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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Fall wirft Fragen nach Qualität der Versorgung auf
Kirchenlamitz/Plauen – Was eine Befreiung von jahrelangen Beschwerden hätte werden sollen, ist für den 51-jährigen Ralf Büttner aus Kirchenlamitz zu einem Albtraum geworden. Er endete erst im Universitätsklinikum Erlangen.
Dazwischen lag eine Irrfahrt zu Praxen und Krankenhäusern in der Region. Über das persönliche Schicksal hinaus wirft Büttners Fall eine ganze Reihe unangenehmer Fragen nach der Qualität der medizinischen Versorgung in der Region auf.
So beklagt sich der Kirchenlamitzer, dass ihm das Krankenhaus Bethanien in Plauen eine Behandlung verweigert habe, obwohl Ärzte des Sana-Klinikums Hof Stunden zuvor zweifelsfrei festgestellt hatten, dass er aus einem Loch in seiner Schädelbasis unablässig Gehirnflüssigkeit verlor. In Gegenrichtung drang Luft in den Schädel ein und begann das Hirn zu bedrängen.
Eigentlich hatte Ralf Büttner gehofft, künftig auch ohne Atemmaske schlafen zu können, als er sich am 8. Februar, einem Montag, einer Operation in einer Tagesklinik in Altenstadt im Landkreis Wunsiedel unterzieht. Durch die Entfernung entzündeter Schleimhaut und eine Weitung soll gegen eine Dauerinfektion in den vereiterten Nasennebenhöhlen vorgegangen werden. Dass es kein angenehmer Eingriff werden würde, wusste Ralf Büttner schon; bereits 1978 war er einmal an den Nasennebenhöhlen operiert worden.
Am Morgen nach dem Eingriff wird er entlassen; einen Tag später zieht die HNO-Ärztin die Tamponade aus der Nase, die die Nachblutungen auffangen sollte. Bereits zu diesem Zeitpunkt leidet Büttner jedoch unter Kopfschmerzen, die alles in den Schatten stellen, was er bis dahin gekannt hatte. Trotzdem schickt ihn die Fachärztin nach Hause. Sie habe die Meinung vertreten, dass der Schmerz von der Wirbelsäule kommen könnte oder er „zu wenig getrunken“ habe, erinnert sich Büttner heute.
Alarmierender Befund
In der Nacht zum 11. Februar hält Büttner die Schmerzen, gegen die kein Mittel mehr ankommt, nicht mehr aus. Sein Hausarzt verfügt eine Notfalleinweisung in das Sana-Klinikum in Hof. Genau zwölf Minuten vor Mitternacht kommt der Rettungswagenin Hof an. Obwohl das Hofer Krankenhaus nicht über eine HNO-Abteilung verfügt, beginnen die Ärzte nach der Ursache für die Schmerzen zu suchen, die Büttner quälen. Wenig später halten sie eine Computertomographen(CT)-Aufnahme von Büttners Schädel in Händen. Der Befund ist alarmierend: Beim Ausräumen der Nasennebenhöhlen hatte die Operateurin in Altenstadt offensichtlich die Schädelbasis durchbrochen – eine als „extrem selten“ beschriebene Komplikation dieses Eingriffs.
Durch diesen Durchbruch ist schon eine große Menge von Luft in den Schädel eingedrungen und drückt auf das Vorderhirn. Im Gegenzug läuft das Hirnwasser (Liquor) ab, in das das Gehirn sonst gebettet ist. Durch das Loch in der Schädelbasis haben nun auch Keime aller Art Zutritt zur Gehirnhöhle. Es besteht die akute Gefahr einer Hirnhautentzündung. Erste Blutwerte weisen darauf hin, dass in Ralf Büttners Körper bereits ein größeres Infektionsgeschehen begonnen hat.
Suche nach Fachklinik
Schwer beunruhigt suchen die Hofer Ärzte nach einer Möglichkeit, Ralf Büttner möglichst rasch in einer Fachklinik unterzubringen. Telefonisch verständigen sie das Krankenhaus Bethanien in Plauen, die nächstgelegene Klinik mit einer HNO-Abteilung. Kurz nach 1 Uhr in der Nacht ist der Rettungswagen im benachbarten Plauen. Doch was Ralf Büttner dort erlebt, kann er bis heute nicht verwinden.
