Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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"Supergau für die Region"

200112 PlamagNur mit Massen-Entlassungen ist die Plamag Plauen zu retten. Bereits zum Monatsende werden 527 Arbeitsplätze im Werk gestrichen.

Plauen - Vor einem Jahr setzte Manroland in Plauen eine Strukturreform um - um zukunftsfähig zu werden, wie es damals hieß. Vorgesehen war der planmäßige Abbau über Altersteilzeit von damals noch 816 Beschäftigten auf 678 bis Ende 2012 - ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen sollte. Aber seit Mittwochabend ist klar: Nur mit massiven Stellenabbau ist die Plamag zu retten. Am Montag soll es soweit sein.

Bis dahin wird hinter den Kulissen noch um jeden Einzelnen gerungen. Selbst für diejenigen in der Altersteilzeit, denen es nach getaner Arbeit nur noch um den Rest ihres verdienten Lohns geht, befürchtet die IG Metall nun empfindliche Abstriche. Ihr Zwickauer Bevollmächtigter Stefan Kademann geißelt dies bereits öffentlich als "Gesetzeslücke". Zu regeln sei auch die zwar zugesagte, aber bislang nicht schriftlich fixierte Übernahme aller Lehrlinge.

"Wir werden sehen, dass wir so viele Arbeitsplätze wie möglich aus der Insolvenz heraus retten können", kündigte der Gewerkschafter an. Die Manroland-Pleite nannte er "einen Supergau für die Region". Bedroht seien nun auch jede Menge Jobs bei Zulieferern und Dienstleistern.

Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags Ende November gab es 726 Beschäftigte in der Plamag. Dazu kommen noch knapp 100 Mitarbeiter, in deren Altersteilzeit bereits die Freistellungsphase begonnen hatte. Am Montag will der Insolvenzverwalter die Ergebnisse der Restrukturierung für Plauen bekanntgeben.

Kademann sagte, dass 50 der knapp 300 Stellen, die in Plauen erhalten bleiben sollen, formal zum Standort Augsburg gehören werden. Für das größte Manroland-Werk hatte die Lübecker Possehl-Gruppe den Zuschlag erhalten, die für das Plauener Plamag-Werk Zulieferverträge zugesichert und eine spätere Eigenbeteiligung in Aussicht gestellt hat.

Diese Lieferverträge, die eine Grundauslastung für Plauen garantierten, sollen voraussichtlich über drei Jahre laufen, fügte Kademann hinzu. Um zukunftsfähig zu werden und aus einer Position der Stärke heraus weitere Lieferverträge aushandeln zu können, müsse die Plamag schnellstens weitere Geschäftsfelder erschließen. Kademann rechne damit, dass sich der bisherige Insolvenzverwalter, der in Plauen vorerst beteiligt bleiben will, in einigen Monaten zurückziehen werde.

Wirtschaftsminister Sven Morlok unterstrich, dass für den Neustart Förderinstrumente des Freistaates zur Verfügung stünden. Landrat Dr. Tassilo Lenk sicherte ebenfalls zu, alles Machbare zu unternehmen. Die Plamag verfüge über "gutes Know-how und gut ausgebildete Arbeitskräfte". va

2012-01-20




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