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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Ist Plauen als Oberzentrum gefährdet?

180310 EntwicklungskonzeptPlauen – Fast könnte man meinen, ein Stadtkonzept Plauens bis zum Jahr 2022 und darüber hinaus zu entwickeln, gleiche der Kunst, auf einer Glatze Locken zu drehen.

 

Zu viele Unwägbarkeiten kommen selbst dem Laien in den Sinn, die es zu berücksichtigen gilt – wirtschaftliche Entwicklung, finanzielle Situation, demografische Probleme.

 
Schonungslose Analyse

 
Und doch ist ein solch perspektivisches Herangehen nicht nur sinnvoll, sondern quasi überlebenswichtig. Am Montag gab Stadtentwicklungsmanager Joachim Hofmann den Mitgliedern des Wirtschaftsförderungsausschusses einen Gesamtüberblick über den derzeitigen Arbeitsstand.


Und was der Mann mit dem unüberhörbar fränkischen Akzent mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs mitzuteilen hatte, war überaus interessant, nichtsdestoweniger aber auch schonungslos in der klugen Analyse des Ist-Zustandes. 30 Millionen Euro werden in der Stadtkasse bereits in diesem Jahr gegenüber 2008 fehlen. 2011 werden die einst beträchtlichen Rücklagen der Kommune aufgebraucht sein, bereits im nächsten Jahr werde man finanziell auf den Stand von 2004 zurück geworfen sein. Der Wohnungsleerstand werde weiterhin anwachsen, die demografischen Probleme sich weiter verschärfen. So werde sich bis 2022 die Zahl der 16- bis 24-Jährigen halbiert haben, bereits 2025 werde jeder dritte Plauener älter als 65 Jahre sein. Konnte man 2008 noch 66 000 Einwohner registrieren, so werde die Bevölkerungszahl 2030 auf 55 700 geschrumpft sein.


Doch damit nicht genug. Eine rasche Erholung von den Auswirkungen der Krise sei nicht in Sicht. Aufgrund der demografischen Entwicklung klaffe bei der Schlüsselzuweisung pro Einwohner schon bald ein zusätzliches Defizit von 17 Millionen Euro – von den innerhalb eines Jahres um 14 Millionen Euro zurück gegangenen Einnahmen aus der Gewerbesteuer ganz abgesehen. Kleiner Lichtblick: Trotz genannter Probleme habe die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie Plauen als „Hoffnungsträger“ eingestuft, weil die Bevölkerung immerhin langsamer schrumpfe als in anderen Kommunen. In Sachsen weisen lediglich Leipzig und Dresden eine zunehmende Bevölkerung aus.

 
Kein Papier für den Schrank

 
Was also könne getan werden, so Hofmann, der sich selbst in der Kürze der Zeit als brillanter Analytiker präsentierte. Dass im Juli 2002 beschlossene Stadtentwicklungskonzept habe sich als unzureichende Strategie erwiesen, weil beispielsweise Rück- und Umbau lediglich das Reagieren auf Symptome war. Nun aber sei ein zentrales, übergeordnetes Konzept erforderlich, das sich auf das Wesentliche konzentriere und auch schmerzliche Einschnitte nicht ausschließe. Hofmann Klartext: „Plauen und auch Hof gelten als gefährdete Oberzentren.“


Wichtigste Erkenntnis: Parallele Arbeitsweisen greifen nicht mehr. Demografische Faktoren, finanzielle Aspekte und Globalisierungseffekte seien viel zu sehr miteinander vernetzt. Als Weg sehe er daher das Erstellen von Fachkonzepten und in der Folge deren Vernetzung an. Hofmann nannte sechs Strategiefelder, zwischen denen es nach ausführlicher Diskussion Handlungsschwerpunkte herauszuarbeiten gelte. Mitte dieses Jahres soll das Stadtkonzept 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dass es keines für den Schrank, sondern ein gelebtes werden solle, darüber waren sich alle einig. In der Diskussion wurde ausdrücklich anerkannt, dass man mit dieser schwierigen Materie kein externes Büro beauftragt habe, bei dessen Analyse am Ende die Städtenamen austauschbar wären. tp

 

2010-03-19




Kommentar von _Horst Rentzsch am 20.03.2010; 09:58:04 Uhr

Kommentar zu Ist Plauen als Oberzentrum gefährdet?

