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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Plauens OB Oberdorfer zehn Jahre im Amt
Plauen – In diesen Tagen jährt sich der Amtsantritt von Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer zum zehnten Mal. Gelegenheit, diese Zeit Revue passieren zu lassen und den Blick nach vorn zu richten.
Was hat sich seither in Plauen verändert, wie wird die Stadt in zehn Jahren aussehen? Man könnte an einen gelungenen PR-Trick glauben, wenn die Entscheidung nicht aus dem Bauch getroffen worden wäre. Am letzten August-Wochenende fuhr Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer mit etlichen anderen Wanderfreunden zur Plauener Hütte in den österreichischen Alpen. Wer die Tour kennt weiß, wie anstrengend sie ist. Doch Oberdorfer genügte das Normalmaß nicht, er kraxelte mit einer Handvoll Gleichgesinnter noch ein beträchtliches Stück höher. Am Ende des Tages waren sie zehn Stunden zu Fuß unterwegs. – Zehn Stunden also, symbolisch für zehn Jahre Amtszeit? „In den Bergen bekommst du den Kopf frei, aber ich war an jenem Abend auch ziemlich platt und war froh, nur noch den Landlupern zuhören zu brauchen“, sagt Oberdorfer lächelnd.
Wie schwer und angenehm zugleich es sein kann, auch im Amt den Kopf stets für die richtigen, die wichtigen Dinge frei zu haben, ob und mit welchem Ergebnis das gelingt, darüber unterhielten sich Redaktionsleiterin Marjon Thümmel und Redakteur Torsten Piontkowski mit dem Plauener Stadtoberhaupt.
Vor zehn Jahren haben Sie erstmals auf dem Stuhl des Oberbürgermeisters Platz genommen, ist dieser inzwischen gut eingesessen oder sorgt er zuweilen für Schwielen?
Nein, der sorgt nicht für Schwielen, aber eigentlich müssen das die anderen beurteilen. Ich habe eine Aufgabe, die mir immer Freude gemacht hat, lösungsorientiert und problembezogen zu arbeiten. Wenn man 50 ist, denkt man sowohl zurück als nach vorn und es gibt für mich keinen Grund, ein anderes Amt anzustreben.
In dem Wort Oberbürgermeister steckt das Wort „Ober“, das heißt zur Stelle zu sein und Wünsche erfüllen...
In der Tat sind die gestalterischen Möglichkeiten vielfältig. Wenn ich mich auf einem Parkett bewege, wo die finanziellen Voraussetzungen stimmen, kann man auch die Wünsche aus der Bevölkerung gestalterisch umsetzen. Beispiel Drei-Felder-Sporthalle, die Erweiterung der Festhalle, das Freibad Haselbrunn gemeinsam mit dem Förderverein. Oder nehmen wir die Altstadt. Da gibt es keine Straße, die noch nicht saniert wäre. Das alles entsprach und entspricht den Wünschen der Bürger. Auch die Ausgestaltung des Bildungsstandortes Plauen ist so ein Punkt, wo man zur Stelle sein musste und Wünsche erfüllen, um die Frage direkt aufzugreifen.
Aber es gibt auch noch viel Unerledigtes?
Richtig, aber es muss auch immer ein Stück Kritisches bleiben, um den inneren Antrieb zu erhalten. Eine Stadt wird sowieso nie fertig werden und das ist auch gut so.
Sind die Wunschlisten länger, die Plauener vielleicht fordernder geworden?
