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Herausgeber Wilfried Hub Handikap

Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.

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Plauener Friseurmeister spendet für Madamfo Ghana

221209 GhanaPlauen – Friseurmeister André Leonhardt ist ein Zeitgenosse, der sich absichtlich um die Angelegenheiten fremder Menschen schert. Nicht aus der seinem Berufsstand gern nachgesagten Neugierde – aus Hilfsbereitschaft. Und deshalb hat der 36-jährige Plauener spontan eine Benefiz-Aktion kurz vor Weihnachten angesetzt:

 

Wer sich am Mittwoch in Leonhardts Salon die Haare frisieren lässt, tut das zu Gunsten von „Madamfo Ghana“, einem jüngst in die Schlagzeilen geratenen engagierten Hilfsprojekt.


„Auf die Idee bin ich eher zufällig beim Fernsehen gekommen“, erzählt Leonhardt. Mitte November hatte RTL in einer stern-TV-Sendung die Reportage „Der Engel von Ghana“ ausgestrahlt, in der es um die Hagener Krankenschwester Bettina Landgrafe (33) ging, die in ihrer Freizeit Krankenhäuser, Brunnen und Schulen in Afrika baut. „Ich fand das so klasse, was diese junge Frau da nahezu im Alleingang auf die Beine gestellt hat, dass ich spontan beschlossen habe, ihr Projekt zu unterstützen“, sagt der Friseur. „Da werden nicht einfach nur Gelder oder Güter durch irgendwelche Organisationen gepumpt, sondern das ist wirklich echte Hilfe zur Selbsthilfe.“

 

Als André Leonhardt im Jahr 2001 seinen Salon „Intercoiffure haar ART“ an der Fichtestraße in der Plauener Südvorstadt eröffnete, war die examinierte Krankenschwester Bettina Landgrafe zum ersten Mal in Ghana unterwegs. Begeistert von der Schönheit des Landes und der Gastfreundschaft seiner Bewohner, tief berührt von der teils unvorstellbaren Armut. Doch viele der Hilfsprojekte, die sie aktiv kennenlernte, arbeiteten weder effektiv noch langfristig und häufig auch ohne die Betroffenen selbst mit einzubeziehen. Landgrafe gründete daraufhin ihren Verein „Madamfo Ghana“, um fortan gemeinsam mit den Dorfbewohnern eigene Projekte zu planen, finanzieren und umzusetzen. Auf diese Weise wurde schon viel erreicht – sauberes Trinkwasser, medizinische Versorgung, unbeschwerte Bildung. Und noch viel mehr bleibt zu tun.


Leonhardt war nicht der einzige Fernsehzuschauer, bei dem die TV-Reportage etwas ausgelöst hatte. Eine regelrechte Welle der Hilfsbereitschaft war angerollt. „Ich freue mich irrsinnig darüber, dass so viele Menschen auf uns zugekommen sind und vor allem selbst eine Aktion draus gemacht haben“, sagt Landgrafe, bei der Telefon und E-Mail-Postfach nicht mehr zur Ruhe kommen. „Von Kiel bis Wien wird meine Anwesenheit gewünscht, das ist unglaublich. Schade, dass André so weit weg ist, ich wäre sicher gern auch bei seinem Termin mit zugegen.“ Von manchen solchen Aktionen bekomme sie auch gar nicht erst große Rückmeldung, da würde von Basaren über Weihnachtsmärkte bis hin zu Online-Shops alles Mögliche einbezogen. Weit über 100 Unterstützungsaktionen seien seit der Fernsehsendung allein in Deutschland aus dem Boden gestampft worden, etliche weitere noch dazu in Österreich und der Schweiz. Überall greifen die lokalen Medien das Thema auf, und auch im Jahresrückblick von Stern TV soll ihre außergewöhnliche Story noch einmal gebracht werden.


In Plauen und Umgebung spricht es sich bereits herum, was André Leonhardt vorhat. Einige seiner Kunden hätten bereits extra deswegen einen Termin bei ihm am 23. Dezember reserviert. „Das wird wahrscheinlich ein sehr langer Arbeitstag“, glaubt der Vater zweier Kinder, der die Einnahmen dieses Tages komplett an „Madamfo Ghana“ spenden will. Da bekommt der Begriff „Bescherung“ eine ganz neue multiple Bedeutung. Mehr noch, er kann sogar direkt mitbestimmen, wie und wo das Geld eingesetzt werden soll, versichert Landgrafe. Damit haben also auch seine Kunden am Aktionstag Einfluss auf die Verwendung, denn Gespräche über die Aktion werden gewiss nicht ausbleiben. Und da nicht jeder am Tag vor Heiligabend bei Leonhardt einen neuen Haarschnitt für den guten Zweck bekommen kann, steht bereits jetzt schon eine Spendenbüchse in seinem Salon bereit. M. S.

 

2009-12-23




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