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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Kanzler-Duell: Luftnummer oder Schlagabtausch?
Plauen/Berlin – „Das war eine glatte Luftnummer. Es war kein Duell, sondern eine Diskussion zwischen zweien, die zusammen in einer Regierung sitzen“, wertete der der vogtländische FDP-Bundestagsabgeordneter Joachim Günther das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier.
„Das Duell war auf einem relativ schwachen Niveau und macht das Problem der Volksparteien deutlich: Sie haben keine konstruktiven Vorschläge für die Zukunft Deutschlands. Was Merkel und Steinmeier von sich gaben waren Allgemeinplätze, die schon oft gehört wurden. Und deshalb haben auch viele, mit denen ich heute sprach, mittendrin weggedreht“, sagte Günther.
Insgesamt sahen 14,21 Millionen Menschen den medialen Schlagabtausch am Sonntagabend auf den vier übertragenden Sendern. Vor vier Jahren hatten 21 Millionen Zuschauer das Duell zwischen Merkel und dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verfolgt.
Das TV-Duell wird nach Ansicht des Politologen Eckhard Jesse kaum Wählerentscheidungen beeinflussen. Vielmehr würden sich viele Wähler in ihrer Haltung bestärkt fühlen. Jesse kann sich „nicht vorstellen, dass sehr viele Wähler durch ein so kreuzbraves Duell ihre Meinung ändern werden.“
Das sehen die Bundestagsabgeordneten des Vogtlandes teilweise ganz anders. „Unentschieden“, sagt CDU-Mann Robert Hochbaum zum Kanzlerduell. Unentschieden heißt aber auch lahm. „Nein, war es nicht. Es war sehr gut und unentschieden“, so Hochbaum. Überraschenderweise. Eigentlich hätte er doch auch aus reinem Patriotismus zu seiner Chefin diese zur Siegerin erklären müssen. Doch er schlägt eine ähnliche Weichspüler-Stimmung an, die Merkel und Steinmeier schon am Sonntagabend an den Tag legten. Niemandem weh tun, um keinen Preis. Aber wie soll man auch etwas verteufeln, wenn man es selbst verzapft hat? Da kann kein Streitgespräch herauskommen. Für welches Thema hätte die Kanzlerin ihren Herausforderer auch „anzinken“ sollen? Geht nicht in einer großen Koalition. Schließlich sind beide Seiten für die Politik der vergangenen vier Jahre verantwortlich. Hochbaum benimmt sich fast genauso. Hochbaum lobt sogar die SPD. Wenn das der Herr Schwanitz liest. „Beide haben sich am Sonntag hervorragend verkauft“, erklärt er. Auch der Steinmeier? „Auch der“, antwortet der Falkensteiner. „Beide haben sich sehr gut aus der Affäre gezogen. Sicherlich gibt es zwischen den beiden bei einigen Themen verschiedene Auffassungen. Aber für Frau Merkel als auch für Steinmeier steht in erster Linie unsere Republik. Für ihr Wohl tun sie alles. Es kommt erst das Land und die Menschen, die darin leben.“ Oh, Mann.
Rolf Schwanitz hat den Auftritt „seines“ Mannes mit Parteifreunden in der Gaststätte „Schöne Aussicht“ bei Reichenbach verfolgt. „Wir haben eine Punkteliste geführt, wie beim Fußball. Und da sind wir auf 5:0 für Steinmeier gekommen“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete. „Gut“, schiebt er nach, „vielleicht waren wir nicht ganz objektiv, aber bei 60:40, aus meiner Sicht bei 70:30, lag unser Kandidat auf alle Fälle vorn.“ Schwanitz ist sicher, dass Steinmeier die Kanzlerin bei wichtigen Themen gestellt habe und die Diskussion über unterschiedliche politische Ansätze durchaus stattgefunden habe. Er verweist auch auf die im Vogtland mitunter zu beobachtende Situation, dass harte Themen zuweilen ausgeblendet würden.
Dies, ist er überzeugt, war beim Wahl-Duell nicht der Fall. Der Ausstieg aus der Atomkraft, der gesetzliche Mindestlohn, die Rechte von Arbeitnehmern – alles sei angesprochen, und die Unterschiede deutlich geworden. Wie viele Wahl-Prozente sein überzeugender Auftritt Steinmeier gebracht habe, da möchte sich Schwanitz nicht festnageln lassen. Aber es sei deutlich geworden: Es gibt keine Überlegenheit von Angela Merkel. „Steinmeier kann Kanzler werden. Das Fernseh-Duell stellt einen Schub für die SPD dar.“
Ob es für die Bürger zu harmlos dahergekommen sei? Auch das sieht Schwanitz anders. „Die provokativen Fragen der Journalisten seien wichtig gewesen und vor allem Steinmeier habe beantwortet, was den Leuten auf den Nägeln brennt – Umweltfragen, den Stellenwert des Kündigungsschutzes für kleinere Betriebe vor allem in Ostdeutschland. Nichts sei zugedeckt worden. Und wo wird Schwanitz selbst den Abend der Abende, den des 27. September verbringen? Man plane eine kleine Wahlparty im Kreise von Freunden im Plauener Theatercafe, gibt sich Schwanitz optimistisch. Ob dann – möglicherweise ganz symbolisch im Roten Salon – Sekt oder Selters kredenzt werden, bleibt freilich abzuwarten. M.T./as/tp
2009-09-14
Kommentar zu Kanzler-Duell: Luftnummer oder Schlagabtausch??
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