Voraussetzung für eine Strategie in Plauen ist die strikte Abschaffung von Lügenzahlen. Rechnen Sie doch nur einmal richtig! Die "geschönten" Bevölkerungszahlen auf der Basis ohne die Eingemeindungen müssen für die Erarbeitung einer Perspektive herangezogen werden. Auf Lügen lässt sich keine Zukunft bauen, haben wir das schon vergessen?

Kommentar von _Dieter Riedler am 20.03.2010; 11:23:30 Uhr

Kommentar zu Ist Plauen als Oberzentrum gefährdet?

Das Fragezeichen kann man getrost durch ein Ausrufezeichen ersetzen. Nicht nur die wirtschaftliche Situation oder die demografischen Probleme, mit denen die meisten Städte zu kämpfen haben lassen diesen Schluss zu. Der Hauptgrund der Gefährdung des Status Oberzentrum liegt seit vielen Jahren in der gesteuerten innenpolitischen Entwicklung des Freistaates. Als Behördenstand ist Plauen seit Jahren immer bedeutungsloser geworden. Begonnen hatte diese vom Staat gewollte Entwicklung schon in den 90er Jahren. Auflösung des Umweltfachamtes, Verlagerung der staatlichen Schulbehörde nach Zwickau waren die ersten Anzeichen. Andere ehemals in Plauen ansässige Behörden sind verschwunden oder haben nur den Status von Außenstellen. Behördenstandort ist ein wichtiges Kriterium eines Oberzentrums.
So hatte man den Boden dafür bereitet für den Entzug der Kreisfreiheit. Auch die Verlagerung der Polizeidirektion nach Zwickau zeigt klar die Tendenz an, dass es in Südwestsachsen nur noch ein Oberzentrum geben wird. Die Abstufung als Mittelzentrum ist nur eine Frage der Zeit. Das wird zum jetzigen Zeitpunkt natürlich kein Regierungspolitiker zugeben. Aber wenn es so weit ist werden alle wieder brav den Arm zur Zustimmung heben, wie beim Kreisgebietsreformgesetz.
So wird nicht nur Plauen, sondern das ganze Vogtland zur Provinz. Man kann auch sagen A. d. W. (Arsch der Welt)


Kommentar von _H.Ehlert am 21.03.2010; 20:33:13 Uhr

Kommentar zu Ist Plauen als Oberzentrum gefährdet?

Man Kann es drehen wie man will. Wie sich Plauen in Administrativer Hinsicht entwickelt, ist im besonderem Abhängig von der Entwicklung seiner Wirtschaftskraft. Und da fallen die Prognosen eher schlecht aus. Da war es in der Vergangenheit auch nicht hilfreich Plauen und das Vogtland mit Niedriglöhnen zu bewerben. Das hat absolut keine Nachhaltigkeit für den Arbeitsmarkt. Weder konnten nennenswerte Arbeitsplätze in Größenordnung geschaffen werden, noch konnten die Arbeitsplätze erhalten werden, die schon auf Grund ihrer Bezahlung als prekär anzusehen waren.
Für die junge Generation ist ein Leben auf solch niedrigem Niveau auch wenig erstrebenswert. So ist die Abwanderung der potentiell als gut ausgebildet geltenden künftigen Facharbeiter und Ingenieure ein weiterer nachhaltiger Negativaspekt den Plauen zu verschmerzen hat. Denn da wo künftig Fachpersonal fehlt wird eine Standortbelebung ausbleiben. Die Verantwortung dieser verfehlten Wirtschaftpolitik kann man den sächsischen Regierungen seit 1990 zuweisen. Aber auch und im besonderen der Politik des Herrn Landrat Lenk. Plauen ist in Dresden als Oberzentrum längst abgeschrieben. Nur in den Köpfen unserer recht einfallslosen Regionalpolitiker stirbt die Hoffnung zuletzt.

Kommentar zu Ist Plauen als Oberzentrum gefährdet??

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