Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plamag-Beschäftigte zeigen Flagge mit Fackeln

161211 Plamag400 Manroland-Beschäftigte haben am Freitagfrüh für den Erhalt ihres Unternehmens demonstriert. Sie standen mit Fackeln in der Hand entlang der viel befahrenen B92, die an dem traditionsreichen Plauener Druckmaschinenhersteller vorbeiführt.

Von Frank Blenz

Plauen – Garstig draschte der Regen, vermischt mit Schneeflocken und kalten Windböen auf die Demonstranten mit ihren hellen Warnwesten, die tapfer im Morgendunkel ausharrten und den Autofahrern zuwinkten, die langsam die Szenerie der Lichter und Protestplakate passierten. Die angezündeten Fackeln drohten zu erlöschen, der Kampfgeist der Menschen vor dem langen Fabrikgebäude schien ebenso seltsam ruhig, das Gefühl beklomm: Ein immer noch vorhandener Schockzustand und Warten.

Das Wort Warten bekommt in diesen Tagen eine besondere, tragische Bedeutung, dieser Zustand dringt bis in die Herzen der direkt Betroffenen wie auch ihrer Angehörigen und der Menschen, die sich den Arbeitern der Plamag solidarisch verbunden fühlen. „Ja, wir warten, warten, hoffen. Die Kollegen versuchen ihren Job zu machen, wir wollen, dass im Januar bei den Verhandlungen über die Zukunft von Manroland was Gutes rauskommt“, sagte Petra Benecke vom Betriebsrat, die mit Kollegen Aufkleber an Autofahrer verteilte. „Platt machen geht nicht“, steht auf den Vierecken, die weißen Buchstaben ergaben „Plamag“, eine unmissverständliche Botschaft.

Der Plamagianer Gregor Bicker, 60 Jahre, stand auch an der Straße, wie 400 Kollegen. Seit 43 Jahren geht er in den Betrieb auf Arbeit. Der Syrauer ist mit der Firma „verheiratet“ und hatte sich auf den bevorstehenden Vorruhestand gefreut, als die Nachricht von der Insolvenz auch ihn erreichte. „Im Februar 2012 wollte ich in die so genannte Ruhephase eintreten. Das ist jetzt ja alles über den Haufen geworfen worden und ich weiß nicht, wie das ausgehen wird. Mir steht es bis hier“, sagte der alte Transportarbeiter und zeigte mit einer deutlichen Geste quer über seinen Hals. Neben Gregor Bicker hielten junge Männer trotzig formulierte Transparente in den Winterhimmel: „Allianz schwimmt im Geld, hat MAN kalt gestellt“, „Eigentum verpflichtet“, „Lasst Plauen nicht aussterben!“

„Wir haben uns von dem Schock nicht erholt und hoffen. Wir müssen aber was tun. Nix unternehmen bringt auch nix“, so Petra Benecke. Es heißt weiter warten, warten, warten für die Beschäftigten.

Mehr dazu am Samstag im Vogtland-Anzeiger.

2011-12-16




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