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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Stunde der Wahrheit für Millionenprojekt
Plauen – Der Kreistag entscheidet am Donnerstag, ob das ehemalige Horten-Kaufhaus in Plauen zum zentralen Landratsamt umgebaut wird. Klar ist: Der Bau würde teurer als gedacht – oder kleiner.
Kreis- und Finanzausschuss haben sich am Montag mit knapper Mehrheit für eine abgespeckte Variante ausgesprochen: Im Haus würden nur 400 Mitarbeiter der Kreisverwaltung Platz finden und nicht 540, wie bisher geplant. Das hätte aus Sicht der (CDU-)Befürworter zwei Vorteile: Zum einen bliebe man bei 28 Millionen Euro für die reinen Baukosten (wie vom Kreistag im August gefordert), zum anderen wäre die Kreditbelastung 4,6 Millionen Euro geringer.
Diese Fakten nannte Landrat Dr. Tassilo Lenk am Dienstag bei einem Pressegespräch. Er bezifferte die reinen Baukosten für die „große“ Variante auf gut 32,6 Millionen Euro.
Mit Parkhaus (2,5 Millionen), und Ausstattung (3 Millionen) käme man auf Gesamtkosten von 38,1 Millionen Euro – gegenüber 33,5 Millionen bei der kleinen Variante. In beiden Fällen sollte man auch an die zusätzlich je 1,5 Millionen Euro denken, die für die Ablöse des Erbaurechtsvertrages fällig werden (und vom Kreistag Lenk zufolge beschlossen sind). Nach Lenks Angaben haben sich die Architekten vertraglich verpflichtet, die Bausumme nicht zu überschreiten. Mehrkosten kämen auf den Kreis also nicht zu.
Die Finanzierung des Umbaus ruht auf drei Säulen: Der Freistaat Sachsen will 10 Millionen Euro beisteuern, die Stadt Plauen 7 Millionen. Bleibt der Teil, den der Kreis über Kredite schultern muss: 16,5 Millionen (kleine Variante) oder 21,1 Millionen Euro (große Variante). Lenk machte deutlich, dass sein Herz für die große Variante schlägt – obwohl er sich im Ausschuss enthalten habe. Gleichwohl äußerte der Landrat Verständnis für seine Parteikollegen, die Sorge hätten, jeden Spielraum für andere Investitionen (zum Beispiel für Straßen) zu verspielen, wenn der Kreis zu hohe Kredite aufnähme.
Egal welche Variante – groß oder klein – laut Lenk „rechnet“ sich der Bau in jedem Falle, weil Außenstellen des Landratsamtes aufgegeben, Gebäude verkauft oder Mietzahlungen eingestellt werden könnten.
Der wirtschaftliche Vorteil bliebe auch, wenn sich die Baukosten um 20 Prozent (was die Architekten ausschließen) erhöhen würden. „Wir sind auf der sicheren Seite“, sagte Lenk – auch wenn heute noch niemand sagen könne, wie die Verwaltung der Zukunft aussehen wird. „Aber Stempel brauchen die Deutschen immer.“ Zudem brachte Lenk die Möglichkeit ins Spiel, ungenutzten Raum im neuen Landratsamt an die Arge „Jobcenter“ zu vermieten. Die im Horten aufgetauchten Altlasten soll die Stadt Plauen beseitigen: Es geht um eine mit Öl verschmutze Zisterne. Den Kostenrahmen bezifferte Lenk auf 370 000 bis 500 000 Euro.
Aus den Vorlagen für die Kreistagsmitglieder geht hervor, dass nach dem Bau des neuen Landratsamtes ein Gebäudes des Vogtlandkreises in jedem Fall weiter genutzt werden soll: Die Neundorfer Straße 94. Lenk zeigte sich verwundert, dass dieser Fakt bei den anwesenden Journalisten nicht bekannt war. Es sei nie geplant gewesen, alle Mitarbeiter des Landratsamtes im „Horten“ zu konzentrieren, sagte er. Dafür brauche man Außenstellen (für die Kfz-Meldestellen in den ehemaligen Kreisstädten zum Beispiel) – und eben die Neundorfer Straße 94.
Lenk kündigte an, dass beim Horten-Umbau die regionale Wirtschaft zum Zuge komme – „wir schreiben auf keinen Fall europaweit aus“. Nie ernsthaft diskutiert wurde der Vorschlag vogtländischer Firmen, auf dem Neustadt-Platz in Plauen gegenüber der Sparkasse ein nagelneues Landratsamt zu bauen, wie Lenk anfügte.
Der Landrat wies die Frage zurück, wie er verhindern wolle, dass die Kosten für das neue Landratsamt so aus dem Ruder laufen, wie bei der Vogtland Arena, wo es Nachforderungen in Höhe von mehreren Millionen Euro gegeben habe. „Das kann man nicht vergleichen. Dort mussten wir ohne feste Planung beginnen – wegen der EU-Fördermittel“, sagte er.
Von Uwe Faerber
2010-12-14
Kommentar zu Stunde der Wahrheit für Millionenprojekt?
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