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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Plauen weiht Erich-Ohser-Haus ein
Plauen – Im Festsaal des Vogtlandmuseums ist am Freitag Erich Ohser, bekannt als e.o.plauen, zweifach geehrt worden: Ein Haus für seine Kunst und die Bearbeitung seines Nachlasses wurde eröffnet und mit Line Hoven eine junge Comiczeichnerin mit dem e.o.plauen-Förderpreis ausgezeichnet.
Es ist gar nicht so einfach, die richtigen Worte für ein außergewöhnliches Gebäude zu finden. Die Varianten „ein Kleinod“, „ein Schatzhaus“, „ein Schmuckstück“ und „eine Herzensangelegenheit“ waren zu hören. Ausgesprochen von Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, von dem brillanten Feuilletonisten der FAZ, Andreas Platthaus, von Dr. Karl Gerhard Schmidt, dem Präsidenten der e.o.plauen-Gesellschaft und von Thomas Früh, Abteilungsleiter Kunst im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (und auch in dieser Reihenfolge).
Alle vier Redner, die anlässlich der Eröffnung des Erich-Ohser-Hauses das Wort nahmen, charakterisierten damit den wundervollen Bau Nobelstraße 7, der in Zukunft zu einem Anziehungspunkt nicht nur für die Plauener werden soll. Doch die wohl treffendste Formulierung kam jedoch von Peter Ohser, dem Enkelsohn Erich Ohsers und Sohn Christian Ohsers. Peter, der seit gut elf Jahren aus den USA nach Plauen kommt, in die Stadt, in der sein Großvater seine Kindheit und Jugend verbrachte, sagte in einer spontanen, auf englisch gehaltenen und sehr von Herzen kommenden Rede, dies sei „das neue Familienhaus der Ohsers in Plauen“.
Neue Qualität der Ehrung
Viele drängten kurz vor 15 Uhr in den Festsaal des Vogtlandmuseums. Prominenz von Robert Hochbaum, dem direkt gewählten vogtländischen Bundestagsabgeordneten der CDU, über die beiden Landtagsabgeordneten Andrea Roth (Die Linke) und Frank Heidan (CDU) bis zu Plauener Stadt- und vogtländischen Kreisräten. Rolf Keil, der stellvertretende Landrat war da, wie auch die beiden Oberbürgermeister Dieter Kießling aus Reichenbach und Manfred Decker aus Auerbach.
Zu sehen waren die Jury-Mitglieder für den e.o.plauen-Förderpreis, viele Mitglieder der e.o.plauen-Gesellschaft, und zahlreiche Freunde der Kunst des Zeichners e.o.plauen. Als Privatmann war Karl Nolze, Ex-Regierungspräsident von Chemnitz, gekommen und vor der Förderpreisverleihung erschien auch Plauens Ehrenbürger und Ex-Oberbürgermeister Dr. Rolf Magerkord mit seiner Gattin. Da jedoch der Festsaal längst nicht alle Besucher fassen konnte, hatte man in einem weiteren Museumssaal eine Videoleinwand aufgebaut, wo viele weitere Gäste der Eröffnungsfeierlichkeit alles, was im Festsaal passierte, hautnah verfolgen konnten.
Rund 700 000 Euro habe es gekostet, das in einer „historischen einmaligen Gelegenheit“ zum Verkauf angebotene Haus Nobelstraße 7 als künftiges Erich-Ohser-Haus zu sanieren und zu restaurieren, sagte Ralf Oberdorfer. Dabei seien Fördermittel aus Dresden von gut 450 000 Euro hilfreich gewesen, erklärte der Oberbürgermeister. Mit diesem Haus und all dem, was hier eine Heimstatt gefunden habe, sei „eine neue Qualität der Ehrung Erich Ohsers in Plauen“ erreicht.
Andreas Platthaus, seit einigen Jahren als Jury-Mitglied und Laudator in Plauen bekannt, war der einzige Redner, der zumindest in Andeutungen auf die Eruptionen einging, die in letzter Zeit im Zusammenhang mit Erich Ohser auch zu verspüren waren.
Zwar benannte er nicht die Abberufung des wissenschaftlichen Beirats, erwähnte auch nicht die zum Teil spektakulären Austritte aus der Gesellschaft oder die Tatsache, dass sich in geschlossener Sitzung die Mitglieder des Kulturausschusses der Stadt mit Ungereimtheiten im Umfeld von Stiftung, Katalogerarbeitung und Kulturbetrieb der Stadt Plauen beschäftigten. Andreas Platthaus sah – mit Recht – nach vorn. „Erich Ohser eignet sich nicht für Streitereien“, so der FAZ-Redakteur, und er habe sich manchmal die Ohsersche Schwerhörigkeit gewünscht, um die lautstarken Keifereien nicht mehr hören zu müssen.
