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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Spagat zwischen Anspruch und Realität
Plauen – Eines scheint festzustehen: Die derzeit auf zwei Etagen des Vogtlandkonservatoriums „Clara Wieck“ zu sehende Ausstellung „Die heile Welt der Diktatur?“ wird kontroverse Diskussionen auslösen.
Mit nostalgischen Gefühlen wird sie von denen aufgenommen werden, die zu jener Zeit bereits ihrer Arbeit nachgingen, eine Familie hatten und sich eingerichtet hatten, so gut es eben ging. Gewohnt, mit dem Mangel umzugehen und sich ansonsten rauszuhalten aus der großen Politik, so das mit etwas Schwejk‘scher Lebensweise möglich war. Das werden vermutlich die meisten der Besucher sein. Andere werden in ihrer damals schon zum Ausdruck gebrachten Ablehnung des Systems bestätigt werden und sich kopfschüttelnd die rhetorische Frage stellen, wie sie „das alles“ ausgehalten haben.
Und es wird eine dritte – hoffentlich sehr große – Besuchergruppe geben. Die damals noch gar nicht Geborenen, die diese DDR aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen, natürlich auch subjektiv. Zur Verfügung gestellt wurden die 20 Plakate im großen DIN A 1-Format von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Fotos stammen von Stern-Fotograf Harald Schmitt, der die ersten sechs Jahre seiner Arbeit für das Hamburger Magazin als akkreditierter Journalist in der DDR wirkte, wo er unter anderem auch die ersten Friedensdemonstrationen in Dresden, Jena und Berlin miterlebte.
Für die Texte zeichnet Stefan Wolle verantwortlich. Der 1950 in Halle Geborene wurde Anfang der 70er Jahre der Humboldt-Universität wegen „intellektueller Arroganz“ verwiesen. In der Wendezeit arbeitete er als Sachverständiger für die Sicherung der Stasi-Akten. Wolle ist Autor mehrerer Bücher – eines davon lieh der Ausstellung ihren Namen. Derzeit ist der Historiker Wissenschaftlicher Leiter des DDR-Musuems Berlin.
Die 20 Text/Foto-Tafeln sind gegliedert in die verschiedensten Lebensbereiche. Gezeigt und kommentiert werden unter anderen die „führende Rolle der SED“ und der Dienst in der NVA, vor allem aber auch die Bereiche, in denen die einfachen Menschen agierten – den Kommunen und Dörfern, den Sportvereinen, der Familie und dem Betrieb. „Was wollte die DDR und was stellte sie dar?“ Dieser Frage gehe die Exposition nach, so Kulturdirektor Friedrich Reichel Stunden vor der Eröffnung. Die Ausstellung könne helfen einem gewissen Verklärungsprozess mit Argumenten zu begegnen. Jeder werde sich in den aufgezeigten Lebenssituationen wiederfinden und nach 20 Jahren mit sich selbst ausmachen, wie er heute dazu stehe, so Reichel.
Vor allem den Widerspruch zwischen selbst gestellten Idealen des Staates und dem realen Alltag der Menschen, mache den Reiz der Ausstellung aus, für die sich bereits zahlreiche Schulklassen angemeldet haben. Korrespondierend dazu wird Armin Ritter, mit dem Wolle eng zusammenarbeitet, am 29. Oktober, 11 Uhr, im Ratssaal einen Vortrag zum Thema „Mit dem Rad Geschichte erfahren“ halten. Und obwohl die Region unmittelbar in der Dokumentation keine Rolle spielte, werden sich zahlreiche Vogtländer symbolisch wiedererkennen. tp
2010-10-02
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