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Die Zeit ist schnelllebig. Viel zu schnelllebig. Leider. Die Top-Themen, die noch vor einigen Wochen tagelang die Zeitungsspalten füllten und die Nachrichten beherrschten, werden ganz schnell zum Ladenhüter, zu Themen, von denen die Öffentlichkeit kaum mehr Notiz nimmt. Dabei stellt sich die allgemeine Teilnahmslosigkeit oft genau dann ein, wenn das öffentliche Interesse besonders wichtig wäre. Die Rede ist vom Plauener Traditionsbetrieb Plamag. Anfang der Woche zog sich der nächste Kaufinteressent zurück. Die Zukunft des einstigen Manroland-Werkes ist damit wieder völlig offen. Doch es gab keinen Aufschrei in der Bevölkerung, keine Demonstrationen in der Plauener Innenstadt, keine Statements der Politiker – das Thema zieht nicht mehr.
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Die nächste Großbaustelle der Spitzenstadt
Wachstumskern vor ungewisser Zukunft
Plauen – Das geplante Deutsche Zentrum für Spitze und Stickerei in Plauen kommt. „Ich gehe fest davon aus“, sagt Dietrich Wetzel, Vorsitzender des Branchenverbandes Plauener Spitze. Was im oberen Vogtland die Schanze ist, soll in Plauen das Spitzenzentrum werden.
Doch bisher ist das Sechs-Millionen-Projekt lediglich auf dem Papier spitze. Durch die finanziell angespannte Situation in der Stadt ist der Baustart hinausgeschoben worden. Eigentlich sollte in diesem Jahr damit begonnen werden. Der Baustart ist auf 2013 verlegt worden. “Die Luft ist nun ein bisschen raus“, sagt Professor Franz Rudolph, Textilbeauftragter des Freistaats Sachsen. Er hält die Zügel in der Hand, koordiniert Abläufe, kümmert sich um Fördermöglichkeiten, bringt Ideen und Macher zusammen. Doch sein unermüdlicher Optimismus wird hin und wieder ganz schön auf die Probe gestellt, lässt der Textilexperte durchblicken. „Was tue ich mir hier an manchmal“, so der Professor kürzlich in einem Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger.
Kritik am Branchenverband
Viel sei in den vergangenen Jahren in den Bereichen Plauener Spitze und Marketing versäumt worden. „Während wir auf dem Gebiet der Innovation spürbare Fortschritte gemacht haben, stehen wir bei einem professionellen Marketing noch ganz am Anfang. Der Name Plauener Spitze ist ein Alleinstellungsmerkmal der Region, deshalb muss der Branchenverband Plauener Spitze, dem nur ein Teil der vogtländischen Stickereiunternehmen angehört, bekennen was er eigentlich tun will, oder wo er hin will“, sagt Rudolph.
Der Verband sei für größere Projekte so nicht arbeitsfähig, meint der Professor. Wetzel konterte: „Würde es ohne den Branchenverband ein Spitzemuseum geben?“ Die Ziele des Verbandes können nicht in einem Satz genannt werden, so der Vorsitzende. Die Vereinigung besteht derzeit aus 24 Mitgliedsbetrieben und einem ehrenamtlichen Vorstand. In diesem Jahr feiert der Verband sein 20-jähriges Bestehen. Dies soll mit mehreren Aktionen begangen werden.
Um die gemeinsamen Ziele besser zu vernetzen ist im Oktober 2007 der Verein Deutsches Innovationszentrum für Stickerei gegründet wurden. Hier werden das Projekt Spitzenzentrum betreut, Tagungen organisiert und die Innovations- und Forschungsarbeiten koordiniert. „Viele Kräfte gibt es, die gutes tun wollen, aber das muss auch gebündelt werden“, so Projektmanagerin Kathrin Floß. Das geplante Spitzen und Stickereizentrum in Plauen soll zu einem wichtigen Marketinginstrument der Branche werden. Nur gemeinsam kann dies verwirklicht werden, da sind sich alle Seiten einig und arbeiten eng zusammen.
Die Erarbeitung eines Marketingkonzeptes für das Zentrum wird bis zum Sommer abgeschlossen sein. Ein wichtiger Punkt. Die Plauener Spitze muss wieder bekannter werden. Bei einer Händlerbefragung in ganz Deutschland unter mehr als 100 Fachhändlern kannten 56 Prozent die Plauener Spitze. Bei Händlern, die keine Plauener Spitze im Angebot haben, liegt die Bekanntheit lediglich bei 19 Prozent. Aktiv daran gearbeitet werden muss auch, dass Image des Produktes deutlich zu verbessern.
Das entstehende Zentrum bietet beste Voraussetzungen dafür. Vor allem „Emotionen“ sollen darin verkauft werden, sagt Rudolph, der auch Vorsitzender des Vereins ist. Das Ausstellungskonzept steht. Noch nicht ausgereift sei jedoch das künftige Betreiberkonzept. Rund sechs Millionen Euro sind für den Bau veranschlagt. Darin steckt eine 70 prozentige Förderung. An den laufenden Betriebskosten wird sich neben der Stadt auch der Landkreis beteiligen, dies versicherte kürzlich Landrat Tassilo Lenk in einem Spitzengespräch. Allein aus Eintrittsgelder wird sich die Erlebniswelt nicht finanzieren können. Auch ein Spitzenkaufhaus ist im Gespräch und könnte in das Spitzenzentrum integriert werden.
Anspruch: Weltweit führend
Professor Franz Rudolph war maßgeblich am Aufbau des regionalen Wachstumskern „highStick“ beteiligt. Das Bündnis aus fünf Stickereiunternehmen und fast 30 weiteren Partnern aus den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Textilveredlung, Forschung und Bildung erforscht Stickereitechnologien für Zukunftsmärkte und das mit wachsendem Erfolg. Vor allem technische Anwendungen stehen im Vordergrund bei der Arbeit. Die Vision ist es, die weltweit führende Region für technisches Sticken zu werden.
Der Kern wird gefördert vom Bundesforschungsministerium. Die Förderung läuft jedoch im Herbst diesen Jahres aus. Wie es weiter geht, sei noch nicht genau geklärt. Wichtige Zeit sei schon verloren gegangen, sagt Rudolph. Weitere Anschlussprojekte für den Kern gibt es genügend, heißt es. Ein Ergebnis der guten Arbeit in den vergangenen Jahren. Waren die Projektthemen am Anfang noch ein Schwachpunkt, liegen jetzt viele innovative Projekte vor, die auch über die Branche hinaus gehen. Die ersten Erfolge haben auch die Schweizer Sticker aufgerüttelt. Hier ist im letzten Jahr ein neues Innovationszentrum gegründet worden. Im Vogtland seien die Voraussetzungen im Vergleich aber besser, sagt der Professor. Ein großer Vorteil sei unter anderem, dass viele der Stickereiunternehmen noch Familienbetriebe sind, die zudem eigenen Nachwuchs haben.
Auf einer großen Abschlusskonferenz am 26. August in der IHK Plauen soll Bilanz über die Arbeit des Kerns gezogen werden. Die Tagung steht unter dem Thema „Von der Forschung zum Markt“. Ging es bisher um das erforschen, wollen sich alle Beteiligten nun darum bemühen, die entstandenen Produkte zu vermarkten.
Von Martin Reißmann
2010-02-24
Kommentar zu Die nächste Großbaustelle der Spitzenstadt?
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