Statt eine Behandlung oder wenigstens eine Linderung seiner Schmerzen zu erfahren, habe er sich einen Rüffel geholt, berichtet Büttner. Die diensthabende Ärztin habe eigentlich nur wissen wollen, warum er überhaupt hier sei und nicht dort, wo er operiert worden war. Sie habe ihm nur kurz in die Nase gesehen, etwas Sekret abgesaugt, und dann erklärt, dass er nach Hause fahren solle. Für die CT-Aufnahmen, die die Hofer Ärzte den Sanitätern mitgegeben hatten, habe die Ärztin keinen Blick gehabt. Büttner: „Sie hat nur gesagt: ,Wenn Sie bei uns operiert worden wären, dann wären Sie noch gar nicht draußen.‘“
Spülungen mit Sole
Auf dem Notfallschein notiert die Ärztin die Empfehlung an Büttner, sich am nächsten Tag bei der HNO-Ärztin in Altenstadt vorzustellen. Bis dahin sollen Spülungen mit „Emser Sole“ genügen – bei einer durchbrochenen Schädelbasis ein medizinisch fragwürdiger Rat. In einer schriftlichen Stellungnahme bezeichnet das Krankenhaus Bethanien das Vorgehen der Ärztin als „angemessen und nicht zu beanstanden“. Büttner selbst habe eine stationäre Aufnahme abgelehnt, weil seine Schmerzen abgenommen hätten und er noch am selben Tag einen Termin bei der Ärztin hatte, die den Eingriff vorgenommen habe. Von der Beschädigung der Schädelbasis habe die Klinik erst im Nachhinein bei einem Telefonat mit dem Hausarzt Büttners erfahren.
Ralf Büttner weist diese Darstellung weit zurück. In jener Nacht habe er alle Vorbereitungen für eine stationäre Aufnahme getroffen. In Hof wie in Plauen habe er beispielsweise nur noch einen Trainingsanzug über dem Schlafanzug getragen; mit ihm im Rettungswagen fuhr eine Reisetasche, die für einen Klinikaufenthalt gepackt war. Was wirklich mit ihm los gewesen sei, hätte die diensthabende Ärztin jederzeit erkennen können – wenn sie die Unterlagen der Hofer Kollegen nur angesehen hätte. Auch dem Personal des Rettungswagens, der Büttner von Hof nach Plauen gebracht hat, ist die Situation etwas peinlich. Man könne ihn schon wieder nach Hause bringen, erläutern die Sanitäter. Da die Plauener Ärztin aber eine Notfallbehandlung abgelehnt habe, müsse er sich darauf einstellen, eine Rechnung über gut 160 Euro für diese Fahrt zu bekommen. Ratlos unterzeichnet der immer noch von Schmerz gepeinigte Büttner eine Erklärung, gegebenenfalls für die Kosten der Heimfahrt aufzukommen.
Notoperation in Uni-Klinik
Gegen vier Uhr morgens ist Ralf Büttner wieder zu Hause in Kirchenlamitz. An Schlaf ist wegen der Schmerzen nicht zu denken, der Abfluss von Hirnwasser wird immer stärker. Sobald es hell wird, geht Büttners Ehefrau Roswitha – sie ist Krankenschwester – mit den CT-Aufnahmen des Hofer Klinikums zum Kirchenlamitzer Hausarzt. Dieser setzt daraufhin alle Hebel in Bewegung, um seinen Patienten in der HNO-Klinik der Universität Erlangen unterzubringen.
Um 14 Uhr liegt Ralf Büttner wieder im Rettungswagen. Die Uni-Ärzte betrachten die CT-Aufnahmen ihrer Hofer Kollegen und entscheiden sich für eine Notfalloperation. Mit Knorpelmaterial aus der Ohrmuschel Büttners verschließen sie noch am selben Abend ein drei mal fünf Millimeter großes Loch in der Schädelbasis. Über die Leistung des Plauener Krankenhauses möchten die Erlanger Ärzte keinen Kommentar abgeben. Ralf Büttner und seine Frau haben bei der Plauener Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet. va
2010-03-14
Kommentar von _Egal am 14.03.2010; 23:00:10 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Bei manchen Ärzten kann Einem echt bange werden. Ich lag auch 'mal 3 Wochen mit starken Schmerzen im Knie im Plauener Vogtland-Klinikum. Diese waren so stark, daß ich am Schmerztropf hing. Mehrere Ärzte (Chefarzt eingeschlossen) haben nichts gefunden. Man hatte schon den Eindruck, ich würde als Simulant betrachtet. Die Schwestern der Chirurgie (beschränkt auf die Zwei, mit denen ich zu tun hatte) waren alles andere als höflich.Dann wurde ich entlassen unter dem Motto: das wird schon wieder. Zwei Tage später hatte ich starke Schmerzen in der Hand-also wieder ab ins Krankenhaus.
Dann kam ich endlich in "die Innere". Das waren 2 Welten: sehr höfliche Schwestern und ein ganz anderer Eindruck. Nach nicht ein mal 2 Tagen hatte man den Befund: Bakterien. Konnte das nicht eher erkannt werden? So wären mir eine Narkose sowie viele Tage unnötige Schmerzen erspart geblieben.
P.S.: Meine Mutter hatte schon am 2. Tag gemeint, ich gehöre in "die Innere".
Ärzte sind auch bloß Menschen, aber solche Fehler dürfen nicht passieren. Hier geht es um die Gesundheit und werden auch dementsprechend bezahlt.
