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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Deponiesanierung in Adorf und Mylau

Sanierungspläne auch für Schneidenbach, Oelsnitz und Zobes

 

Archivbild der Deponie ZobesZwotental/Vogtland – Berge von Asche, Hausmüll, Produktionsabfälle, Plastik und jede Menge Stoffe, die man nur erahnen kann, schlummern unter dem 5,5-Hektar-Plateau. Ein ockerfarbener Fleck inmitten des Fichtengrüns von Zwotental. Diese „Schätze“ sind dem Vogtlandkreis wenig lieb – aber umso teurer.

 

„Da kann sich mancher fragen: Lohnt es sich, 6,6 Millionen Euro für eine Deponiesanierung auszugeben?“, fragt Andreas Pecher, Deponie-Fachmann aus des Kreises Abfall- und Bodenschutzbehörde. Noch mehr solche „Schätze“ ist der Kreis dabei, zu sanieren. Millionen über Millionen Euro fließen da in die Asche- und Müllhäufen, auf das sie für immer hermetisch abgedeckelt bleiben, ihre schädlichen Stoffe nicht mehr Boden und Wasser, Mensch und Tier schädigen. 6,6 Millionen hat man in Zwotental ausgegeben, 11 Millionen gehen gesamt in die Deponiesanierung Zobes auf, wenn man diese, mit 18 Hektar die größte im Vogtland, 2013 abgeschlossen hat.

 

2,6 Millionen Euro sind für die restlichen 3 Hektar in Adorf geplant. In den nächsten fünf Jahren wolle man einen Schlussstrich unter die Deponiesanierungen ziehen, so das Kampfziel von Dezernent Lars Beck. In den Jahren seit der Wende hat der Kreis bereits 34 Deponien behandelt – bleiben noch 17 übrig, deren Sanierung schon läuft, oder noch in Planung ist. Dabei setzt des Kreises oberster Abfall-Spezialist auf staatliche Fördersummen zwischen 50 und 75 Prozent.
„Wir stehen Gewehr bei Fuß, wenn es Fördermittel gibt und werden nicht einen Euro Förderung verfallen lassen.“

 

Den Eigenanteil speist der Kreis ausschließlich aus den Rückstellungen, den der Entsorgungsverband Vogtland (EVV) gebildet hat. Nur: In diesem Topf ist längst nicht mehr so viel Geld, wie der Beitragszahler bisher glaubte. Etwa 32 Millionen, und an wirklich liquiden Mitteln nur 12 überrechnet Beck. Die zwar eingerechneten, aber nicht wirklich vorhandenen 20 Millionen hat man bekanntlich in die Finanzierung der mechanisch-biologischen Abfallanlage Oelsnitz zweckentfremdet gesteckt und somit der Deponie Schneidenbach GmbH ausgeholfen. Immer im festen Glauben, dass man das geborgte Geld durch die Gewinne der MBS-Anlage schnell wieder zurückzuzahlen vermag.


Nur blieben die Gewinne 2008 aus. Ein Minus in Millionenhöhe, bestätigt wurden bisher offiziell 1,4 Millionen Defizit – hat die neue Anlage in Oelsnitz eingefahren. „Bis 2007 hat die DSG Gewinne geschrieben“, so Beck, der das Defizit mit einer Überkapazität an Hausmüll und heruntergesackten Preisen für Ersatzbrennstoffe (EBS) begründet. Für eine Tonne EBS gab es plötzlich auf dem Markt nur 60 Euro statt der kalkulierten 100 bis 120 Euro. Die Anlage müsse schleunigst wieder schwarze Zahlen schreiben, damit man das Rücklagen-Loch stopfen könne. Dennoch sieht Lars Beck die Finanzierung der Deponien nicht gefährdet.


Wie viel Geld die Deponie-Körper künftig (ver)schlucken, ist ungewiss. Denn mit einer Deponiesanierung, die sich über Jahre hinziehen kann, ist es nicht getan. Beispiel Deponie Zwotental. Nachdem diese 2009 fertig saniert wurde, schließt sich eine jahrelange Nachsorge an. „Da können 30 Jahre ins Land gehen. Bisher besitzt der Vogtlandkreis keine einzige Deponie, die vom Land aus der Nachsorge entlassen wurde“, so Andreas Pecher, der von regelmäßigen Messungen von Deponiegas, Sicker- und Grundwasser, auch über Monitoring, spricht.

 

In wenigen Jahren wird das ockerfarbene Plateau bewachsen sein und die wenigsten ahnen, welche Technik sich im Deponiekörper verbirgt: Unter einer 1,20 tiefen Rekultivierungsschicht, folgt eine Drainmatte aus Geotextil, darunter eine Kunststoffdichtungsbahn sowie Lehm- und Tragschichten. Mittels verschiedener Technologien, zum Beispiel auch dem Einsatz von methanisierenden Bakterien, werden Deponiegase und –wasser gereinigt und abgebaut. „Ungewiss ist, was in zehn Jahren mit so einer Deponie ist, ob die Abdeckelung hält oder doch Stoffe nach draußen dringen. Damit hat der Vogtlandkreis noch keinerlei Erfahrungen“, so Andreas Pecher. Nahziele sind für 2010 die Deponien in Adorf und Mylau zu sanieren, es folgen 2011/12 die Deponien Schneidenbach und Oelsnitz und Schritt für Schritt immer wieder Zobes.    gl

 

Zahlen & Fakten


Im Vogtland gibt es: 120 Altablagerungen und 74 Deponien. Unter Altablagerungen versteht man Schuttplätze, die schon vor der Wende betrieben und geschlossen wurden. Deponien sind Ablagerungen, die auch nach der Wende noch in Betrieb waren. Nach 1990 wurden noch 16 Deponien betrieben – 8 durch den EVV, 5 durch den Kreis, 3 durch Plauen. Von 74 Deponien wurden 34 abgeschlossen, bei 23 sei keine Sanierung nötig, 17 Deponien sind teilsaniert oder noch nicht saniert.

 

2010-02-09




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