Begnadeter Zeichner
Mit Leidenschaft und wortgewaltig rühmte Platthaus das Einmalige der Kunst Erich Ohsers. e.o.plauen sei nicht nur ein begnadeter Zeichner gewesen, „der alle Tricks beherrschte“, sondern es gäbe niemanden, der in seiner Zeit dem Comiczeichner habe das Wasser reichen können. Er freue sich mit allen Ohser- Bewunderern, so Platthaus, dass es in Zukunft möglich sein werde, die Arbeiten Ohsers, also rund 1400 Blätter, der Öffentlichkeit zeigen zu können.
Plauen etabliere sich mit dem Erich-Ohser-Haus, so der Präsident der e.o.plauen-Gesellschaft, „als Zentrum der Ohser-Forschung. Er dankte der Stadt, den Stadträten und dem Oberbürgermeister für die Unterstützung der Pflege des Werkes von Erich Ohser.
Wunderschönes Domizil
Nun käme es darauf an, ein wissenschaftliches Werkverzeichnis zu erstellen. Er ging auch auf seine Präsidentschaft ein und erklärte, Präsident bleiben zu wollen, „wenn man mich braucht“. Er übergab als Geschenk zwei Zeichnungen Ohsers und Vater-und-Sohn-Figuren aus den dreißiger Jahren.
Die anderthalb Stunden dauernde Eröffnungsveranstaltung wurde aufgelockert durch vorgetragene Moritaten, zu denen Illustrationen Erich Ohsers zu sehen waren. Es sang der Schauspieler Michael Schramm vom Theater Plauen-Zwickau, der am historischen Klavier von Kulturbetriebsleiter Friedrich Reichel, der auch durchs Programm führte, begleitet wurde.
Das Glück des Tüchtigen hatte der Reporter, der beim Gang durch das neue Haus Ingrid Zenker traf. Frau Zenker hatte mit ihrer Familie im Haus Nobelstraße 7 von 1969 bis 1995 gewohnt. Sie erinnerte sich an die Idylle, die einst hier inmitten der Stadt herrschte; wusste aber auch noch von Plumpsklo und Ofenheizung zu berichten. Jetzt sei das Haus nicht wiederzuerkennen und ganz wunderschön geworden, sagte sie mit Tränen in den Augen.
Seltene Schabtechnik
Nachdem sich die Gäste einen ersten Überblick über die derzeit ausgestellten exakt 169 Druckgrafiken sowie zahlreichen persönlichen Dokumente e.o.plauens verschafft hatten, stand bereits der nächste Höhepunkt dieses ereignisreichen Tages an. Line Hoven wurde mit dem diesjährigen e.o.plauen Förderpreis ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit ihre künstlerische Arbeit mit Schabkarton, eine Technik, die nicht nur viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern auch von nur wenigen Comic-Zeichnern beherrscht wird, wie Platthaus feststellte. Sie habe damit zum einen eine Ästhetik wiederbelebt, die in ihren Anfängen auf die Wirkungsjahre Erich Ohsers zurückgeht, zum anderen nehme ihr Debütband „Liebe schaut weg“ auch die gleich humanistische Haltung ein, wie das Comicwerk e.o.plauens, so das Jurymitglied.
Die sympathische Künstlerin hatte bereits während eines Pressegespräches spontane Proben ihrer Kunst gegeben und die Anwesenden animiert, sich selbst einmal am künstlerischen „Kratzen“ zu versuchen. Ihre nun zu besichtigende Ausstellung „Kleine Kratzer“ beinhaltet die gezeichnete Familiengeschichte Line Hovens über zwei Generationen hinweg. Um das Fragile ihrer Arbeiten zum Tragen zu bringen hatte Hoven gebeten, sie nicht unter Glas zu präsentieren. Einen Teil ihres Studiums absolvierte sie übrigens bei Anke Feuchtenberger, der ersten Förderpreisträgerin 1997. Ihre Liebe und Verehrung zu e.o.plauen, so Hoven, habe bereits sehr früh begonnen – als sie die Zeichnungen Ohsers in ihren Schulbüchern sah. Anders als in der DDR war das Werk Ohsers in der alten Bundesrepublik stets Teil des Unterrichtes.
Die Auszeichnung ist mit einer Silbernen Zeichenfeder und einem Preisgeld von 2500 Euro verbunden. Derzeit arbeite sie an einem neuen Projekt, über das sie aber noch Stillschweigen wahren wolle, so Hoven.
Von Lutz Behrens
2010-09-27
Kommentar zu Plauen weiht Erich-Ohser-Haus ein?
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