Hub-Blog "Ansichtssache" jeden Samstag neu...

Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Jeder Tag könnte der letzte sein

051010 RöschAuerbach – Schon einmal (fast) tot gewesen zu sein – nicht viele Menschen können das von sich behaupten. Der Auerbacher Uwe Rösch (47) war am 9. Juli dieses Jahres dem Tod ganz nahe, als er auf dem Auerbacher VfB-Rasen eine Herzattacke erlitt.

 

Der Hilfe der Feuerwehrmänner Jürgen Pohl und Sebastian Klöden sowie Krankenschwester Virgene Rowinski hat er sein Leben zu verdanken. 9. Juli 2010, Fußballspiel des Wernesgrüner-Cups: Uwe Rösch steht als Kicker im Sponsoren-Team auf dem Platz. Es ist heiß. Er rennt. Er schwitzt. Dann ist Pause. Plötzlich fällt der 47-Jährige auf den Boden. Uwe Rösch erleidet seinen dritten Herzinfarkt. „Du warst schon tot. Die Ärztin vom Plauener Krankenhaus sagte mir, du seist verstorben“, erzählt Ehefrau Anja ihrem Mann, der sich an nichts mehr erinnern kann. „Ich weiß gar nix mehr. Ich hab noch bis Mittag gearbeitet, bin dann zum Frisör, und dann...“


Dass Uwe Rösch noch jeden Morgen seinen Kaffee trinken, die junge Ehe mit seiner Anja und viele andere Dinge erleben kann, ist dem schnellen Handeln der Feuerwehrmänner, die selbst ein Kicker-Team stellten, und der Krankenschwester, die als Zuschauerin gekommen war, zu danken. Heute wollen sich Uwe Rösch und seine Frau für die Hilfe bei den Helfern in der Not bedanken – mit einem Fässel Bier. „Das, was diese Leute getan haben, kann man nicht mit Geld aufwiegen, da können wir nur danke sagen“, so die Eheleute Rösch. Beide wissen: Wäre Uwe nicht an diesem Tag auf dem Platz und unter vielen Leuten gewesen, die letztlich durch Erste Hilfe seinen Tod verhinderten, hätte er die Herzattacke sicher nicht überlebt. „Wäre mir das allein in der Wohnung passiert, hätte es keine Rettung gegeben“, weiß Rösch heute.


Der Infarkt kam nicht von ungefähr. Schon im Februar 2008 haute es Uwe Rösch zum ersten Mal um, zum zweiten Mal im Dezember 2008. „Beim ersten Mal steht man wieder auf, beim dritten Mal fragt man sich: Wie lange lebe ich noch?“ Heute kann Uwe Rösch nicht leben ohne Tabletten, ohne einen Stent vor der Herzkammer und den Defibrillator, der das Flimmern in seiner Herzkammer verhindert. Seit dem dritten Infarkt kann Uwe Rösch seinem Beruf als Fachverkäufer im Auerbacher Elektronik-Geschäft von R & C nicht mehr nachgehen. Denn jede Überanstrengung könnte einen weiteren Infarkt auslösen – und damit den letzten Tag in seinem Leben.


„Wir haben es uns abgewöhnt, weit nach vorn zu planen. Wir reden von heute, planen bis morgen, aber nicht weiter“, sagen Anja und Uwe. Den Begriff „wir“ sagen beide bewusst, denn auch Ehefrau Anja ist schwer krank. Kennengelernt hat sich das Paar vor drei Jahren in der Rehaklinik Kreischa. Er wegen Diabetes, sie nach einer Tumor-Erkrankung. Seit 2006 ist Anja, von Beruf Bankkauffrau, an Krebs erkrankt. „Die Angst, dass die Krankheit erneut ausbricht, ist ständig da. In der Zeit während Uwes Infarkt konnte ich mich von meiner eigenen Krankheit etwas ablenken“, erzählt die agile, temperamentvolle Frau.


Sie ist es vor allem, die trotz ihrer Krankheit die Kraft aufbringt, um für sich und ihren Mann auf den Ämtern für manche kleine Erleichterung zu kämpfen. Anja ist zu 100 Prozent schwerbeschädigt, ihr Mann zu 30. Das heißt aber nicht, dass Vater Staat ohne weiteres eine Erwerbsminderungsrente ausgibt. „Wie krank muss man noch sein, um eine Rente zu bekommen“, sagt das Paar, das derzeit mit dem Krankengeld von Anja und den monatlich 333 Euro, die Uwe Rösch vom Arbeitsamt bekommt, leben muss.

 

Wie die Zukunft aussieht, das wissen beide nicht. In ihren Berufen weiterarbeiten – das möchten Uwe und Anja Rösch gerne. Doch für beide ist momentan Schonzeit angesagt. Sie freuen sich an Sachen, die für andere Menschen normal sind – ein Sonnenaufgang, eine blühende Landschaft, ihre noch junge Ehe. Kaum einen Monat nämlich liegt ihre Hochzeit zurück. „Kreischa 1.9. Hochzeit?“ Diese Notiz kritzelte Uwe Rösch am 19. Juli dieses Jahres auf einen kleinen Zettel und reichte ihn seiner Anja – ein Heiratsantrag im Krankenbett, nur vier Tage, nachdem Uwe Rösch aus dem Koma erwachte. Am 1. 9. „trauten“ sich beide vors Standesamt in Kreischa – dem Ort, wo ihre Liebe begann.
„Gemeinsam krank zu sein, und zu wissen, dass das Leben jederzeit vorbei sein kann, das schweißt einen noch mehr zusammen“, bestätigt das Paar. cze

 

2010-10-05




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