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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Mehr als 140 Bäume sollen in Plauen gefällt werden
Plauen – Das Thema Baumfällungen ist besonders in Plauen und ganz speziell bei Bau- und Umweltausschusssitzungen unter der Leitung von Bürgermeister Manfred Eberwein ein sensibles Thema.
Gerade erst glätteten sich die Wogen hinsichtlich der Neundorfer Straße, da informiert die Stadt über die nächste ,,Beseitigung“ von weit mehr als 140 Bäumen zugunsten des Straßenausbaus.
Immer mehr Kreisstraßen haben an Bedeutung verloren, deshalb werden diese je nach Funktion und Lage abgestuft. Auch die Syrauer Straße (Kauschwitz), Zum Burgteich (Thiergarten) und die Taltitzer Straße (Meßbach) sind davon betroffen. Außerdem gehen diese zum Jahresende in die Unterhaltspflicht der Stadt Plauen über. Kurzfristig habe sich dabei eine Möglichkeit für Fördermittel erschlossen. Durch Gelder aus dem Topf für Integrierte Ländliche Entwicklung könnte ein grundhafter Ausbau der Straßen durchgeführt werden. Für die Syrauer Straße liegt der Fördermittelbescheid bereits vor. Planungen und Berechnungen sind soweit fertig und wurden am Montag den Ausschussmitgliedern vorgestellt.
Vom Ortskern Kauschwitz in Richtung Syrau geht es um eine Strecke von 1170 Metern, wobei 50 Prozent innerorts und die andere Hälfte außerorts liegen. Auf der größtenteils sehr engen Straße, mit starkem Baumbewuchs, müsse an den meisten Stellen angehalten werden, sobald Gegenverkehr da sei. Im Zuge des Ausbaus würde die Straßebreite im Ort auf 5,50 Meter und zusätzlich 1,50 Meter Gehweg erweitert. Außerhalb der Ortschaft müsse sich auf 5 Meter beschränkt werden, was ein aneinander vorbei fahren von zwei Lkws nicht zulässt. Pkw und Lkw sei laut Berechnungen bei einer Geschwindigkeit bis zu 40 km/h möglich. Ein Gebäude das bereits zum Abriss vorgesehen war würde weichen, sowie 66 Bäume müssten gefällt werden. Davon unterliegen ganze 47 der Baumschutzsatzung. Die Gebäude- und Anlagenverwaltung hat den Altbaumbestand bewertet und festgestellt, dass die unmittelbar an der Straße stehenden Eschen, Linden, Eichen und der Ahorn ein Alter von etwa 80 bis 100 Jahren haben.
Starke Schäden an Stamm und Wurzeln, teilweise mit Pilzbefall sei festzustellen gewesen. Ausgebrochene Kronen und jede Menge Totholz würden den schlechten Zustand der Bäume laut GAV unterstreichen. Seit 2006 wurden auf Grund dieser Schäden bereits etwa zwei Dutzend Bäume gefällt, weitere würden in den nächsten Jahren so oder so folgen. Ein Bau bedeute tiefe Eingriffe in das Wurzelwerk. Ob die Standsicherheit der Bäume, die nicht weichen würden, während und nach der Baumaßnahme gewährleistet wäre, könne nicht abgeschätzt werden.
Ganz ähnlich sieht es auch auf der Straße Zum Burgteich aus. 500 Meter außerorts aus Richtung Kürbitz, 1900 Meter durch Thiergarten sowie bis zur B 173 könnte die Strecke erneuert werden. Hier könnte durch eine Ausnahmegenehmigung eine Breite von nur 4,50 Meter angestrebt werden, was wesentlich über den momentanen Abmessungen liegt. Auch hier kämen im Ort weitere 1,50 Meter für einen Gehweg hinzu. Bei der radikalen Lösung müssten restlos alle Bäume gefällt werden, insgesamt seien es 80 Stück.
Die alternative Möglichkeit, die eine einseitige Erhaltung vorsähe, wird von den Vermutungen überschattet, dass schon während der Bauzeit durch die Lage der Wurzeln unter dem Asphalt, die gegenüberliegenden Stämme auch kippen. Auch in diesem Bereich seien laut GAV gravierende Beschädigungen. Die Lebenserwartung der seit etwa 70 bis 80 Jahren stehenden Bäume werde als gering eingeschätzt. In beiden Fällen sei Grunderwerb nötig. Sicher könne auch einfach eine neue Decke aufgezogen werden, wie das aus Sicht der Wirtschaftlichkeit ist, müsse genau bedacht werden.
