht noch ein paar Mal in „seinen“ Betrieb: Schreibtisch aufräumen, Unterlagen archivieren. Und er engagiert sich weiter für die Kollegen: Es gibt ein wichtiges Treffen mit dem Insolvenzverwalter in der Einigungsstelle – Stichwort: Sozialplan. „Einen Termin gibt es noch nicht: Ein Richter vom Arbeitsgericht München legt ihn fest“, sagt Wirth. Nach dem Treffen werde man die Belegschaft informieren, jedenfalls jene, die übrig geblieben sind.


Wirth ist sichtlich enttäuscht. Enttäuscht, dass der Kampf verloren wurde, den Betrieb zu retten. Enttäuscht, dass die Geschäftsführer im fernen Wuppertal Enka Elsterberg schließen zugunsten eines Schwesterbetriebes in Bayern. Enttäuscht auch über die Politiker, die „uns im Stich gelassen haben, obwohl sie im Wahlkampf viel versprochen hatten“.


Jetzt bedankt er sich bei seinen Kollegen, die bis zum Schluss Zivilcourage gezeigt hätten – vor allem die 25, die Wirth als harten Kern der Mahnwache bezeichnet. „Alle haben ihr Bestes gegeben und viel gelernt über den Staat, in den wir leben, in den Industriearbeitsplätze in Größenordnungen verschwinden“, sagt Wirth. Hinter ihm, am Zelt der Mahnwache, hängt ein Plakat: „Heute wir – morgen ihr“.  j.st./ufa

 

2010-01-08




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