Wer ehrlich ist und vielleicht sogar eine eigene Fotosammlung besitzt weiß, wie Plauen einst, also sagen wir mal vor 20 Jahren, aussah und wie heute. Und derjenige würdigt das dann auch entsprechend. Tatsache ist natürlich, man hat immer zu tun. Dass und wie sich die Stadt auch wirtschaftlich entwickelt hat, zeigen die Gewerbesteuern. Vor zehn Jahren betrugen sie zehn Millionen Euro, ziemlich wenig für eine Stadt dieser Größe. Vor drei Jahren flossen 19 Millionen und im Rekordjahr 2008 25 Millionen. Dann zog uns die Wirtschafts- und Finanzkrise in unglaublicher Dimension runter. Und zwar auf beklemmende 10,4 Millionen Euro. Uns hat gerettet, dass wir in guten Jahren gespart und Rücklagen gebildet haben. Im kommunalpolitischen Bereich bekommt der Bürger die Krise eigentlich gar nicht mit. Das ändert nichts am Zwang, weiter zu konsolidieren, die Weichen zu stellen für wachsende Einnahmen einerseits und dem Suchen nach Sparpotential in allen Bereichen, ohne Tabus. Dazu kommen ja auch noch die demografischen Probleme. Sachsen schrumpft jährlich um 27 000 Menschen, das ist die Einwohnerzahl einer mittelgroßen Stadt. Damit verbunden sind zwangsläufig weniger Mittel aus dem Länderfinanzausgleich, Solidarpakt, der sich ja an der Einwohnerzahl orientiert. Der Solidarpakt schrumpft darüber hinaus bis 2019 jährlich um 200 Millionen Euro. Zwar sind die Zu- und Wegzüge aus Plauen ziemlich ausgeglichen, aber wir verzeichnen jährlich 900 Sterbefälle gegenüber 500 Geburten. Das ist die Realität und deshalb stehen wir unter Konsolidierungsdruck, deshalb reden wir momentan weniger von neuen Projekten als um Erhalt des Bestehenden. Natürlich bleiben das Deutsche Zentrum für Spitze und Stickerei, die Umgestaltung der alten Schwimmhalle, der Ausbau der Berufsakademie und der damit verbundene Ausbau des Schloss-Areals Ziele. Von der Krise gebremst, aber nicht aufgegeben. Aber klar ist auch: Das Projekt Bahnhofstraße muss erst mal warten.
Wie oft haben Sie daran gedacht, alles hinzuschmeißen?
Noch nie. Es gibt mal ne Stunde wo du fluchst, klar. Aber das Amt ist das schönste, was mir im Leben widerfahren ist. Weil Bürgermeister eine richtige Aufgabe ist. Ich kenne kaum jemand, der solche Glücksmomente erreicht, wenn er selbst nur Rad im Getriebe ist, sei es als Landtagsabgeordneter oder auch Minister.
Oberhaupt einer Stadt zu sein, heißt Vertrauen in die Menschen zu haben und deren Vertrauen in die eigene Person...
Bei aller Meckerei finde ich es außerordentlich erfreulich, wie viele Initiativen es in Plauen gibt. Die stehen nicht nur auf dem Papier, die machen was. Und ob die Bürger Vertrauen zu ihrem OB haben? Das will ich hoffen, dass zehn Jahre Amtszeit zu Vertrauen geführt haben.
In den Anfängen Ihrer Amtszeit haben Sie die Zusammenarbeit mit dem Landkreis betont, mit dem Zusatz, solange nicht an der Kreisfreiheit gerüttelt werde...
Die Einschnitte, die der Verlust der Kreisfreiheit brachte, traten auch ein. Wir haben viel an überregionalem Einfluss verloren. Aber es lohnt auch nicht, den Meckerbolzen zu spielen, sondern nun das Beste aus der Situation zu machen. Es gilt mit dem Landkreis zusammen zu arbeiten, das kann gar nicht anders sein.
Auch Plauen muss sparen. Müssen die Bürger von Liebgewordenem wie dem Theater oder der Straßenbahn Abschied nehmen?
Mittelfristig nicht. Es geht auch nicht darum, grundsätzlich von etwas Abschied nehmen zu müssen. Es geht darum, wie viel man sich von einer Sache leisten will und was in welchem Ausmaß gebraucht wird. Ich stehe ausdrücklich zu unserer Straßenbahn, der Berufsfeuerwehr und dem Theater, die drei größten „Posten“ die wir finanzieren, ohne es zu müssen.
Eine Ihrer ersten kritischen Betrachtungen galt der Länge der Fußgängerzone und dem Vorschlag einer Querung. Inzwischen ist der obere Teil der Bahnhofstraße ziemlich verödet und auch die e.o-Plauen-Galerie zieht um. Da steht doch einer anderen Verkehrsführung nichts mehr im Wege?
Wir haben eine zusätzliche Querung damals sehr intensiv untersucht. Im Gespräch war der Bereich Gottschald- zur Stresemannstraße, am Ende sprach mehr dagegen als dafür, das ist für mich derzeit keine „Baustelle“.
Wann waren Sie das letzte Mal in einem Plauener Unternehmen?
