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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Philips Plauen will Druck auf Firmenzentrale erhöhen
Plauen – Der 19. Juli wird allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben – den Beschäftigten der Narva in Plauen, die mit sieben Bussen zur Firmenzentrale von Philips Lighting nach Eindhoven gefahren waren, um ihren Protest gegen die geplante Auslagerung der H4-Halogenlampen-Produktion zu artikulieren, den Bürgern der zweitgrößten niederländischen Stadt, die eine derartige Aktion seit Jahrzehnten nicht erlebt hatten, und nicht zuletzt den „Bossen“ in der Leitungsebene.
Bereits damals hatten die Plauener keinen Zweifel daran gelassen, weiter um den Erhalt ihrer Jobs zu kämpfen. Und seitens der Firmenzentrale war Stefan Kademann von der IG Metall Südwestsachsen im Laufe eines knüppelharten und weit länger als geplanten Gespräches zugesagt worden, alsbald zu Gesprächen nach Plauen zu kommen.
Doch passiert war seither nichts. Dies auch der Grund einer für Mittwoch bei Narva Plauen anberaumten Betriebsversammlung, an der der Betriebsrat, Gewerkschaftsvertreter und die Geschäftsführung vor Ort teilnahmen. Tenor: Die Verantwortlichen wurden nochmals aufgefordert, zu ihren Zusagen zu stehen und in Gespräche einzutreten. Ein entsprechendes Schreiben sei auch an die Zentrale in Eindhoven gerichtet worden. „Es bleibt menschenverachtend und zynisch, wenn auf der einen Seite Rekordergebnisse des Unternehmens gefeiert werden und auf der anderen Seite die Existenz derer vernichtet werden soll, die den Gewinn erwirtschaftet haben“, heißt es darin unter anderem.
Thomas Knabel, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, der gestern an der Versammlung teilnahm, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass angesichts der erzielten Gewinne eine Verlagerung der H4-Produktion keineswegs gerechtfertigt sei. „Wir haben nochmals deutlich gemacht, dass wir darauf bestehen, dass die in Eindhoven gemachten Zusagen eingehalten werden, und da reden wir von Standort- und Jobsicherung“, sagt der Gewerkschafter. Inzwischen haben die Chefs von Philips Lighting tatsächlich reagiert. Knabel bestätigt einen Anruf bei der Bezirksleitung der IG Metall, in dem zugesagt wurde, Ende August für Gespräche zur Verfügung zu stehen. Nun gehe es um die Termin- und Ortsfindung, sagt der Gewerkschafter und lässt offen, ob man notfalls auch noch mal die Tour nach Eindhoven auf sich nehmen würde.
Bewege sich nichts, werde man den Druck erhöhen, avisiert er und spricht neue Tarifverhandlungen ebenso an wie möglicherweise „Arbeitskampf ähnliche“ Aktionen. Doch eigentlich wolle das hier am Standort niemand und Knabel hofft, dass auch der Konzern Philips „genug Kultur besitzt, um an die Menschen zu denken, die die Gewinne sichern“. Eine Hoffnung, die er auch aus den Gesprächen in Eindhoven schöpft. Dort hatte die Geschäftsführung verdeutlicht, zwar an der Verlagerung festzuhalten, aber gleichzeitig Möglichkeiten zur Arbeitsplatzsicherung auszuloten.
Die derzetige Stimmung unter den Kollegen bezeichnet der Gewerkschafter als super. „Die merken genau, wenn auf Zeit gespielt werden soll und stecken den Kopf nicht in den Sand.“ Besonders erwähnt Knabel den Zusammenhalt, „da gibt es keinen Unterschied zwischen den in der H4-Beschäftigten und den anderen“. Und abschließend macht er nochmals auf den Ernst der Situation aufmerksam: „Wenn die H4-Produktion ohne adäquaten Ersatz rausgeht, dann reißt man dem Standort in Plauen das Herz heraus.“ Mit Sicherheit wird über weitere Aktionen der Narva-Belegschaft also noch zu berichten sein. tp
2010-08-05
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