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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Strahlenbelastung wird rund um die Uhr überwacht
Plauen – Spuren von Radioaktivität nach dem Reaktorunfall in Fukushima sind erstmals auch in Deutschland gemessen worden. Anlass zur Sorge besteht nach Angaben der Experten nicht. Messstellen gibt es auch im Vogtland.
Insgesamt 1800 ortsgebundene Messstellen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) sind in einem Raster von 15 mal 15 Kilometer über ganz Deutschland verteilt. Gestern hat das Amt erstmals Spuren von Radioaktivität in der Atmosphäre gemessen, die auf Grund der Zusammensetzung der gemessenen Stoffe eindeutig auf die Geschehnisse in Japan zurückgeführt werden können. Die Geräte auf dem Schwarzwald-Berg Schauinsland bei Freiburg sind so genau, dass selbst kleinste Belastungen (Tausendstel Bequerel) festgestellt werden können.
Auch in Plauen steht eine der 1800 Messsonden, welche rund um die Uhr, die Strahlenbelastung überwacht. Die unscheinbaren Stationen stehen meist auf freier Fläche. Ein aus Metall bestehendes sogenanntes Geiger-Müller-Zählrohr mit einer Sonde lassen nicht vermuten, dass es sich hierbei um ein hochsensibles Messgerät handelt. Etwa 60 Zentimeter unter der Erde verlaufen die Kabel, welche die Sonde mit dem Messwertsender verbinden. Der befindet sich meist in einem öffentlichen Gebäude. Noch ein Telefonanschluss für die Datenübertragung eingerichtet und fertig ist die Station. Im Internet lassen sich die Werte unter www.bfs.de/ion/imis jederzeit und von jedermann abrufen. Das Überwachungssystem wurde als Konsequenz von dem Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 eingeführt und löst Alarm aus, sobald die gemessenen Werte den Grenzwert an radioaktiver Belastung überschreiten.
Experten erwarten nur eine sehr geringe Radioaktivität. „Sie wird um ein vielfaches geringer sein als die natürliche Strahlung“, sagt Anja Schulte-Lutz vom Bundesamt für Strahlenschutz. „Es ist keine Gesundheitsgefahr zu befürchten“. Ein Blick auf die Tagesmittelwerte in Plauen lässt keine Auffälligkeiten erkennen. Der ortsspezifische Schwellenwert wird nicht überschritten. Schwankungen der Strahlungsintensität, die sich aus den Komponenten Radioaktivität im Boden und Radioaktivität der kosmischen Höhenstrahlung zusammensetzt, hängen in den meisten Fällen mit Niederschlägen zusammen, da der Regen das natürlich radioaktive Edelgases Radon-222 auswäscht. Da dies jedoch schnell wieder zerfällt, stellt sich der standorttypische Pegel meist innerhalb von wenigen Stunden wieder ein. Radioaktive Schwankungen sind demnach ganz normal.
Deshalb mache es auch gar keinen Sinn, sich einen Geigerzähler zuzulegen. „Geigerzähler können sinnvoll nur von geschultem Personal bedient werden, da diese die Werte auch richtig interpretieren können. Ohne das notwendige Wissen, kann man mit diesen Geräten nichts anfangen. Der Laie kann den Unterschied zwischen der natürlichen und einer zusätzlichen Strahlung nicht erkennen“, so Anja Schulte-Lutz.
Auch im Vogtland gibt ortsspezifische Besonderheiten bezüglich der Strahlenbelastung. So ist zum Beispiel die Gegend um das ehemalige Uranabbaugebiet Zobes besonders belastet. Doch auch in diesem Gebiet besteht nach Angaben des Bundesamtes keine Gefahr für die dort lebenden Anwohner. „Der menschliche Körper kann mit Belastungen in dieser Intensität umgehen. Einzig beim Wohnungsbau sollte man in diesen Gebieten auf gewisse Dinge achten, damit sich das Uran nicht in den Gebäuden festsetzt“, erklärt Schulte-Lutz. Insgesamt möchte sie nochmals darauf hinweisen, dass von Japan keinerlei Gefahr für Deutschland ausgeht. Der Grund für den amtlichen Optimismus ist also die große Entfernung zwischen Japan und dem Vogtland. Etwa 9000 Kilometer müssen die Luftmassen glücklicherweise vom Unglücksreaktor nach Deutschland zurücklegen.
Doch aller Beschwichtigungen zum Trotz: Viele Menschen in Thüringen und den anderen Bundesländern sorgen sich. Die Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz registriert derzeit täglich mehr als 160 000 Anfragen und damit deutlich mehr als vor der Katastrophe. Hinzu kämen mehrere tausend telefonische Anfragen täglich. „Unsere Antwort ist bei allen Fragen eindeutig“, sagt BfS-Präsident Wolfram König. „Für Panik gibt es keinen Grund.“
Von Andreas Seidel
2011-03-28
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