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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Plamag Plauen bei Protestaktion in München dabei
Gut möglich, dass die Beschäftigten der Plamag und ihre Familien über Weihnachten kurzzeitig verdrängten, dass das Damoklesschwert von Entlassungen nach wie vor über ihnen schwebt. Doch schon zu Beginn des neuen Jahres geht der Protest weiter.
Von Torsten Piontkowski
Plauen - Noch sei nicht alles in trockenen Tüchern, sagt Stefan Kademann von der IG Metall Südwestsachsen. Gestern Vormittag saß er, wie so oft in den vergangenen Wochen, mit dem Betriebsratsvorsitzenden der Plamag, Udo Meier, zusammen, um weitere Aktionen zu beraten.
Was die für den 13. Januar in München geplante Großdemonstration von Beschäftigten aller Manroland-Standorte betrifft, befinden sie sich momentan in der Feinplanung, bestätigt Meier. Am morgigen Donnerstag werden Details besprochen, am Freitag früh die Busse in die bayerische Landeshauptstadt gebucht, sagt Kademann.
Denn die Gewerkschafter wissen, trotz der Bemühungen des Insolvenzverwalters Werner Schneider und dessen Beauftragten gibt es noch eine Menge ungelöster Probleme. "Die Zeit drängt, der Druck auf alle Beteiligten muss beibehalten werden", formuliert Kademann das Anliegen der geplanten Demo. Im Vorfeld habe man sich mit den Betriebsräten aller Standorte verständigt, in München auf Politik und Altgesellschafter Druck auszuüben.
Es gehe um den Weiterbestand des Unternehmens generell, die Ausbildungsabsicherung, die Bildung einer Transfergesellschaft, listet Kademann Schwerpunkte auf, die naturgemäß alle "mit Geld" verbunden sind. Und er weiß auch, dass es ohne Personalreduzierung nicht abgehen wird. "Alles andere wäre illusorisch", fügt er an.
Dass man sich auf Freitag, den 13., verständigt habe, besitze durchaus Symbolcharakter. Einerseits sehe es für Manroland eben ziemlich schwarz aus, andererseits wolle man ausdrücken, dass die Uhren für eine Lösung auf "5 vor 12" stehen. Derzeit sei als Demonstrations-Adresse das bayerische Wirtschaftsministerium in der engeren Wahl. Der Sitz der Allianz als einer der Altgesellschafter befinde sich in unmittelbarer Nähe der US-Botschaft - da gebe es Sicherheitsbedenken, fügt Kademann an. Und wie viel Busse glaubt er am Freitag buchen zu können? "Zehn mindestens", ist er überzeugt.
Die Resonanz bei den Plamag-Kollegen werde groß sein, ist er sicher, und Meier findet noch ein paar klarere Worte: Wer jetzt noch nicht begriffen habe, dass er kämpfen muss, egal, ob sein Arbeitsplatz in akuter Gefahr ist, er eventuell bleiben kann oder in eine Transfergesellschaft wechseln, der könne ihm eigentlich leid tun. Obwohl die geplante Demo noch gar nicht "in die Öffentlichkeit" getragen wurde, haben sich erste Unterstützer gefunden. Beispielsweise haben Vertreter der Arbeitsloseninitiative Sachsen (Ali) bereits signalisiert, mit nach München zu fahren. Und sobald alle Einzelheiten geklärt seien, so Kademann, werden sich noch viele weitere finden.
Kämpferisch hatte die Plamag-Belegschaft auch das Jahr ausklingen lassen. Am Morgen des 16. Dezember hatten sie vor dem Betriebsgelände und entlang der B 92 mit Fackeln, Kerzen und Plakaten auf ihre Situation aufmerksam gemacht.
Allianz und Miteigentümer MAN dürfe man nicht das Gefühl geben, dass sie aus der Verantwortung genommen sind, hatte Kademann ihnen damals mit auf den Weg gegeben. Insolvenzverwalter Werner Schneider hatte zu diesem Zeitpunkt zwar von einer Vielzahl von Interessenten aus dem In- und Ausland gesprochen und auf "hoffnungsvolle Ansätze" verwiesen, doch seither kommen aus seiner Kanzlei keine weiteren Informationen - weder positiver noch negativer Art. Schneider hatte bereits zur Insolvenzeröffnung eine Lösung bis Ende Januar avisiert. Und so gesehen stehen die Uhren für die rund 6500 Beschäftigten bei Manroland tatsächlich auf "5 vor 12".
2012-01-04
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