,,Entweder bauen wir aus und übernehmen ohne zukünftige Haushaltsbelastungen. Oder wir übernehmen die Straße wie sie ist und werden die Probleme immer wieder haben“, unterstreicht Baubürgermeister Manfred Eberwein. Um keinen drastischen Übergang an den Gemarkungsgrenzen zu schaffen, sollen auch Gemeinden ins Boot geholt werden. Betroffene Bürgermeister hätten sich wohl teilweise schon zu baulichen Maßnahmen bekannt. Viele Bedenken wurden seitens der Mitglieder verschiedener Fraktionen laut. Besonders empört war Dieter Rappenhöner (Grünen).
,,Nur weil der Hengst wiehert und schreit Fördermittel“, kritisierte er das Vorhaben. Wenn es so beginne und schon bei zwei Straßen so vorgegangen werde nahezu alle Bäume zu entfernen, wie solle es da in Zukunft weiter gehen, fragte sich nicht nur Rappenhöner. Bis ersatzweise neu Angepflanztes eine entsprechende Höhe habe vergehen Jahre. Außerdem werde sich gerade der Ort Thiergarten vollkommen verändern. Wenn dort die Bäume im Ort weg sind, verliere es den idyllischen, dörflichen Charakter. Als „eine Gewalttat an den Bäumen“, bezeichnete er es.
,,Über das Gefühl der Bäume möchte ich mich nicht äußern“, versuchte Eberwein die Wogen zu glätten. Der Ausbau sei kein Zwang und die Reaktion würden darauf schließen lassen, dass der Grundsatz des Baumschutz bei einem Großteil der Anwesenden wohl Vorrang habe. Es sei nur eine Vorabinformation gewesen, über die in jeglicher Form diskutiert werden müsse, sagte er, bevor ein Stadtrat darauf hin wies, dass die beiden Straßen mit jeweils etwa 600 000 Euro schon im Haushaltsplan 2010 vorgemerkt seien. sr
2009-10-29
Kommentar von _Roland am 19.02.2011; 10:00:37 Uhr
Kommentar zu Mehr als 140 Bäume sollen in Plauen gefällt werden
Warum kann man auf einer kleinen Straße nicht anhalten, wenn der Gegenverkehr kommt, in der schönen Landschaft von Südengland ist das selbstverständlich, daher bleibt sie so schön. Dort möchten die Bewohner und Feriengäste nicht in einer kahlen Umgebung leben. Sogar auf Usedom heißt es : Rettet die Bäume von Usedom. Auf www.kunsthof-usedom.de wird gezeigt: Für den Schutz alter Bäume muss eine neue ästhetische Form gefunden werden. So erhält die Angst der Bäume ein Gesicht.Kommentar zu Mehr als 140 Bäume sollen in Plauen gefällt werden?
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Kommentar von _Naturfreund am 29.10.2009; 07:34:47 Uhr
Kommentar zu Mehr als 140 Bäume sollen in Plauen gefällt werden
Die Straßenbäume sind leider verloren. Man muss sich damit wohl abfinden. Die Autofahrer sind in unserer Gesellschaft gegenüber den Naturfreunden klar in der Überzahl. Und wenn man die Autofahrer fragt, ob sie gerne auf einer neuen breiten Straße fahren wollen, oder ob sie wegen des Anblicks einer Allee lieber weiter die engen Trassen in Kauf nehmen, würde die Antwort eindeutig ausfallen. Die Naturfreunde, die Naturschützer sind leider in der Minderheit, in der absoluten Minderheit. Ich glaube, dass daran nicht zu ändern. Vielleicht wird dann das Erschrecken darüber, wie diese Landschaft hier im Vogtland ohne Straßenbäume auf einmal aussieht, irgendwann groß sein. Aber seien wir mal ehrlich: Auch daran werden sich die Menschen gewöhnen. Man kann froh sein, wenn "nur" die Straßenbäume dran glauben müssen und uns die Bauwütigen den Rest der Natur belassen.