Ich habe mich vorigen Freitag mit dem Inhaber des Kabelwerkes getroffen, war bei der jüngsten Betriebsversammlung bei Narva. Davor hatte ich Gespräche mit dem Betriebsrat, der Herr Kwade aus der Führungsebene von Philipps saß da, wo Sie gerade sitzen. Wir setzen die Gespräche im Herbst fort, um eine Lösung zu finden, dass anstelle der H4-Fertigung andere zukunftsfähige Produkte in Plauen angesiedelt werden.
Aber zur Großdemo am 22. Juni wurden Sie nicht gesehen...
Ich war da und habe mich mit Gewerkschaftsvertretern unterhalten. Ich stand lediglich nicht auf der Bühne und da gehörte ich auch nicht hin.
Es gibt namhafte Bürgermeister von Plauen, die sich in ihrer Amtszeit auch symbolisch ein Denkmal schufen. Welches wird Ihres sein?
Ich bin nicht denkmalorientiert und erfreue mich lieber an den kleinen Dingen des Lebens. Aber mir fällt in dem Zusammenhang auch der Badbau samt Sauna ein. Man kann nicht immer noch eins draufsetzen, solches Denken macht wenig Sinn. Wir haben schon viele tolle Projekte realisiert, die lassen sich nicht wiederholen.
Als Stadtvater sollte man seine Stadt auch lieben. Was gefällt Ihnen am meisten?
Ich bin oft im Stadtpark, fahre mit dam Rad durchs Elstertal, steige regelmäßig auf den Bärensteinturm. Die Natur ist mir sehr nahe, aber auch, was sich an Gaststätten- und Kneipenlandschaft in Plauen entwickelt hat, ist einfach toll.
Können Sie den Anforderungen an Ihre Person noch immer gerecht werden oder macht das Amt auch müde?
Ich habe in zehn Jahren gelernt, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Ständig auf einem Level wie in einer Herzstation zu arbeiten, ist nicht möglich, auch mit Erfahrung ist vieles machbar. Rationalisiert man seine Denkprozesse, fällt es über die Jahre auch leichter, das Amt zu führen.
Lassen Sie den Vorwurf zu, sich in der Öffentlichkeit rar zu machen?
Ich muss nicht bei 80 Sportvereinen ein Mal im Jahr anwesend sein. Es ist Unsinn zu glauben man gelte nur etwas, wenn man sich vor Ort zeigt. Es gibt bei mir keine Woche ohne Öffentlichkeit, aber nicht mehr jeden Tag.
Bleibt das Private auf der Strecke?
Andere Menschen können ihr Privates besser leben als jemand mit diesem Amt. Ich sage das nicht klagend, sondern feststellend. Als Person ist man nur glücklich, wenn man alles unter einen Hut bringt. Und da bin ich lernfähig.
Welche Entscheidungen würden Sie sofort wieder treffen und welche lieber wieder rückgängig machen?
Es gibt kaum etwas, wo wir mit den Stadträten gemeinsam grundlegende Fehler produziert hätten. Natürlich ist nichts 100-prozentig richtig, aber wir sind nach wie vor gut unterwegs. Der neu entstehende Strombetrieb ist ein großer Gewinn für die Plauener Bürger. Im Herbst werden wir eine Bürgerstiftung ins Leben rufen, als Anschluss an die Hans-Löwel-Stiftung, die nächstes Jahr aufgelöst wird.
Wie sollte der Name Plauens nach außen – über die Region hinaus – getragen werden?
Mit in Plauen gefertigten Produkten, das ist ganz maßgeblich. Viele Unternehmen sind ja Export orientiert und präsentieren sich entsprechend auf dem Weltmarkt. Mit meiner Arbeit im Präsidium des Deutschen Städtetages achte ich ebenfalls darauf, dass Plauen nicht unter die Räder gerät. Die Euregio Egrensis ist wichtig, die Städtepartnerschaften. Das Großartige ist doch, dass jeder einzelne Bürger etwas tun kann, um Plauen zu repräsentieren.
Wie soll die Stadt in vier Jahren, am Ende Ihrer jetzigen Amtszeit aussehen, oder nach elf Jahren, wenn Sie wiedergewählt werden?
Geprägt von vielen ehrenamtlich engagierten Menschen. Jeder an seiner Stelle, die ihm lieb und wichtig ist. Denn nur wer selbst aktiv ist, sieht die Dinge auch differenzierter. Es geht immer mehr um die Menschen, als die Silhouette einer Stadt. va
2010-09-08
Kommentar zu Plauens OB Oberdorfer zehn Jahre im Amt?
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