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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Prozessauftakt gegen Erzieherinnen in Auerbach

Strafmaß reiche von einer Geldstrafe bis hin zu Freiheitsentzug bis zu vier Jahren

241109 MechelgrünAuerbach/Mechelgrün – „Das treib ich Dir noch aus!“ Dies sei der Standardsatz gewesen, mit denen die Erzieherin Ramona R. ihren Schutzbefohlenen, Kindern zwischen ein und drei Jahren, drohend begegnete.

 

So die Aussage der damaligen Küchenhilfe Kerstin B. am Montag vor dem Amtsgericht Auerbach. Auf der Anklagebank saßen die Kindergärtnerinnen Ramona R. und Ilona S. denen in mehreren Fällen Nötigung und Körperverletzungen vorgeworfen wird. Beide sollen die Kinder im „Sonnenkäfer“ Mechelgrün mehrfach zwangsgefüttert, grob behandelt und angeschrien haben. Von Schlägen auf den Popo ist die Rede, und davon, dass man den Jungs und Mädchen die eingepullerten und –gekackten Schlüpfer ins Gesicht drückte. Wegen dieser Anschuldigungen ist Ramona R. nun ohne Job, ihre Kollegin S. wurde beurlaubt.


Lang ist die Liste der Vergehen, der sich beide Frauen schuldig gemacht haben sollen. Dem kleinen Bert (Namen der Kinder geändert) soll man ein Pflaster auf den Mund geklebt haben, weil er schrie. Klein-Olaf hat man allein an dem Tisch sitzen lassen, nur weil er nicht aufgegessen hatte, Dirk bekam seinen eigenen Kot ins Gesicht geschmiert, Maria die nasse Windel ins Gesicht, Moritz einen Schlag auf den Po. Hendrik wurde beim Essen festgehalten, während ihm Ramona R. das Essen gewaltvoll in den Mund stopfte und diesen, als das Kind das Essen wieder ausspucken wollte, mit ihrer Hand zuhielt. „Setzen! Essen! Ausziehen! – hieß es immer nur im Befehlston, wie bei den Soldaten!“, gab Erzieherin Katrin S. den Alltag im „Sonnenkäfer“ wieder.


Kinder, die ihr Getränk verschütteten, in die Hose pullerten, ihr Geschäft nicht auf dem Topf machten oder das Essen verschmähten, musste mit Strafe rechnen. Immer wieder habe Ramona R. den anderen Erziehern und Praktikanten die Anweisung gegeben, die Kinder nicht hoch zu nehmen, sie nicht zu streicheln, nicht zu trösten, so Erzieherin Katrin S. Sie, wie auch die Küchenhilfe Kerstin und eine angehende Erzieherin, als Praktikantin im „Sonnenkäfer“, sprechen von „liebloser Atmosphäre“ und verängstigten Kindern. „Die Kinder saßen mit gesenkten Köpfen und eingezogenen Schultern beim Essen. Wenn eines nicht spurte, wurde es am Schlawittel gepackt und durchs Zimmer gezerrt. Es war heftig“, so Katrin S.


„Ich möchte von Ihnen keine Reaktion mehr sehen. Da werde ich fuchsteufelswild!“, wandte sich Richter Helmut Böhmer scharf an die Angeklagte Ramona R., die grinsend in der Anklagebank saß, und abgesehen von ihrer verächtlichen Mimik sich nicht zu den Vorwürfen äußerte. Um so mehr ins Verhör genommen wurden die beiden Belastungszeugen Katrin S. und Kerstin B. von den beiden Anwälten der Angeklagten. „Sie lügen! Sie müssen hier die Wahrheit sagen!“ ging Anwalt Michael Rößler die 39-jährige Katrin S. scharf an.

 

Beide Verteidiger machten aus ihrem Argwohn keinen Hehl, dass Katrin S. und Kerstin B. ihre beiden Kolleginnen Ramona und Ilona durch diese Anschuldigungen nur aus dem Job heraus mobben wollten, um selbst einen festen Arbeitsvertrag zu bekommen. Anwalt Bittermann: „Wenn unsere Mandantinnen weggewesen wären, wäre dann auch Ihr Arbeitsvertrag sicher gewesen?“ Sie habe ja gar keine Befähigung zur Erzieherin, konterte daraufhin Küchenfrau Kerstin B., deren Ein-Euro-Job im Mai dieses Jahres auslief, und der die Mechelgrüner Bürgermeisterin danach Hausverbot für die Kita erteilte. Was Katrin S. anbelangt, so ist ihr Jahresvertrag verlängert worden. Heute noch ist sie, als einzige der vier Erzieherinnen, im „Sonnenkäfer“ – nun unter Trägerschaft der Volkssolidarität – tätig.


Im Frühjahr dieses Jahres hat Katrin S. die Vorfälle der damaligen Sonnenkäfer-Leiterin gemeldet. Diese meldete alles weiter ins Treuener Sozialamt. Als sie von den Vorfällen hörte, sei sie geschockt gewesen und habe sofort die Bürgermeisterin informiert, weil es ja hier um die Gefährdung von Kindeswohl gegangen sei, so die als Zeugin geladene Sozialamtschefin. In den folgenden Tagen habe es Gespräche mit allen Beteiligten im Kindergarten gegeben. Damals habe Ramona R. alles abgestritten, einzig habe sie zugegeben, ein Mal ein Kind geschlagen zu haben. Einerseits habe sie den Schilderungen von Erzieherin Katrin S. Glauben geschenkt, andererseits sei sie stutzig geworden, dass der Zeitpunkt der Anschuldigungen mit dem Auslaufen der Arbeitsverträge von Erzieherin S. und der Küchenhilfe zusammenfiel. „Dabei hat sich Ramona R. noch förmlich vor die Küchenkraft geworfen, um deren Festeinstellung zu erwirken. Da verstehe ich nicht die Anschuldigungen durch Kerstin B.“, so die Frau aus dem Treuener Rathaus.


Am nächsten Verhandlungstag am 11. Dezember (Beginn 8.45 Uhr) werden Eltern der betroffenen Kinder sowie die frühere Kita-Leiterin als Zeugen gehört. Am 18. Dezember wird das Urteil erwartet. Laut Aussage am Amtsgericht reiche das Strafmaß von einer Geldstrafe bis hin zu Freiheitsentzug bis zu vier Jahren. Unklar ist noch, ob das Gericht auf die Vernehmung der Ein- bis Dreijährigen zurückgreifen wird.  gl

 

2009-11-24




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