Kommentar von _Hofer am 15.03.2010; 13:23:08 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Das Plauener Klinikum ist zu einem Multikultiladen verkommen. Hier zaehlt nur noch Kohle. Die Obersten füllen sich die Taschen. Krankenschwester werden erniedrigt und erleben nur nooch Stress. Die guten Ärzten haben dem Klinikum den Rücken gekehrt. Seit Suessengut ging es hier bergab. Fachlich gesehen liegt hier ein klarer Behandlungsfehler vor.Kommentar von _j.spörel plauen am 16.03.2010; 10:37:25 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Auch ich kann die negativen Erfahrungen mit dem Bethanien Krankenhaus nur bestädigen,da ich leider im vergangenem Jahr auch einige tage dort verbringen musste! Um es kurz zu machen:ständig wechselnde Ärtzte von denen einige noch nicht einmal der deutschen Sprache einigermasen mächtig waren,und als Krönung wurden mir zur Entlassung Tropfen mitgegeben die nach dem öffnen 3 Monate haltbar sind aber zu jenem Zeitpunkt bereits über 6 monate geöffnet waren...Kommentar von _Olaf am 16.03.2010; 11:20:28 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Ich denke und weiß das hier noch viel im Verborgenen liegt. Überbelastung des Personals (4 Tage am Stück arbeiten), Unterbezahlung, Erniedrigung etc. Dass da ein Mensch auch Fehler machen kann ist für mich voll nachvollziehbar. Leider geht es nicht um einen DVD Player sondern um Menschenleben. Dies sollten sich die Geschäftsführer und Vorstände mal wieder vor Augen holen. Leider geht es in den Etagen, wie mein "Vorschreiber" schon erwähnte, nur um Geld.Ich finde genau bei diesem Thema ist wirklicher Journalismus gefragt und ich hoffe und fordere dass die Medien hier mal genauer hinterfragen und recherchieren. Liebes Vogtland-Anzeiger Team ich denke ihr solltet euch angesprochen fühlen!
Kommentar von _Müde am 16.03.2010; 21:33:58 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Klar geht es nicht um DVD Player. Da wären ja auch die Arbeitsbedingungen (zumindest in D) geregelt und es gäbe Tests und Qualitätsprüfungen.In der gewinnmaximierten Medizin geht es um (sorry) Patientengut welches verwaltet werden muss um einen Konsens zwischen Behandlungskosten und Erlös zu finden.
Um Medizin oder gar den Menschen in einzelnen geht es schon lange nicht mehr.
Einfach klagen - es wird mit den entsprechenden Anwälten dann eine Lösung gefunden die sicher weniger kostet als mehr Personal auf Dauer einzustellen.
Vielleicht bekommt auch der ein oder andere Arzt was auf die Mütze und muss sich eine neue Stelle suchen, ob dann seine Stelle aber neu besetzt wird ist aber nicht klar (mit einem Arzt dessen Dialekt etwas mit deutsch zu tun hat wage ich gar nicht zu denken). Seine Kollegen werden dann halt weiter ans maximal mögliche gerückt.
Medizin war gestern - heute gehts darum Aktionären zu gefallen.
Kommentar von _Thomas am 19.04.2010; 00:39:59 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Vom Betanien habe ich nur schlechtes gehört. Aber diese Sache ist wirklich eine absolute Frechheit. Ich hoffe auch das diese Ärztin nie wieder Praktizieren darf. Aber solche können sich doch immer wieder aus situationen Rausschwindeln.Im Helios ist oder war aber eine sehr freundliche Augenärztin die ihr Werk auch sehr gut verstanden hat. Sie kann auch Tschechisch oder Polnisch gewesen sein, weiß nicht genau.
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel?
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Kommentar von _L Gerhardt am 14.03.2010; 21:56:14 Uhr
Kommentar zu Albtraum: Irrfahrt mit offenem Schädel
Ich muss schon sagen das dieser Sachverhalt dem Fass den Boden ausschlägt und an Skrupellosigkeit nicht zu überbieten ist.Ich frage michgerade ob diese Ärtin wirklich jemals Medizin studiert hat oder nich eher die Empfangdame von einer Freizeiteinrichtung ist. Fassen Wir zu sammen da hat jemand unerträgliche Schmerzen, wird untersucht, es stellt sich heraus das ein loch im Schädel ist. Der Patient wird in ein Kirchlich getragenes Krankenhaus gebracht, welches HNO spezialisten haben sollte. Dort wird ihm gesagt is doch nichts weiter und "warum sollte ich Sie operieren, da ich das ja nich angestellt habe". Der Eit den Mediziner Leisten besagt, das sie JEDEM helfen müssen nach besten wissen. Nun stellt sich die Frage ob dies bei der "Ärztin" bekannt ist. Es kann hier von Glück gesprochen werden, das nichts weiter passiert ist. und die Anzeige ist mehr als angebracht man kann nur hoffen das diese Ärztin nie wieder praktizieren darf. Als Plauener möchte ich mich bei dem Herrn Büttner für soviel Dummheit im namen aller Plauener entschuldigen. Ich hoffe sowas niewieder lesen zu müssen.